Die Redaktion empfiehlt: »Am Limit« von David Baldacci

19.01.2017 08:00 von vpm

Menschenhändler im Visier

Der amerikanische Schriftsteller David Baldacci wird von der Kritik nicht unbedingt geliebt, dafür von den Lesern. Seine Thriller landen eigentlich immer auf der Bestsellerliste, sie finden weltweit ihr Publikum.

Hierzulande sorgt der PERRY RHODAN-Autor Uwe Anton dafür, dass Baldacci gut »eingedeutscht« wird.

Es mangelt nicht an Stimmen, die dem Autor einen eher schlichten Stil und eine eindimensionale Handlung vorwerfen. Als »anspruchsvoll« würde ich ihn selbst nie einstufen, aber ich lese seine Romane ausgesprochen gern.

Aus diesem Grund ließ ich mich mit wohliger Vorfreude auf »Am Limit« ein. Es ist der zweite Teil der Serie um den Ermittler John Puller, hat praktisch keine Verbindung zum ersten Band und ist so problemlos verständlich.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/baldacci.jpgPuller ist ein typischer Action-Held: Er arbeitet bei der Militärpolizei, war im Verlauf seines Lebens im Irak und Afghanistan sowie an anderen Orten, kann mit allerlei Waffen hervorragend umgehen und hat einen sehr guten Instinkt für Gefahren. Als er seine Tante in Florida besuchen möchte, weil diese seltsame Beobachtungen gemacht hat, kommt er allerdings zu spät: Die alte Frau ist schlichtweg ertrunken. Puller glaubt nicht, dass es ein Unfall war, und legt mit seinen Ermittlungen los.

Recht schnell stellt sich heraus, dass in der paradiesischen Kleinstadt, die zudem den hübschen Namen Paradise trägt, das Leben nicht für alle gleichermaßen angenehm ist. Anscheinend dient der Strand der Stadt als Anlegestelle für Menschenschmuggler: Billige Arbeitskräfte, Drogenkuriere und Prostituierte werden an dieser Stelle ins Land gebracht und auf einzelne »Stationen« in den USA verteilt. Das schmutzige Geschäft bringt für einige der Beteiligten das »große Geld«, während es für die Opfer nur die totale Ausbeutung bis zum Tod bringt. Aber Puller kommt hinter die miesen Machenschaften ...

Der Roman beginnt recht behutsam. Puller fährt viel herum, schaut sich die Gegend an, knüpft Kontakte und redet mit den Leuten. Im letzten Drittel des Romans steigert sich die Action, am Ende wird der »Bodycound« dann sogar richtig groß. Interessanterweise fand ich die ruhigen Passagen in der ersten Hälfte wesentlich spannender als das umfangreiche Geballer am Ende des Romans.

Das könnte daran liegen, dass der Autor sich am Anfang durchaus Zeit nimmt, seine Charaktere vorzustellen. Puller ist zwar eine eindimensionale Hauptfigur, die praktisch keine Fehler begeht; sein Verhältnis zu seiner Familie macht ihn aber interessant. Einige Nebenfiguren schildert Baldacci so, dass man mit ihnen mitfühlt und mitleidet; das schafft der Autor auch, ohne zu viel in das Innenleben der Figuren einzusteigen.

Erstaunlich offen und klar macht David Baldacci die Schattenseiten des amerikanischen Systems deutlich. Ob es den Sklavenhandel so gibt, wie er ihn schildert, ist dabei fast schon gleichgültig: Er zeigt, wie rechtlos die Migranten aus Lateinamerika leben, mit welcher Verachtung sie teilweise von den »Weißen« betrachtet werden und wie groß die Spannungen in den Vereinigten Staaten sind.

Klar: »Am Limit« ist keine große Literatur; das will dieser Roman ja auch nicht sein. Baldacci will einen spannenden Thriller erzählen, und das gelingt ihm hervorragend. Ich las ihn »in einem Rutsch« durch, hätte am liebsten sogar die Nächte mit der Lektüre verbracht – da stört mich dann manche eher schlichte Formulierung oder Action-Szene überhaupt nicht.

Erschienen ist der Roman bei Heyne. Dort liegt er seit dem Mai 2016 als Taschenbuch vor; es ist 576 Seiten stark, kostet 9,99 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-4534-1892-9 überall im Buchhandel bestellt werden; selbstverständlich auch bei Versendern wie Amazon.

Wer mag, kann sich noch die schicke Hardcover-Ausgabe besorgen. Sie ist noch lieferbar und kostet 19,99 Euro. Selbstverständlich gibt es »Am Limit« auch als E-Book, unter anderem für den Kindle. In dieser Form kostet der Roman dann 8,99 Euro. Zur Hörbuch-Ausgabe, die es unter anderem im Download gibt, kann ich nichts sagen.

Klaus N. Frick

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