25. Juni 2009
Ausschnitt aus »Agent für Terra«
Eine sehr kurze Leseprobe zu Hubert Haensels Planetenroman

Am 26. Juni 2009 erscheint »Agent für Terra«, der erste PERRY RHODAN-Planetenroman, der in Form eines Taschenheftes publiziert wird. Es handelt sich dabei um einen Roman von Hubert Haensel, der 1992 erstmals in die Buchhandlungen kam und seither vergriffen ist. Als kleine Leseprobe zitieren wir die ersten Seiten des Romans:
Wieso gerade ich? Vergeblich zermarterte sich Arthur Konstantin den Kopf. Seit Tagen suchte der Geheimagent nach der Antwort auf eine ganz bestimmte Frage. Warum schickte man ausgerechnet ihn auf eine derart wichtige Mission, warum wählte ein Mann vom Format eines Allan D. Mercant ihn aus? Er fühlte sich zu jung, und ihm fehlte die vorgeschriebene Mindestzeit praktischer Erfahrung, und das einzige, was ihn für den Ein-Mann-Einsatz qualifizierte, waren seine erstklassigen Abschlusszeugnisse.
Unter ihm lag der Raumhafen von Charisma; nachdenklich blickte er über die grau in der Sonne schimmernde Fläche hinweg. Mit seinen gerade mal zwanzig Landefeldern wirkte der Hafen nicht sonderlich imposant. Wie eine Hinterwäldlerwelt, dachte Konstantin. Auch das Drumherum machte keinen anziehenden Eindruck: veraltete Hafengebäude, Pisten, die wie Flickwerk aussahen, und - nur wenige hundert Meter außerhalb der Begrenzung - gigantische Abraumhalden. Die ersten Siedler hatten dieser Welt Wunden geschlagen, die nach mehreren Jahrzehnten noch nicht vernarbt waren.
Warum hatte man ihn sozusagen ins eiskalte Wasser geworfen? Konstantin stellte sich diese Frage immer wieder, und die mögliche Antwort darauf bereitete ihm Sorgen. Auch ein Perry Rhodan musste mal anfangen, redete er sich ein, und Julian Tifflor war auch jung und unerfahren, als er zum Kosmischen Lockvogel wurde. Es blieb ihm wenig anderes übrig: Er musste zusehen, wie er sich freischwamm.
Und wenn ich es nicht schaffe? Wenn ich auf Charisma versage? Arthur Konstantin zuckte mit den Achseln - er war ein Agent der Galaktischen Abwehr, und er musste es einfach schaffen! Erneut widmete er sich dem Kabinenmonitor, der die letzte Phase des Landeanflugs zeigte. Zahlen und Diagramme, die am Rand des Monitors eingeblendet wurden, lieferten weitere Hinweise.
Die IKARUS stand höchstens noch hundert Meter über dem Raumhafen; kochende Luft vibrierte zwischen dem Raumschiff und der Oberfläche des Planeten. Konstantin blickte auf die Ringwälle, die ihn umgaben, sah die Gebäude an seinem Rand und die dahinter wartenden Schweber. Charisma war keine bedeutende Welt. In den Datensätzen, die Konstantin vor der Reise gelesen hatte, stand, dass gerade mal 35 Millionen Lebewesen den vierten Planeten einer Sonne vom Sol-Typ bewohnten, von denen 32 Millionen Terraner waren. Die übrigen Bewohner waren Eingeborene, Arkoniden und Angehörige anderer galaktischer Völker.
Jäh brüllten die Ringwulsttriebwerke auf, die IKARUS stieg wieder in die Höhe. Gelbgrüne Dunstschwaden aus den Abraumhalden verwandelten den Plastbelag der Landefelder in eine brodelnde, blasenwerfende Masse. Konstantin zuckte zusammen, als er den Anblick registrierte, aber auch davon hatte er gelesen.
Biochemische Vorgänge dieser und ähnlicher Art gehörten auf Charisma zur Tagesordnung. Zu spät hatten die Siedler bemerkt, dass das Fehlen eines im Tagebau gewonnenen Minerals diese Vorgänge begünstigte. Auf gewisse Weise wehrte sich also der ausgebeutete Planet gegen die ungebetenen Eindringlinge.
Charisma war mit 6423 Kilometer Äquatordurchmesser kleiner als der Mars, wies aber nahezu die gleiche Schwerkraft auf wie die Erde. Zwei Monde und ein dünner Ring leuchtender Staubteilchen erfüllten die Nächte mit intensivem Zwielicht. Die Bewohner arbeiteten vor allem in den gigantischen Bergwerken der Welt.
