Die Redaktion empfiehlt: »Alles außer irdisch« von Horst Evers

04.05.2016 08:00 von vpm

Auf den Spuren des »Anhalters«

Ich schätze den Kabarettisten und Schriftsteller Horst Evers sehr. Ich habe ihn live gesehen, im Rahmen eines gelungenen Kabarett-Auftritts, und ich habe ein halbes Dutzend seiner Bücher gelesen. Wenn ein solcher Autor sich der Science Fiction annimmt, ist die Lektüre seines Romans auf jeden Fall eine Pflichtlektüre – nicht nur für mich, sondern für alle Fans des Genres, die gern einmal breit grinsen oder gar lachen wollen.

Horst Evers: Alles außer irdischMit »Alles außer irdisch« ist Evers ein Roman gelungen, der mir nicht hundertprozentig gefällt, der vor allem die eine oder andere Länge aufweist, unterm Strich aber sehr gut unterhält. Und wenn er dazu dient, dass Leute, die Evers-Romane eher als humoristisch betrachten, auf diese Weise auf die Science Fiction aufmerksam werden, freut mich das ganz besonders.

Denn »Alles außer irdisch« fängt in der nahen Zukunft an, hat den einen oder anderen Anknüpfungspunkt in unserer Wirklichkeit und rast dann mit Überlichtgeschwindigkeit hinaus in Raum und Zeit. Der Autor jongliert mit Zeitreisen und überspannten Wirklichkeiten, mit fremdartigen Außerirdischen und abgefahrenen Problemen – das alles ist grell beschrieben und macht großen Spaß.

Schon der Anfang ist witzig: In Berlin wird nämlich endlich der Flughafen eröffnet, Berlin und Brandenburg stehen Kopf. Ein Flugzeug ist dazu ausersehen, den ersten Flug vom neuen Flughafen aus anzutreten. Doch dann fällt ein riesiges Raumschiff aus dem Nichts und plumpst geradezu auf die Startbahnen. Und während Polizei und Militär, Politik und Presse noch rätseln, was das alles soll, wird das Leben eines ganz gewöhnlichen Mannes völlig über den Haufen geworfen.

Dieser Mann ist Goiko, der so gewöhnlich ist, dass ihn niemand auf der Straße beachten würde. Und doch geht er mit einer Fahrradkurierin aus Berlin und einem durchgeknallten Forscher aus Russland auf eine Reise hinaus in die Galaxis. Er muss erkennen, dass er die große Hoffnung der Menschheit ist. Von seinen Entscheidungen hängt ab, ob die Erde vernichtet oder an ein Konsortium verkauft wird; er ist quasi der Hüter der menschlichen Zukunft.

Spätestens hier erweist sich Horst Evers als ein Fan von Douglas Adams und dessen »Anhalter«-Romanen. Der Brite sorgte zu Beginn der 80er-Jahre nicht nur in der Science-Fiction-Szene mit seinem abgefahrenen Humor für Lacher und begeisterte Millionen von Lesern weltweit. Evers hat die Bücher auch gelesen, das merkt man. Trotzdem ist »Alles außer irdisch« kein Abklatsch, denn Evers hat seinen eigenen Humor, der auf jeder Seite durchblitzt.

Seine Helden sind vertrottelt, die Außerirdischen verfolgen seltsame Pläne, und das alles wird mit schrägen Dialogen erzählt. Manchmal rutscht Evers in einen schenkelklatschenden Humor ab, dann wieder tauchen zeitaktuelle Themen auf – der Roman ist auf jeden Fall ziemlich abwechslungsreich. Wenn's um Zeitreisen und Zeitmanipulationen geht, wird's übrigens auch recht kompliziert; da muss man als Leser durch ...

»Alles außer irdisch« macht Spaß, wenn man sich als Leser auf den skurrilen Humor des Autors einlässt – dann ist es unterhaltsame Science Fiction, wie man sie im deutschsprachigen Raum nur sehr selten findet.

Der Roman ist als Hardcover mit Schutzumschlag im Rowohlt-Verlag erschienen; er ist 368 Seiten stark und kostet 19,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-87134-815-0 kann er in jeder Buchhandlung gekauft werden. Selbstverständlich gibt es auch eine E-Book-Version, unter anderem für den Kindle – diese kostet 16,99 Euro.

Eine Hörbuchversion ist bei Argon als Audio-CD erschienen; der Autor liest sein Werk dabei selbst vor. Als Preis werden 19,95 Euro empfohlen. Hörproben können unter anderem bei Amazon angehört werden; Leseproben stehen beispielsweise auf der Internet-Seite des Verlags zur Verfügung.





Klaus N. Frick

 

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