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Kurzinfo
Der lange Abschied - Teil I

4. September 2008

Der lange Abschied - Teil I

Nun, meine lieben Rhodanauten und Kolumnarden, möchte ich Euch zum Schluss doch noch mit meiner Volontärin Claudia Panse bekanntmachen, die mir immer viel Arbeit abgenommen hat und die eigentlich schon längst den Status einer Volontärin hinter sich gelassen hat. Ich versprach ihr unlängst auch mal in dieser, meiner Kolumne Beiträge veröffentlichen zu können - dies Versprechen löse ich heute und in der nächsten Kolumne gerne ein. Claudia hat diesmal »Skinheads, Gothics, Rockabillies«, »Räuber, Henker, arme Sünder« und die Bildbände von Kirsten Dunst und Pink Floyd rezensiert.

 Skinheads, Gothics, Rockabillies von Susanne El- Nawab
Skinheads, Gothics und Rockabilies hat jeder sicherlich schon einmal gesehen. Doch wer nicht einzelne Vertreter dieser Subkulturen kennt, hat ein sehr klischeehaftes Bild über diese Menschen. Die Autorin Susanne El- Nawab versucht mit diesen Klischees aufzuräumen. Ihr Buch entstand zunächst aus ihrer Doktorarbeit an der Universität Hannover. So liest es sich am Anfang allerdings auch. Die Autorin stellt ausführlich ihre wissenschaftliche Arbeit sowie ihre Erlebnisse und Erfahrungen vor. Wirkt der erste Teil doch sehr abstrakt, ändert sich dies schnell sobald die erste Subkultur vorgestellt wird: Die Skinheads.

Die Skinheadbewegung kommt ursprünglich aus Großbritannien. Es waren Jugendliche aus der Arbeiterklasse, die sich die Haare so kurz schnitten, daß die Kopfhaut durchschimmerte (daher der Begriff »Skinhead«). Sie trugen schwere Arbeitsstiefel, um ihre Herkunft zu beweisen, kombinierten diese jedoch mit sehr akkurater Kleidung, zum Teil auch Anzügen. Außerdem stellt die Autorin anschaulich da, daß die Skins anfänglich mit dem Nazitum gar nichts zu tun hatten, sogar schwarze Musik hörten, aus der sich später der Reggae entwickelte. Erst später werden die Skinheads von der rechten Szene unterlaufen. Manche nahmen die neue politische Richtung an, andere spielen nur mit dem negativen Image und ein kleiner Teil wehrt sich bis heute gegen die rechte Bewegung in der Szene. Eindrucksvoll wird vor allen Dingen das Spiel mit dem Image von Rechts und der Gewalt in den Interviews mit Mitgliedern der Szene dargestellt.

In dem zweiten Kapitel behandelt die Autorin die Gothics, auch »Schwarze« genannt. Sie beschreibt zutreffend, dass die schwarze Szene die friedlichste aller Subkulturen ist und sich durch Melancholie, Traurigkeit, Romantik und Todessehnsucht auszeichnet. Des Weiteren wird beschrieben, wie die auffallend unpolitische Gothic-Szene ebenfalls aus England stammt und sich aus dem Punk, bzw. dem Gothpunk entwickelte. Doch fand ich noch das Kapitel über die Skinheads ziemlich klischeefrei, konnte die Autorin dies bei der »schwarzen« Szene nicht mehr durchhalten. Zwar wird richtigerweise dargestellt, daß »Schwarze« nicht gleich Satanisten und umgekehrt sind, doch werden in den Interviews leider sehr viele Klischees bedient. Alle befragten Personen gaben an, dass sie nach einem Selbstmordversuch »schwarz« wurden und mit Personen außerhalb der Szene nichts zu tun haben wollen; kurz intolerant sind. Zudem sind sie alle arbeitslos oder haben ihre Ausbildungen abgebrochen und arbeiten nun in Fabriken. Ich zähle einige »Schwarze« zu sehr guten Freunden von mir, sie sind Altenpfleger, Fitnesstrainer, Studenten oder manche gar in der Führung eines kleinen Unternehmens tätig. Leider werden diese Gothics von der Autorin völlig außen vor gelassen. Zwar schreibt sie am Schluss des Kapitels, daß in der Literatur behauptet wird, die Szene würde überwiegend aus gut situierten Studenten aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich bestehen, sie selbst habe aber hauptsächlich Menschen aus dem Arbeitermilieu oder aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kennen gelernt. Zudem erscheint es sehr klischeehaft, dass alle hier beschriebenen Gothics durch einen versuchten Selbstmord »schwarz« geworden sind. Auch bei dem Thema Toleranz bedient die Autorin die allgemeinen Klischees: Ein Mädchen erzählt in einem Interview, dass der Weg bis zu ihrer Zugehörigkeit in die Szene sehr schwer war, da sie nicht angenommen wurde, bis sie sich richtig geschminkt und gekleidet hatte. Bei den »Schwarzen« meines Bekanntenkreises gibt es solche Differenzen nicht.