Konstantin vertiefte sich erneut in den Anblick Charismas; er schaute den Rauchschwaden zu, die sich über dem Raumhafen verteilten. Und zum wiederholten Mal kehrten seine Gedanken zurück zu jenem Abend vor zwei Wochen ...
Allan D. Mercant war ein kleinwüchsiger, schmächtiger Mann, der unscheinbar und bieder wirkte, aber dennoch als eine der großen Persönlichkeiten des Solaren Imperiums galt. Als Halbmutant besaß er eine schwach ausgeprägte telepathische Gabe und die Fähigkeit, Ereignisse im voraus zu ahnen.
Nie hätte Arthur Konstantin in Erwägung gezogen, der allmächtige Chef der Galaktischen Abwehr würde eines Tages vor seiner Tür stehen. Völlig überrascht stammelte er zwei oder drei zusammenhanglose Sätze.
»Warum bitten Sie mich nicht herein?« Mercant musterte ihn ohne erkennbare Regung. »Was wir zu besprechen haben, lässt sich schwerlich zwischen Tür und Angel erledigen.«
»Aber natürlich, Sir ...« Arthur Konstantin, 22 Jahre jung, kämpfte urplötzlich mit weichen Knien, trat dann aber einen Schritt zu schnell zur Seite. Er dachte an alles Mögliche, nur nicht mehr an die Bücher, die er beim Summen des Türmelders auf dem Boden abgestellt hatte.
Erst als er stolperte und mit den Armen rudernd um sein Gleichgewicht rang, entsann er sich. Aber da witterte die Überwachungselektronik bereits Gefahr und riegelte den Zugang zur Wohnung mit einem auf ihn gerichteten Fesselfeld ab.
Arthur Konstantin wurde totenblass und dann wieder puterrot.
Tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten. Die Rechtssprechung in solchen Fällen war eindeutig; er hatte mit einem Disziplinarverfahren und dem unehrenhaften Ausschluss aus der Galaktischen Abwehr zu rechnen.
Arthur starrte den zur Bewegungslosigkeit verurteilten Solarmarschall aus weit aufgerissenen Augen an. Das Gefühl, vor Scham im Boden versinken zu müssen, wurde unerträglich.
»Wieviel Zeit brauchen Sie, um sich von meiner Identität zu überzeugen?« Ein süffisantes Lächeln, eine Mischung aus Verärgerung und leichtem Spott, umspielte Mercants Mundwinkel.
»Alle Funktionen abschalten!«, befahl Konstantin schnell!
Die Sensorik reagierte nicht. Im Gegenteil. Es sah eher so aus, als würde der Abwehrchef zwischen zwei Glasplatten gepresst, die sich unaufhaltsam aufeinander zu bewegten.
»Stopp!«, brüllte Konstantin.
Als das ebenfalls nichts nutzte, schlug er mit beiden Fäusten gegen die Wandverkleidung, hinter der sich die Fesselfeldprojektoren verbargen. Das bislang unsichtbare Feld wurde prompt von Störungen durchlaufen, die innerhalb von Sekunden den Zusammenbruch herbeiführten.
»Nicht übel«, sagte Mercant und massierte sich die plattgedrückte Nase. Seiner Stimme war keine Regung anzuhören.
»Einfacher Stand der Technik«, antwortete Arthur Konstantin geknickt. »Eigenbau. Es tut mir leid, Sir ...«
Mercant winkte großzügig ab. »Ihre Art, Energieprojektoren abzuschalten, finde ich bewundernswert.«
Arthur schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trocknen. Das Ende vom Anfang seiner Karriere war in greifbare Nähe gerückt.
»Blicken Sie nicht so finster drein, mein Freund!« Mercant klopfte ihm jovial auf die Schulter. »Mit so einem Gesicht verkaufen Sie nicht eines dieser positronischen Mini-Tagebücher, die heutzutage große Mode sind.«
»Verkaufen?« Arthur Konstantin fuhr sich irritiert mit der Hand übers Gesicht.
»Auf Charisma«, bestätigte der Solarmarschall. Ohne eine Aufforderung abzuwarten, nahm er im nächstbesten Sessel Platz. »Sie beziehen ab sofort das Gehalt eines Einsatzagenten. Wenn Sie erfolgreich sind, kommen Sie auf der Karriereleiter außerdem einige Stufen weit nach oben.«
»Und falls nicht?«
»Sie kennen das Risiko aller Einsatzagenten, Mister Konstantin.«
Arthur nickte schwer. Dass eines Tages der Tod sein ständiger Begleiter sein würde, hatte er schon gewusst, als er sich zum Kadettendienst gemeldet hatte. Nur war ihm nie in den Sinn gekommen, dass dies bereits innerhalb der nächsten Jahre der Fall sein könnte.
