17. Juli 2008
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| Das obligatorische Gruppenbild. |
Christian Montillon:
Es ist der 8. Juni 2008 …
Der peinliche Moment ist vorüber, das Eis gebrochen: Andreas Weiß und ich kennen uns nun. Er ist Risszeichner für PERRY RHODAN, und natürlich hab ich seinen Namen schon mal gelesen … doch ich kannte ihn eben nicht bis vor wenigen Sekunden.
Mich dennoch mit ihm ausgerechnet an diesem Abend zu treffen zu wollen, an dem Deutschland spielt (Fußball, ja, erinnert ihr euch noch?), war kühn von mir. Er sagte jedoch im Vorfeld souverän zu. Jawoll, er ist genau so ein Fußball-Muffel wie ich. Oder vielleicht nicht ganz so extrem. Auf das Spiel hat er verzichtet, um mit Christoph Dittert den nächsten Vormittag vorzubereiten.
Christoph Dittert, auf den er übrigens gespannt war, wie er mir später beichtete, denn er hatte schlicht keine Ahnung, wen die PERRY RHODAN-Redaktion da zu ihm geschickt hatte. Okay, als er mich sah und langsam die Verbindung zum Autor »Christian Montillon« zog, da ging ihm nicht nur ein Licht, sondern gleich ein ganzer Kronleuchter auf.
Bin ich aber selbst dran schuld - warum muss ich denn ein Pseudonym benutzen? Macht er doch auch nicht.
Lange Rede, kurzer Sinn: Den nächsten Vormittag bereiteten wir tatsächlich vor … zehn Minuten lang oder so. Danach plauderten wir lieber, gingen etwas essen und zwangen die Dame im örtlichen Kino durch unseren Kartenkauf dazu, extra für uns den Saal zu öffnen, das Licht einzuschalten und Indiana Jones, Teil 4, zu spielen. Ha! Außer uns kam niemand, alle guckten Fußball. War auch mal interessant.
Indy war gut, obwohl wir den Film beide schon zum zweiten Mal sahen.
Doch das alles war nur das Vorgeplänkel, denn am nächsten Morgen wartete sie auf uns: die Meute der Teenager, der Bestien, die darauf warteten, uns in der Luft zu zerfetzen. Die Schüler, die mit einem Mal etwas so Absonderliches wie PERRY RHODAN vor die Nase gesetzt bekamen.
Oder doch nicht?
Es kam ganz anders. Die Schüler und Abiturienten, die zahlreich auftauchten, um unseren Worten zu lauschen, zeigten sich (weitgehend) interessiert an der Materie PERRY RHODAN.
Andreas und ich waren als zwei kreative Köpfe gekommen, um ihnen die Welt »hinter« einer solchen Serie vorzustellen. Ein Risszeichner und ein Autor. Naturgemäß haben wir weniger miteinander zu tun, als man das vielleicht annehmen könnte … in der Tat hatte ich nie zuvor einen solchen Menschen gesehen. Nun weiß ich, dass sie in der Tat Menschen sind und keine Computerprogramme …
Das Wort übergebe ich nun meinem Kollegen Andreas Weiß (seines Zeichens Mensch), der erzählt, wie die Veranstaltung in etwa ablief. Seinen kompletten Bericht und auch einige ernsthafte Worte von mir findet ihr in der nächsten
SOL.
Andreas Weiß:
Vielen Lesern bin ich seit langem als Risszeichner bei PERRY RHODAN bekannt. Wie bei anderen Zeichnern auch, so standen auch bei mir irgendwann (in dem Fall 2007) erste Ausstellungen an. Zwölf Werke standen in der Physiotherapiepraxis Roy Kühne in Northeim, wo sie unter anderem von meinen ehemaligen Lehrern vom Wirtschaftsgymnasium der Berufsbildenden Schulen 1, einer zertifizierten Europaschule, gesehen wurden. So kam eins zum anderen, und auch die BBS-1 wollte gerne eine Ausstellung eröffnen - »aber nicht nur so ein paar Bilder auf dem Flur, nein wenn schon, dann richtig« (Zitat Herr Fiebag). So war Knall auf Fall eine große Ausstellung mit Vortrag und Presse in Planung. Das war für mich schon etwas besonderes, ungewohntes. Ich bin letztlich auch nur ein engagierter Fan.
Dazu muss man wissen, dass Christoph und ich grundverschieden an die Sache herangegangen sind. Im Hauptberuf arbeite ich bei der AOK. Dort halte ich oft Vorträge vor Publikum und habe Moderatorenkarten für mich zu einer Kunstform entwickelt. Mein kompletter Vortrag ruht stets in Postkartengröße in meiner linken Hand. Entsprechend platziert fand sich auf jeder Kartenrückseite ein Handshake-Logo von PERRY RHODAN - jenes Bild mit der
Maahk- und Terranerhand und beiden Flaggen darum, die man von
Johnny Bruck kennt. Wie ein Fernsehmoderator ziehe ich dann eine Karte nach der anderen. Den Text habe ich auswendig drauf - aber ich verliere nie die Reihenfolge oder den roten Faden. Das hat etwas sehr beruhigendes und lässt Raum für den einen oder anderen Kalauer, hat aber natürlich etwas Kosmokratisches.