Die Darstellung der Rockabillies dagegen wirkt wieder sehr neutral, so ist hier auffällig, dass Menschen aus allen Gesellschaftsschichten interviewt werden. Die Rockabillie-Szene nahm ihren Anfang natürlich mit Elvis Presley und dem Rock´n`Roll in den 50er Jahren. In den 70er und 80er Jahren erlebte die Szene ein Revival, welches auch nach Deutschland schwappte und die Rock´n`Roll Lebenskultur hier populär machte.

Leider hinterlässt die Kritik in dem »schwarzen Kapitel« auch einen etwas bitteren Nachgeschmack auf die Darstellung der Skinhead- und Rockabillie-Szene. Jedoch sind die Grundzüge der Subkulturen an sich gut beschrieben, so dass sich jemand, der sich über eine Szene informieren möchte mit diesem Buch gut bedient ist. Auch die Interviews sind in allen Kapiteln interessant zu lesen, der Leser sollte jedoch die oben genannten Kritikpunkte im Hinterkopf behalten und bedenken, dass jede Subkultur aus einzelnen Menschen besteht. Diese sind genau so vielfältig wie die »Normalen« und lassen sich nicht in Schubladen schieben. Weitere Informationen über Buch und Autorin sind auf der Homepage www.jugendkulturen.de nachzulesen, wo auch der Bezug des Buches möglich ist.

 Räuber, Henker, arme Sünder
In seinem letzten Buch beschreibt der Autor Ernst Schubert die Strafen des Mittelalters, welche als ganz besonders grausam gelten. So hat sicherlich jeder schon von den Todesstrafen der Folter und anderer fragwürdigen Bestrafungsmethoden, wie das Rädern und den Pranger gehört. Des Weiteren behandelt Schubert Hexenprozesse, Raub, Diebstahl und Mord bzw. Totschlag. Dabei möchte der Autor das Mittelalter entmystifizieren; schließlich wird in der Regel vergessen, dass viele der besonders grausamen Strafen durch das System des Erbarmens gar nicht durchgeführt worden sind. So gab es noch bis in die frühe Neuzeit hinein kein einheitliches Strafrecht in Deutschland, jede größere Stadt hatte sein eigenes Rechtssystem. Dementsprechend gab es auch keinen einheitlichen Strafrahmen, so dass jede Strafe bei entsprechender Abbitte umgewandelt oder gar aufgehoben werden konnte.

Besonders interessant fand ich das Kapitel über Frauen als Opfer und Täterinnen. Der Leser erfährt, dass schon im frühen Mittelalter die Frau besonders gegen sexuelle Übergriffe geschützt werden sollte. Natürlich war damit eher die freie Frau und weniger die Magd in der Webhütte gemeint, trotzdem hielt man schon damals die Ehre und die Würde als schützenswert.
Deswegen war sogar der »walewurf«, das Herunterreißen der Haarflechten, unter Strafe gestellt. Die Notzucht (Vergewaltigung) dagegen zählte zu den vier hohen Fällen, die mit dem Tode bestraft worden sind. Jedoch war die Beweisführung damals schwierig, so daß sich das Opfer unverzüglich bei den Stadträten zu melden und Klage zu erheben hatte. Des Weiteren gab es natürlich auch in den Fällen der Notzucht die Möglichkeit des Erbarmens, weswegen von der Todesstrafe abgesehen werden konnte. Darunter war nicht nur die Verzeihung des Opfers sondern auch die sozialisierende Kraft der Ehe zu verstehen, welche gerade bei Vergewaltigungen von Mägden eine große Rolle spielen konnte.

Das Buch ist bestens historisch fundiert und aus Quellen wie Gerichtsurteilen, Schwänken, Sprichwörtern und Chroniken belegt, was das Lesen bisweilen jedoch etwas schwierig macht. So zitiert der Autor häufig seine Quellen sehr originalgetreu in dem damals gesprochenen Altdeutsch. Diese Tatsache zusammen mit dem sehr wissenschaftlichen Schreibstil machen das Werk zwar unheimlich interessant und lesenswert, jedoch muß der Leser sich sehr auf den Text konzentrieren. Somit ist das Werk eher etwas für lange Abende auf der Couch bei schlechtem Wetter oder, noch stilechter, im Winter vor dem Kamin.

 Kirsten Dunst von Brandon Hurst
Das nächste Buch ist eine Biographie über Kirsten Dunst, Kirsten Caroline Dunst mit vollem Namen. Eine Schauspielerin, die ich persönlich sehr gerne sehe, zählen doch einige ihrer Filme zu meinen Favoriten. Mit ihren 25 Jahren blickt die junge Schauspielerin mittlerweile auf eine 20 jährige Filmkarriere zurück. Ihren Durchbruch als Kinderstar hatte sie mit »Interview mit einem Vampir«, in dem sie mit Brad Pitt, Tom Cruise und Antonio Banderas zusammen spielte. Die Rolle der Vampirfrau Claudia im Körper eines kleinen Mädchens war eine sehr schwere und anspruchsvolle Rolle für die damals 10jährige Kirsten. Schließlich musste sie eine Art frühreife Sexualität und Erotik darstellen, die sie selber natürlich noch nicht kannte. Doch diese Aufgabe meisterte sie so brillant, dass eine Reihe weiterer Filme und Projekte folgten. Darunter unter anderem eine Rolle bei »Emergency Room« zusammen mit George Clooney, »The Virgin Suicides« und »Girls United«. Wohl kaum jemand weiß, dass man Kirsten ursprünglich für »American Beauty« vorgeschlagen hat, was sie aber ablehnte.