»Darf ich fragen, Sir, warum Ihre Wahl auf mich fiel?«
Mercant lächelte vielsagend. »Vielleicht, weil Sie außergewöhnliche Sicherungsanlagen bauen ...«

Wieso gerade ich? Vergeblich zermarterte sich Arthur Konstantin den Kopf. Seit Tagen suchte der Geheimagent nach der Antwort auf eine ganz bestimmte Frage. Warum schickte man ausgerechnet ihn auf eine derart wichtige Mission, warum wählte ein Mann vom Format eines Allan D. Mercant ihn aus? Er fühlte sich zu jung, und ihm fehlte die vorgeschriebene Mindestzeit praktischer Erfahrung, und das einzige, was ihn für den Ein-Mann-Einsatz qualifizierte, waren seine erstklassigen Abschlusszeugnisse.
Unter ihm lag der Raumhafen von Charisma; nachdenklich blickte er über die grau in der Sonne schimmernde Fläche hinweg. Mit seinen gerade mal zwanzig Landefeldern wirkte der Hafen nicht sonderlich imposant. Wie eine Hinterwäldlerwelt, dachte Konstantin. Auch das Drumherum machte keinen anziehenden Eindruck: veraltete Hafengebäude, Pisten, die wie Flickwerk aussahen, und - nur wenige hundert Meter außerhalb der Begrenzung - gigantische Abraumhalden. Die ersten Siedler hatten dieser Welt Wunden geschlagen, die nach mehreren Jahrzehnten noch nicht vernarbt waren.
Warum hatte man ihn sozusagen ins eiskalte Wasser geworfen? Konstantin stellte sich diese Frage immer wieder, und die mögliche Antwort darauf bereitete ihm Sorgen. Auch ein Perry Rhodan musste mal anfangen, redete er sich ein, und Julian Tifflor war auch jung und unerfahren, als er zum Kosmischen Lockvogel wurde. Es blieb ihm wenig anderes übrig: Er musste zusehen, wie er sich freischwamm.
Und wenn ich es nicht schaffe? Wenn ich auf Charisma versage? Arthur Konstantin zuckte mit den Achseln - er war ein Agent der Galaktischen Abwehr, und er musste es einfach schaffen! Erneut widmete er sich dem Kabinenmonitor, der die letzte Phase des Landeanflugs zeigte. Zahlen und Diagramme, die am Rand des Monitors eingeblendet wurden, lieferten weitere Hinweise.
Die IKARUS stand höchstens noch hundert Meter über dem Raumhafen; kochende Luft vibrierte zwischen dem Raumschiff und der Oberfläche des Planeten. Konstantin blickte auf die Ringwälle, die ihn umgaben, sah die Gebäude an seinem Rand und die dahinter wartenden Schweber. Charisma war keine bedeutende Welt. In den Datensätzen, die Konstantin vor der Reise gelesen hatte, stand, dass gerade mal 35 Millionen Lebewesen den vierten Planeten einer Sonne vom Sol-Typ bewohnten, von denen 32 Millionen Terraner waren. Die übrigen Bewohner waren Eingeborene, Arkoniden und Angehörige anderer galaktischer Völker.
Jäh brüllten die Ringwulsttriebwerke auf, die IKARUS stieg wieder in die Höhe. Gelbgrüne Dunstschwaden aus den Abraumhalden verwandelten den Plastbelag der Landefelder in eine brodelnde, blasenwerfende Masse. Konstantin zuckte zusammen, als er den Anblick registrierte, aber auch davon hatte er gelesen.
Biochemische Vorgänge dieser und ähnlicher Art gehörten auf Charisma zur Tagesordnung. Zu spät hatten die Siedler bemerkt, dass das Fehlen eines im Tagebau gewonnenen Minerals diese Vorgänge begünstigte. Auf gewisse Weise wehrte sich also der ausgebeutete Planet gegen die ungebetenen Eindringlinge.
Charisma war mit 6423 Kilometer Äquatordurchmesser kleiner als der Mars, wies aber nahezu die gleiche Schwerkraft auf wie die Erde. Zwei Monde und ein dünner Ring leuchtender Staubteilchen erfüllten die Nächte mit intensivem Zwielicht. Die Bewohner arbeiteten vor allem in den gigantischen Bergwerken der Welt.
Konstantin vertiefte sich erneut in den Anblick Charismas; er schaute den Rauchschwaden zu, die sich über dem Raumhafen verteilten. Und zum wiederholten Mal kehrten seine Gedanken zurück zu jenem Abend vor zwei Wochen ...