Christoph geht da völlig anders vor - chaotarchisch. Er stemmt seinen ganzen Vortrag völlig aus dem Stehgreif anhand seiner Präsentation oder am Flipchart, auf dem zu diesem Zweck schon mal mysteriöse Gebilde entstehen. Ich habe mich extra in Hemd, Krawatte und Jackett geklappt, weil ich dem »Schmuddelimage« der Heftromane entgegenwirken wollte. Christoph wollte ganz locker auftreten - auf jeden Fall ohne Jackett oder Krawatte. Wohlgemerkt - keiner von uns fand seine Methode besser oder schlechter. Aber unterschiedlicher ging es wirklich kaum.
Um neun Uhr ging’s dann langsam los. Wir trafen uns an der Schule. Der Raum war schon vorbereitet - 100 Plätze pro Durchgang. Zweimal stand uns das Programm bevor.
Christoph hangelte sich in seinem ersten, kürzeren, Teil zunächst an einer Präsentation über PERRY RHODAN und die dazugehörigen Produkte entlang. Einige Details waren selbst mir noch nicht bekannt. Z.B. sind die Silberbände die erfolgreichste Buchreihe Europas. OK - nettes Detail - und ich entdeckte einige erstaunte Gesichter im Publikum.
Danach kam mein Part über das Risszeichnen als solches. Wenn ich eben schon erwähnte, dass Platz war für manchen Kalauer, möchte ich einen nicht verschweigen: Risszeichnen klingt wie reißen oder zerreißen, hat aber mehr zu tun mit … aufreißen. Insbesondere der männliche Publikumsteil war sofort hellwach.
Ich stellte einige Zeichnungen vor, wie man mit Corel vom einfachsten Grundprinzip her arbeitet und dann konnte ich auch noch eine Zeichnung in der Werft zeigen. Die vielen Hilfs- und Konstruktionslinien sorgten bei nicht wenigen Betrachtern für die ganze Bandbreite von Emotionen - Desinteresse bis zu baffem Erstaunen. Nach fünfzehn Minuten und doch einigen interessanten Fragen war ich mit meinem Part durch. Es gab Applaus. Daraus schließe ich, dass ich meine Zuhörer nicht nur gelangweilt habe.
Sehr interessant war dann auch Christophs Vortrag über die Entstehung eines PR-Romans - vom Exposé über Lektorat, Korrektorat und den damit verbundenen Zeitdruck bis zur finalen Drucklegung. Auch hier gab es interessierte Fragen.
Nur von einer kurzen Kaffeepause unterbrochen startete gleich der zweite Durchgang. Wer so etwas schon einmal gemacht hat, der weiß, dass der zweite Turn meist etwas mehr »holpert«, als der erste. Das liegt daran, dass die Erinnerung an den ersten Vortrag noch zu frisch ist. Wiederhole ich mich jetzt? Habe ich das schon gesagt, oder habe ich das vorhin gesagt? Solche Programmschleifen spielen einem Vortragenden zuweilen Streiche. Mir ist das trotz Moderatorenkarten auch passiert - aber dank der Karten ist dabei keine Katastrophe passiert. Halte ich etwas in der Hand, bringe ich das Schiffchen auch wieder souverän auf Kurs. Die nötige Ruhe ist dann da.
Ich will nicht verhehlen, dass es Christoph genauso ging und er das auch souverän gemeistert hat. Wie gesagt… nicht besser oder schlechter, nur anders. Für uns beide war das eine interessante Erfahrung, denke ich. Der
Chaotarch lernt vom
Kosmokraten und umgekehrt. Wäre das bei PERRY RHODAN eigentlich undenkbar?
Christoph und mir hat die Sache sehr gefallen. Eine mögliche Veranstaltung in Göttingen könnte daraus noch folgen. Dann sind wir wieder das Dream-Team. Darüber haben wir uns schon geeinigt. Wir danken insbesondere Herrn Fiebag, dem Leiter des Bereichs Wirtschaftsgymnasium an der BBS-1, Herrn Nicklaus und Herrn Förster als den Fachbereichsverantwortlichen der »Kultivita«-Klasse und der Schülerunternehmensklasse der Handelsschule, dem Hausmeister der Schule, der uns souverän durch alle Tücken der örtlichen Technik geholfen hat und insbesondere den Schülern der genannten Klassen, die das ganze eigenverantwortlich organisiert haben und mit viel Engagement und Herzblut bei der Sache waren. Wir hatten nicht den Eindruck, dass lediglich ein Projekt »abgearbeitet« worden war.
Nach dieser Veranstaltung ist die Europaschule BBS-1 mit Fug und Recht eine galaktische Schule geworden.