25. August 2008
Das Sonderheft zum PERRY RHODAN-Rollenspiel
Ein Rollenspiel im Perryversum kann man sich am ehesten vorstellen, indem man es mit dem Lesen eines PERRY RHODAN-Romans vergleicht, nur dass nun die Spieler die Hauptfiguren sind und den Verlauf der Handlung beeinflussen können, Die Funktion des Chefautors übernimmt der Spielleiter: Er denkt sich die Geschichte in groben Zügen aus, übernimmt also die Rolle des Exposé-Autors. Damit hat er ein vorläufiges Drehbuch für die Spielhandlung, auf das nun die Spieler mit ihren Figuren Einfluss nehmen können.
Dabei wird den Spielern genügend Freiraum gelassen, denn es wäre langweilig für sie, wenn sie nur genau das tun dürften, was der Exposé-Autor sich als »ideal« zurechtgelegt hat. Aus dem Exposé, den Aktivitäten der von den Spielern geführten Figuren und den Reaktionen des Spielleiters ergibt sich dann das eigentliche Spielgeschehen.
Solche Spielerfiguren können z.B. sein:
- ein raubeiniger Söldner, der sich ein paar Galax damit verdient, flüchtige
Unither zu ihrer Bergwerkskolonie zurück zu bringen,
- eine Ermittlerin, die sich ein Team zusammenstellt, um eine Verbrechensserie aufzuklären,
- ein gerissener
Topsider, der seiner von kalter Logik beherrschten Heimat entkam und sich nun als Glücksspieler versucht,
- eine energische junge Pilotin, die gerade erst die Akademie beendet hat und nun auf der Suche nach einem Job ist,
- eine
Kartanin, die mit den Waffen der Frau ebenso gut zurechtkommt wie mit Impulsstrahler und
Desintegrator,
- ein terranischer Raumfahrer, der den Griff nach den Sternen wagt,
- ein Galaktischer Händler, der von seiner Sippe ausgestoßen wurde, weil er in einem Anflug von Mitleid Waren verschenkte,
- eine blinde junge Frau, die nicht weiß, ob ihre übersinnlichen Kräfte eine Gabe oder ein Fluch sind,
- ein Raumvagabund, der sich mit dem Syndikat der
Galactic Guardians anlegt,
- eine
USO-Agentin, die unterwegs ist, das Geheimnis der gelben
Hyperkristalle zu lösen,
- ein Bluthund des Imperators, der auf der Jagd nach einem Staatsfeind Arkons ist,
- ein aufstrebender Ara-Mediziner, der einmal zu oft der Politik Aralons in die Quere kam,
- eine
Báalol, deren Profession als Archäologin sie zu alten Tempelruinen ihres Volkes führt - an Orten, an denen nie ein
Báalol gewesen sein soll,
- ein Sternenlotse, der die Gefahren von Hyperstürmen und Raumverwerfungen »spüren« kann ,
- eine Politikerin von einer entlegenen Kolonie, die nun zur Zentralwelt reist, um für die Rechte ihres Planeten einzutreten - und um Unterstützung zu werben,
- ein Wissenschaftler, der eine Crew zur Untersuchung der gefährlichen
Tryortan-Schlünde sucht,
- oder viele andere mehr.
Wie man sieht, findet die Spielhandlung also statt vor dem Hintergrund des faszinierenden Kosmos von PERRY RHODAN, dem Perryversum, das in über 45 Jahren und fast 2500 Heftromanen organisch gewachsen ist. Selbstverständlich haben sich die Macher des Spiels darum bemüht, so viele Details der Vorlage wie möglich einzufangen. Des Öfteren war es aber auch nötig, fehlende Angaben nachzutragen, die zwar für eine Romanhandlung unnötig, für den viel freieren Ablauf eines Rollenspiels aber unverzichtbar sind; in all diesen Fällen hat man sich bemüht, dem Geist der Serie treu zu bleiben.
Man kann die Produkte des Rollenspiels also mit Fug und Recht als legitime Ergänzung zur Serie ansehen. Die bei einem Romanobjekt mit über 40-jähriger realweltlicher Geschichte nahezu unvermeidlichen internen Widersprüche wurden behutsam und unter Hinzuziehung von PR-Autor
Rainer Castor aufgelöst, sofern dies notwendig wurde.
