Die Redaktion empfiehlt: Adrian J. Walker: »Am Ende aller Zeiten»

07.11.2016 08:00 von vpm

Beeindruckender Endzeit-Roman

Was passiert, wenn die Welt untergeht? Das ist ein Thema, das man schon oft in Büchern gelesen und in Filmen gesehen hat. Häufig übernehmen hartgesottene Kämpfer das Kommando, es kommt zu erbitterten Auseinandersetzungen, und am Ende entwickelt sich eine neue Gesellschaft aus den Trümmern des bekannten Systems. Die Art und Weise, wie solche Geschichten erzählt werden, variiert im Verlauf der Zeit; als erfahrener Leser kenne ich schon viele Varianten.

Wie Adrian J. Walker allerdings in »Am Ende aller Zeiten« beschreibt, was um seinen »Helden« und vor allem auch in ihm vorgeht, während rings um ihn herum alles in die Brüche geht, das ist schon zAm Ende Aller Zeitiemlich klasse. Ich habe den Roman mit großer Spannung und wachsender Begeisterung gelesen, saß hinterher beeindruckt da und war mir nicht sicher, was ich mir wünschen sollte: dass der Autor bitteschön keine Fortsetzung schreiben und den Roman mit seinem halboffenen Ende so stehen lassen sollte oder dass er doch eine Fortsetzung liefern und den Aufbau einer neuen Gesellschaft schildern möge.

Der Roman ist lupenreine Science Fiction, weil er in einer erschreckend nahen Zukunft spielt, aber man kann ihn jedem Leser und jeder Leserin in die Finger drücken, der oder die spannende Literatur mag. Ich bin sicher, dass sich viele Menschen in ihm wiederfinden werden. Denn die zentrale Frage, die sich immer wieder bei der Lektüre stellt, ist sehr einfach: Wie würde ich mich in der Situation verhalten, in die es die Hauptfigur des Romans verschlägt?

Ed ist ein Familienvater von der traurigen Gestalt: Er hat zwei Kinder und eine Frau. Während er sich darum bemüht, sein Geld zu verdienen, kümmert er sich kaum um seinen Haushalt und überlässt alles seiner Frau. Er ist eher antriebslos und träge, geht abends lieber mit alten Freunden ein Bier – oder viele ... – trinken und weiß ansonsten wenig mit sich, seiner Familie oder etwaigen Träumen anzufangen.
Dann aber bringt ein Schauer aus Meteoriten unterschiedlicher Größe das Ende der bekannten Zivilisation. Zumindest die Nordhalbkugel der Erde wird weitestgehend verwüstet, Großbritannien in Schutt und Asche gelegt. Tsunamis rasen über die Küsten hinweg, Feuerstürme vernichten die Städte. Wer überlebt, hat Glück gehabt oder verfügt über einen tiefen Keller. Danach ist alles anders ...

Nach einigem Hin und Her werden Frau und Kinder evakuiert, während Ed im verwüsteten Edinburgh zurück bleibt. Weil er seine Familie wiedersehen möchte, beginnt er damit, sich mit einigen Begleitern nach Süden durchzuschlagen. Die Männer und eine Frau beginnen eine verzweifelte Odyssee durch ein zerstörtes England, vorbei an niedergebrannten Ortschaften und Leichenfeldern. Sie treffen auf Überlebende, die ein faschistisches Regime errichtet haben, und Gruppierungen, die alles töten, was noch am Leben ist.

Der Autor erzählt seine Geschichte mit klaren Worten, spart nicht an brutalen Details, verzichtet aber darauf, sich an Grausamkeiten zu weiden. Seine Hauptfigur ist kein Kämpfer, sondern eher ein schwacher Charakter, der erst im Verlauf der Handlung lernt, über sich selbst hinauszuwachsen. Ed wird von Verzweiflung und Angst angetrieben, nicht von Tapferkeit und Stolz – der Unterschied zwischen dieser Hauptfigur und den Figuren in vielen Büchern und Filmen fällt immer wieder auf.

Das merkt man auch an den Passagen, bei denen der Autor in die Innenwelt der Figur hineinblickt. Er bringt dabei keine ausführlichen Gedankenverläufe, die möglicherweise langweilen könnten, sondern macht schlachtlichtartig klar, wie sich Ed verändert, was er denkt und fühlt. In solchen Passagen überwindet der Roman die »Regeln« eines Science-Fiction- oder Abenteuerromans, was mir sehr gut gefallen hat.

»Am Ende aller Zeiten« zeigt bei aller Spannung und Action ein faszinierendes Charakterbild; der Autor beschreibt einen Helden, der sich wandelt und der dabei wächst. Das macht er so gut, dass ich das Buch während der Lektüre kaum aus der Hand legen konnte. Absolut empfehlenswert – nicht nur für Genre-Fans, sondern für alle, die gut geschriebene Unterhaltungsliteratur mit Niveau mögen.

Das Paperback ist 432 Seiten stark, ist superschick als großformatiges Klappenbroschur gebunden und kostet 14,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-596-03704-9 ist es in jeder Buchhandlung zu bestellen – bei vielen dürfte es eh vorhanden sein –, auch bei Versendern wie Amazon. Den Roman gibt es auch als E-Book, unter anderem für den Kindle; in der digitalen Version kostet er 12,99 Euro.

Wer mehr über das Buch wissen will: Auf der Internet-Seite des Verlages findet sich eine Leseprobe, dazu gibt es weitere Informationen zum Autor und seinem Werk.

Klaus N. Frick


Zurück