Die Redaktion empfiehlt: »Black Magick 1« von Greg Rucka / Nicola Scott

10.05.2017 08:00 von vpm

Starker Einstieg in einen Horror- und Krimi-Comic

Es ist ein starker Einstieg: Die Polizistin Rowan Black wird zu einem Einsatz gerufen. Ein Mann hat Geiseln genommen, und er möchte nur mit ihr sprechen. Sie lässt sich darauf ein, geht zu dem Geiselnehmer – alles in Absprache mit ihren Vorgesetzten – und erfährt dort, dass er mehr über sie weiß als jeder andere. Der Einsatz endet im Desaster ...

So beginnt der erste Band der neuen Serie »Black Magick«; es geht gleich richtig rund. Wer bei der Beschreibung des Einstiegs an einen klassischen Polizei-Krimi denkt, hat nicht unrecht. Die Serie arbeitet mit allen Mitteln, die man von einem Krimi her kennt: Die Polizei ermittelt, es gibt Konflikte zwischen den Beamten, und ständig gibt es neue Probleme bei der Arbeit.

Gleichzeitig aber hat die Serie einen starken phantastischen Einschlag: Rowan Black ist nämlich nicht nur Polizistin, sondern auch eine Hexe, übt die Hexerei aber nur streng geheim aus. Dass der Geiselnehmer eine Reihe ihrer Geheimnisse kennt, heißt letztlich nur, dass seltsame Mächte auf ihre Spur gekommen sind. Soweit der Ausgangspunkt für diesen Comic, der sich als eine Mixtur aus Krimi und Horror erweist und mich ziemlich begeistert hat.

Für die Texte ist Greg Rucka zuständig, der in der amerikanischen Comic-Historie schon an zahlreichen Projekten mitgearbeitet hat. Ich fand seine Arbeit für »Gotham Central« großartig – die Polizeiserie, die in der Stadt spielt, die man sonst von »Batman« her kennt –, schätze aber auch seine neuen Arbeiten für eigenständige Serien wie »Lazarus«.
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Der Mann weiß, wie man pointierte Comic-Geschichten erzählt: klare Dialoge, schnelle Szenenwechsel, eindeutige Charakterisierung der Hauptfigur. Auch wenn die Idee für die Geschichte nach Klischee schreit – eine Hexe, ernsthaft? –, weiß Rucka sie so mit Inhalt zu füllen, dass man ihr mit wachsender Spannung folgt und danach begierig auf die Fortsetzung wartet. Die Hauptfigur, ihr Gegenspieler, der ganze Hintergrund mit dem Hexenkult und seinen Feinden – das ist alles sehr knallig geschildert und macht neugierig.

Die Zeichnerin steht nicht hinter dem Texter zurück. Nicola Scott ist hierzulande ebenfalls durch ihre Mitarbeit an Superhelden-Serien bekannt geworden – die bekannteste dürfte »Birds Of Prey« sein. Sie kann realistisch zeichnen, und ihre Bilder wirken immer sehr filmisch. Die Action, Gesichter, Häuser oder Autos stellt sie so ins Zentrum, dass sie stets überzeugen.

Interessant ist die Farbgebung. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Serie sei komplett schwarzweiß gezeichnet – aber Farben sind da, wenngleich sehr verborgen. Hier hat Chiara Arena einen guten Job gemacht; immer wieder gibt es Details, die farbig sind und die dadurch die Schwarzweiß-Grafik unterstützen.

»Das Erwachen« ist der erste Band der neuen Comic-Reihe, und das amerikanische Kreativ-Team macht sehr neugierig auf die Welt, die hier entwickelt wird. Die Mischung aus Mystery und Krimi, aus Horror und Action finde ich faszinierend, und ich kann mir das schon jetzt gut in einem Film vorstellen. Brillant!

Veröffentlicht wurde der Comic im sogenannten Bookformat – also ein Hardcover, das im Format zwischen einem amerikanischen Comic-Heft sowie einem großen Album liegt – vom Splitter-Verlag. Er ist 136 Seiten stark und kostet 19,80 Euro.

Wer sich dafür interessiert, kann den Comic überall im Comicfach- oder im Buchhandel bestellen; die ISBN 978-3-95839-478-0 ist dabei hilfreich. Versandhändler wie Amazon führen den Comic ebenfalls, und wer mehr wissen will, schaue sich die Leseprobe an.

Klaus N. Frick

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