Die Redaktion empfiehlt: »Buddy Longway Gesamtausgabe – 1« von Derib

14.10.2016 08:15 von vpm

Western-Klassiker aus den 70er-Jahren

Wer sich schon ein wenig länger mit Comics beschäftigt, wird den Namen »Buddy Longway« kennen. Die Western-Serie wurde ab den 70er-Jahren im deutschsprachigen Raum in der Zeitschrift »Yps« abgedruckt – einige dieser Hefte las ich zu der Zeit auch –, bevor ab den 80er-Jahren verschiedene Comic-Verlage die Geschichten als Alben veröffentlichten.

Buddy Longway Gesamtausgabe – 1In der Egmont Comic Collection erschien in den vergangenen Monaten die Gesamtausgabe der klassischen Serie: Alle Alben wurden in insgesamt fünf großformativen Hardcover-Bänden zusammengefasst, und ich las bislang den ersten davon. Weil mich das sehr angesprochen hat, möchte ich die Serie und ihre Gesamtausgabe vorstellen – auch wenn Western sicher nicht jedermanns Sache sind ...

Auffällig bei »Buddy Longway« ist unter anderem, dass die Serie vor der eigentlichen Zeit des Wilden Westens spielt, also vor dem Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten. Zu dieser Zeit lebten nur wenige Weiße im weiten Land zwischen Mississippi und dem Pazifischen Ozean; sie arbeiteten als Trapper, handelten mit den Indianern und hatten kein großes Interesse daran, Städte zu gründen oder dem Land die Zivilisation zu bringen.

Einer von diesen Trappern ist Buddy Longway, ein blonder Hüne, dessen Herkunft anfangs unbekannt ist. Er stößt auf indianische Stämme, gerät mit ihnen in Konflikte oder schließt Freundschaften mit ihnen. Gleich im ersten Abenteuer rettet er eine junge Indianerin vor weißen Männern. Die beiden verlieben sich ineinander, er folgt ihr zu den Sioux, ihrem Heimatvolk, und später bauen sich die beiden ein gemeinsames Haus.

Im zweiten Abenteuer kommt bereits der Sohn auf die Welt, in weiteren Abenteuern wird die kleine Familie immer wieder bedroht. Wenn man möchte, ist »Buddy Longway« also eine Familienserie, die im Westen der Vereinigten Staaten spielt. Die Botschaft, die vermittelt wird, ist letztlich die, dass einem die Familie und die Freunde auch in Zeiten der Not immer wieder helfen ...

Tatsächlich ist »Buddy Longway« ein positiver Western. Zwar erleben die Hauptfiguren in den insgesamt zwanzig Comic-Alben genügend Abenteuern mit bösartigen Herumtreibern oder wilden Tieren – aber hauptsächlich herrscht eine positive Sicht auf die Welt vor. In der heutigen Zeit, wo Filme, Comics und Romane häufig eine pessimistische bis zynische Sicht vermitteln, wirkt »Buddy Longway« damit recht altmodisch.

Das gilt auch für die Zeichnungen. Claude de Ribaupierre ist ein Comic-Künstler aus der Schweiz, der unter seinem Künstlernamen Derib unter anderem den wunderbaren Kinder-Comic »Yakari« schuf. In seinem »Buddy Longway« stellt er die Natur des Westens dar, zeigt beeindruckende Landschaftsbilder und schildert die untergegangene Welt der nomadisierenden Indianerstämme bildgewaltig und schön zugleich. Das ist realistisch gezeichnet, bleibt aber im Rahmen; die Comics wurden anfangs für Jugendliche angefertigt, verzichten deshalb auf optische Brutalität.

Mir gefallen die redaktionellen Ergänzungen sehr. Das ist bei den aktuellen Gesamtausgaben verschiedener Comic-Verlage durchaus normal – ich mag das. Auf den reichhaltig bebilderten Seiten erfährt man als Leser mehr über den Schöpfer des Western-Comics, seine Ziele und weiteren Projekte. Sehr schön!

Für Freunde des klassischen Comics ist »Buddy Longway« auf jeden Fall eine Empfehlung; wer als »Neuling« einen modernen Klassiker des frankobelgischen Comics kennenlernen möchte, sollte hier auf jeden Fall einen Blick wagen.

Der erste Band der »Buddy Longway«-Gesamtausgabe umfasst 224 Seiten, die als Hardcover angeboten werden, und kostet 34,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-7704-3867-9 kann man den Band überall im Buchhandel bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Klaus N. Frick

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