Bei jeder Rollenspielhandlung im Perryversum sollte der Spielleiter nie die grundlegenden Maximen dieses literarischen Universums aus den Augen verlieren: Die Geschehnisse entwickeln sich anfangs langsam, doch Hinweise, die erst viel später in der Handlung wichtig werden, sind von Anfang an deutlich sichtbar. Im Lauf des Spieles bilden sich aus den einzelnen, scheinbar unzusammenhängenden Puzzlesteinen größere Puzzlesteine, die einige Fragen beantworten, aber wieder neue aufwerfen.
Zugleich scheinen die Gegner der Abenteurer am Anfang nicht nur unerreichbar im Hintergrund, sondern zugleich auch unüberwindbar mächtig - ein Zustand, der sich im Verlauf eines Abenteuers oder besser noch nach einer längeren Kampagne aber immer mehr bessert, da die Gruppe den Machenschaften ihrer Gegner mehr und mehr auf die Spur kommt und immer stärker aufholt.
Nun ist das Grundregelwerk des Rollenspiels mit seinen 344 Seiten eher dick - nicht jeder möchte so viel Text lesen, nur um zu wissen, ob Rollenspiele etwas für ihn sind. Aus diesem Grunde hat die Edition Dorifer eine deutlich abgespeckte »Einsteigervariante« des Rollenspiels herausgegeben, die zudem kostenlos (gegen Portoersatz) zu erhalten ist!
»PERRY RHODAN - Der Einstieg ins Rollenspiel« enthält auf gerade einmal 48 (!) Seiten alles, was man benötigt, um das Spiel kennen zu lernen. Eine gekürzte, aber voll spielbare Fassung der Regeln nimmt die erste Hälfte der Broschüre ein. An ihrem Ende steht ein zweiseitiges Spielbeispiel, damit »Neulinge« auch einen kurzen Eindruck davon erhalten, auf was sie sich da eigentlich einlassen. Dieser Teil des Heftes wird ergänzt durch sechs ausgearbeitete Spielerfiguren, mit denen die Leser umgehend auf Abenteuer im Perryversum ausziehen können.
Den zweiten Teil des Heftes bildet das Abenteuer »Begegnung im All«, das im Jahr 1332 NGZ auf und in der Umgebung der
BASIS in ihrem Orbit um Stiftermann III spielt. Das Abenteuer ist so geschrieben, dass es von den vorgegebenen Spielerfiguren ohne Probleme zu bestehen ist - somit können bis zu sechs Spielerinnen und Spieler praktisch ohne Vorbereitung sofort mehrere Stunden in der spannenden Welt des PERRY RHODAN-Rollenspiels verbringen. Ein fremdes Raumschiff von noch nie gesehener Art taumelt steuerlos auf die
BASIS zu - können die im Auftrag der
BASIS-Leitung agierenden Abenteurer das Schiff erreichen, bevor es zu einer Katastrophe kommt?
Natürlich gehört zum Rollespiel auch ein Spielleiter, der die Welt um die Figuren der Spieler herum lebendig werden lässt. Er beschreibt seinen Mitspielern, in welcher Situation sich ihre Abenteurer befinden, was diese sehen, hören, riechen ... Und er übernimmst die Rollen aller Nichtspielerfiguren, d.h. aller Menschen, Aliens und Tiere, die den Figuren der Spieler im Laufe des Abenteuers begegnen.
Er reagiert auf die Aktionen der Spieler und entscheidet mit Hilfe der im Heft abgedruckten Kurzregeln, ob sie von Erfolg gekrönt sind und wie sie sich auf den Fortgang des Abenteuers auswirken. Seine wichtigste Aufgabe ist es, die Mitspieler eine spannende Geschichte erleben zu lassen, in der sie gefährliche Situationen und andere Herausforderungen bestehen, die am Ende aber gut ausgeht - wenn sie sich nicht dumm anstellen oder besonderes Pech haben.
Der Spielleiter benötigt etwas mehr Vorbereitungsaufwand als die Spieler, da er mehr Text zu lesen hat. Aber auch ihm macht es die Edition Dorifer so einfach wie möglich. Für das Abenteuer notwendige Regeln finden sich im Abenteuertext immer genau an der Stelle, an der sie benötigt werden, so dass störendes Blättern entfällt. Letztlich nimmt somit die Vorbereitungszeit des Spielleiters für das Leiten von »Begegnung im All« nicht mehr Zeit in Anspruch, als er für das Lesen eines Romans der Serie benötigt.
Der Band ist gegen eine Versandkostenpauschale von einem Euro bei der
Edition Dorifer erhältlich.