»Das Blut Belsazars« von Robert E. Howard

08.01.2013 11:24 von vpm

Blutig-rabiater Abenteuer-Klassiker

Normalerweise empfehle ich an dieser Stelle vor allem Science-Fiction- und Fantasy-Romane, gelegentlich auch Comics und Hörbücher, hinter denen ich hundertprozentig stehe. Gelegentlich aber gibt es eine »eingeschränkte Empfehlung«, und diese hier ist eine davon. Es geht um »Das Blut Belsazars«, eine Sammlung von drei Texten des amerikanischen Fantasy-Klassikers Robert E. Howard. Man sollte nämlich ein Fan von Klassikern sein, um das Buch richtig gut finden zu können.

Wem der Name des Autors nichts sagt – bekannt wurde er vor allem durch seine Figur Conan. Mit den Conan-Geschichten erwarb er Weltruhm, allerdings Jahrzehnte nach seinem frühen Tod. In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts veröffentlichte Howard buchstäblich Hunderte von Novellen und Kurzgeschichten in den unterschiedlichsten Genres: Abenteuer aus dem Box-Sport, Krimis und Western, Fantasy und historische Geschichten. Er schrieb für teilweise schlecht gemachte Zeitschriften, die vor allem miese Honorare bezahlten. Das führte dazu, dass er seine Welten in einem irrsinnigen Tempo erschaffen musste und unglaubliche viele phantastische und historische Figuren erfand.

Zu den historischen Figuren gehört Cormac Fitzgeoffrey, ein irischer Haudegen aus dem Mittelalter, der sich im heutigen Nahen Osten mit Arabern und Kreuzrittern herumschlägt. Cormac klingt nicht nur zufällig nach Conan, er ist auch eine sehr ähnliche Figur: ein heldenhafter Kämpfer voller Muskeln und Energie, der wild und gefährlich ist und dennoch über eine große Intelligenz verfügt. In einer fürchterlichen Zeit kämpft er um Ruhm und Ehre, setzt sich für Freunde ein, hat aber auch wenig Skrupel, sich mit Banditen und Mördern zu verbünden.

In »Das Blut Belsazars« sind zwei Novellen»Das Blut Belsazars« von Robert E. Howard enthalten, dazu kommen das Fragment eines Kurzromans sowie ein sachkundiges Vor- und Nachwort. Der Inhalt der Geschichten ist kurz zusammengefasst: Action, Action, Action. Es wird gekämpft und geschlachtet, zwischendurch werden Pläne geschmiedet und umgesetzt, dann aber spritzt wieder das Blut, fliegen getötete Männer durch die Luft, brennen Städte und Burgen. Das muss man mögen, ebenso muss man als Leser mit den unvermuteten Perspektivwechseln und der manchmal groben Charakterzeichnung der Hauptfiguren klarkommen.

Verschweigen darf ich nicht, wie eindimensional die Beschreibung anderer Völker ist. Araber sind meist diebische Gauner, die nur plündern und morden im Sinn haben; ein Jude wird als ziemlich widerlich geschildert. Aus der Sicht eines irischen Kreuzritters mag das einleuchten, aus heutiger Sicht liest sich das sehr negativ. Andererseits werden die christlichen Ritter und ihre Intrigen ebenso negativ dargestellt, und eine der wenigen positiv wirkenden Figuren ist ausgerechnet der muslimische Anführer Saladin.

Es handelt sich um historische Abenteuer, die vor der Kulisse eines tatsächlichen Schauplatzes spielen. Einen Hauch von Phantastik gibt es immer, so dass die Fantasy-Fans zumindest ein wenig auf ihre Kosten kommen. Wer klassische Fantasy oder ebenso klassische Abenteuerliteratur mag, für den ist »Das Blut Belsazars« durchaus empfehlenswert; wer eher auf die moderne Fantasy steht, wird mit dem Buch nicht so viel anfangen können.

Ich mag Robert E. Howard und sein Werk; es freut mich, dass deutschsprachige Verlage ihn derzeit neu entdecken und veröffentlichen. Das vorliegende Buch ist in der kleinen, aber feinen Edition Phantasia in Form eines schönen Paperbacks mit Klappenbroschur erschienen; es ist 158 Seiten stark und kostet 12,90 Euro.

Wer sich für das Buch interessiert, kann es in jeder Buchhandlung bestellen, die ISBN 978-3-937897-52-3 ist dabei behilflich. Ebenso können es Versender wie amazon.de oder der Shop des Verlages liefern.



 

 

Klaus N. Frick

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