Kirsten hat es geschafft, sich von einem Kinderstar zu einer professionellen und eine der höchstbezahlten Schauspielerinnen Amerikas zu entwickeln. Sicherlich sind die Spider-Man-Filme, in der sie Peter Parkers/Spider-Mans Freundin Mary-Jane Watson spielt, daran nicht unschuldig. Da diese drei Filme zu meinen oben erwähnten Lieblingsfilmen gehören, hat es mich sehr gefreut, dass der Autor Brandon Hurst diesen ein eigenes Kapitel mit vielen Bildern - überhaupt ist das Buch sehr schön und reich bebildert - gewidmet hat. Aber auch Filme wie »Mona Lisas Lächeln«, »Elizabethtown« und »Marie-Antoinette« brachten sie ganz nach oben.

Das Buch schildert aber auch die Schattenseiten von Kirstens Leben: Die Konflikte mit der Mutter, die sie schon mit drei Jahren vor die Kamera gestellt hat; oder der Umgang mit den Paparazzi, die natürlich auch nicht vor Kirsten Halt machen. Es geht um die erste Liebe und weitere Beziehungen einer jungen Frau, deren Leben so ganz anders verlief als das anderer Frauen in ihrem Alter.

Dieses Buch ist keine hochtrabende Literatur, aber das will es auch nicht sein. Vielmehr bringt es auf eine leichte und unterhaltende Weise dem Leser einen interessanten Menschen nahe.
Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Genau das richtige für einen Tag am Strand, Freibad, Stadtpark oder natürlich am Maschsee ...

 A Tribute to Pink Floyd
»A Tribute to Pink Floyd« ist einer der umfassendsten Bildbände über die mittlerweile legendäre Rockgruppe. Diese Buch berichtet in sehr schönen und zum Teil seltenen Bildern über die Entwicklung der Band von der Gründung an bis zu der überraschenden Reunion im Jahre 2005. Der Herausgeber Marcus Hearn betont in seinem Vorwort, dass es sich hier um keine umfassende Chronik der Gruppe »Pink Floyd« handelt, sondern einfach die besten und schönsten Fotografien aus dem Archiv der Rex Collection zusammengestellt wurden, welche die Geschichte der letzten 4 Jahrzehnte erzählen. Dem Leser wird weiterhin berichtet, dass dies wohl nicht so einfach gewesen ist, da »Pink Floyd« nicht gerne im Rampenlicht stand. Selbst auf ihren Plattencovern waren selten Fotos der Gruppe zu finden.

Das Buch beginnt mit kurzen Portraits der Musiker Roger Waters, Nick Mason, Rick Wright und natürlich dem Gründer der Band: Roger Keith »Syd« Barrett, der später die Gruppe wegen psychischen Problemen verlassen musste. In den 60er Jahren erzählen die Bilder dem Betrachter, wie die damals noch unbekannte Band zum Liebling des psychodelischen Underground wurde und durch zahlreiche drogenbeeinflusste Liveshows langsam einen Namen bekam. 1968 wurde schließlich Syd Barret durch Dave Gilmour ersetzt. Da Barrett als Seele der Gruppe galt, hatte es die Band in den nächsten Jahren sehr schwer und wurde häufig völlig ignoriert. Der richtige Erfolg, so erzählen die Fotos, die eindrucksvolle Szenen von riesigen Konzerten eingefangen haben, kam erst 1973 mit dem Album »The dark side of the Moon«.

Doch schon zu der Zeit kam es innerhalb der Gruppe zu Unstimmigkeiten, so dass Wright (1981) und schließlich Waters (1985) diese verließen. Doch die Band Pink Floyd war noch lange nicht tot, so dass noch weitere Alben von Gilmour und Mason, ab 1989 auch wieder von Wright gab. Das Buch endet mit der Reunion der Gruppe im Jahre 2005 auf einem Live-8-Konzert in London, bei dem Wright, Mason, Gilmour und Waters nach 24 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne gestanden haben. Ich gebe zu, dass mich »Pink Floyd« bis dato nicht so wirklich interessiert hatte. Doch gerade die Bilder des Live-8-Konzertes sind besonders beeindruckend. Der Fotograf hat es geschafft in seinen Bildern die Stimmung bei dem Auftritt wiederzuspiegeln. Der Betrachter kann erahnen, dass es ein großes Ereignis gewesen ist, als die vier »alten Opas« von Pink Floyd die Bühne betraten und ihre alten Lieder spielten. Man spürt förmlich, wie das Publikum getobt haben muss. Ich jedenfalls werde demnächst genauer zuhören, wenn »Pink Floyd« im Radio läuft. Für jeden Fan ist dieses Buch ein absolutes Muss, jeden anderen Leser macht es auf eine Band neugierig, die Musikgeschichte geschrieben hat.