Allan D. Mercant war ein kleinwüchsiger, schmächtiger Mann, der unscheinbar und bieder wirkte, aber dennoch als eine der großen Persönlichkeiten des Solaren Imperiums galt. Als Halbmutant besaß er eine schwach ausgeprägte telepathische Gabe und die Fähigkeit, Ereignisse im voraus zu ahnen.
Nie hätte Arthur Konstantin in Erwägung gezogen, der allmächtige Chef der Galaktischen Abwehr würde eines Tages vor seiner Tür stehen. Völlig überrascht stammelte er zwei oder drei zusammenhanglose Sätze.
»Warum bitten Sie mich nicht herein?« Mercant musterte ihn ohne erkennbare Regung. »Was wir zu besprechen haben, lässt sich schwerlich zwischen Tür und Angel erledigen.«
»Aber natürlich, Sir ...« Arthur Konstantin, 22 Jahre jung, kämpfte urplötzlich mit weichen Knien, trat dann aber einen Schritt zu schnell zur Seite. Er dachte an alles Mögliche, nur nicht mehr an die Bücher, die er beim Summen des Türmelders auf dem Boden abgestellt hatte.
Erst als er stolperte und mit den Armen rudernd um sein Gleichgewicht rang, entsann er sich. Aber da witterte die Überwachungselektronik bereits Gefahr und riegelte den Zugang zur Wohnung mit einem auf ihn gerichteten Fesselfeld ab.
Arthur Konstantin wurde totenblass und dann wieder puterrot.
Tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten. Die Rechtssprechung in solchen Fällen war eindeutig; er hatte mit einem Disziplinarverfahren und dem unehrenhaften Ausschluss aus der Galaktischen Abwehr zu rechnen.
Arthur starrte den zur Bewegungslosigkeit verurteilten Solarmarschall aus weit aufgerissenen Augen an. Das Gefühl, vor Scham im Boden versinken zu müssen, wurde unerträglich.
»Wieviel Zeit brauchen Sie, um sich von meiner Identität zu überzeugen?« Ein süffisantes Lächeln, eine Mischung aus Verärgerung und leichtem Spott, umspielte Mercants Mundwinkel.
»Alle Funktionen abschalten!«, befahl Konstantin schnell!
Die Sensorik reagierte nicht. Im Gegenteil. Es sah eher so aus, als würde der Abwehrchef zwischen zwei Glasplatten gepresst, die sich unaufhaltsam aufeinander zu bewegten.
»Stopp!«, brüllte Konstantin.
Als das ebenfalls nichts nutzte, schlug er mit beiden Fäusten gegen die Wandverkleidung, hinter der sich die Fesselfeldprojektoren verbargen. Das bislang unsichtbare Feld wurde prompt von Störungen durchlaufen, die innerhalb von Sekunden den Zusammenbruch herbeiführten.
»Nicht übel«, sagte Mercant und massierte sich die plattgedrückte Nase. Seiner Stimme war keine Regung anzuhören.
»Einfacher Stand der Technik«, antwortete Arthur Konstantin geknickt. »Eigenbau. Es tut mir leid, Sir ...«
Mercant winkte großzügig ab. »Ihre Art, Energieprojektoren abzuschalten, finde ich bewundernswert.«
Arthur schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trocknen. Das Ende vom Anfang seiner Karriere war in greifbare Nähe gerückt.
»Blicken Sie nicht so finster drein, mein Freund!« Mercant klopfte ihm jovial auf die Schulter. »Mit so einem Gesicht verkaufen Sie nicht eines dieser positronischen Mini-Tagebücher, die heutzutage große Mode sind.«
»Verkaufen?« Arthur Konstantin fuhr sich irritiert mit der Hand übers Gesicht.
»Auf Charisma«, bestätigte der Solarmarschall. Ohne eine Aufforderung abzuwarten, nahm er im nächstbesten Sessel Platz. »Sie beziehen ab sofort das Gehalt eines Einsatzagenten. Wenn Sie erfolgreich sind, kommen Sie auf der Karriereleiter außerdem einige Stufen weit nach oben.«
»Und falls nicht?«
»Sie kennen das Risiko aller Einsatzagenten, Mister Konstantin.«
Arthur nickte schwer. Dass eines Tages der Tod sein ständiger Begleiter sein würde, hatte er schon gewusst, als er sich zum Kadettendienst gemeldet hatte. Nur war ihm nie in den Sinn gekommen, dass dies bereits innerhalb der nächsten Jahre der Fall sein könnte.
»Darf ich fragen, Sir, warum Ihre Wahl auf mich fiel?«
Mercant lächelte vielsagend. »Vielleicht, weil Sie außergewöhnliche Sicherungsanlagen bauen ...«

