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Kurzinfo
Theatrum Orbis Terrarum

20. Mai 2008

Theatrum Orbis Terrarum

Manchmal setze ich mich vor meine Bücherregale und schmökere einfach querbeet durch Bildbände - einfach so zur Erbauung. Letztens aber habe ich mich an Atlanten verbissen. Ich habe da so ein paar schöne Repliken von alten Ausgaben und auch Atlanten zur Weltgeschichte. Dabei fiel mir beim schmökern auf, daß sich mit altem Kartenmaterial Geschichte höchst spannend nachvollziehen läßt. Kurz und gut, ich hatte »Blut geleckt«. Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang an die Neuheitenliste des Primus Verlags. Der Primus Verlag wurde 1996 von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG) gegründet und setzt seine programmatischen Schwerpunkte im geisteswissenschaftlichen Bereich mit Büchern zu historischen, philosophischen, theologischen und gesellschaftlichen Themen, auch kunst- und architekturgeschichtliche Titel sind vertreten.

Bezeichnend für alle Bücher des Verlages ist der Anspruch, Wissensvermittlung auf hohem Niveau in einer ansprechenden und hochwertigen Aufmachung zu bieten. Die ausgewählten Themen werden hierzu in unterschiedlicher Art und Weise aufbereitet: Das Spektrum reicht von der klassischen Biographie bedeutender Persönlichkeiten über Überblicksdarstellungen und Lexika bis hin zu fundierten Monographien und Büchern zu Ausstellungen. Gerade die optisch ansprechend gestalteten Text-Bild-Bände überzeugen durch eine Aufbereitung des Stoffes, die es auch dem Laien ermöglicht, sich über einzelne Themen anschaulicher zu informieren und sich in komplexen Themenfeldern zurecht zu finden.

»Theatrum Orbis Terrarum«
Nach einem wirklich sehr erbaulichen Erstkontakt mit der Pressechefin Frau Gesa erhielt ich kürzere Zeit darauf auch die ersten wunderbaren Bücher und ich machte mich sogleich mit glänzenden Augen über den Atlas »Theatrum Orbis Terrarum« her. Besagter Atlas - auch Ortelius Atlas genannt - wurde 1570 von Abraham Ortelius in Antwerpen gedruckt und bestand aus 70 Kartenblättern, die durch einen in ein Buch gebundenen, lateinischen Text vervollständigt wurden. Dieser Atlas gilt als erster Atlas weltweit und wird als eine Zusammenfassung des gesamten kartographischen Wissens des 16. Jahrhunderts angesehen.

1572 erwirbt der Nürnberger Verleger Johann Koler die 53 Karten und läßt die lateinischen Texte ins Deutsche übersetzen und veröffentlicht eine eigene Ausgabe. Nach 1572 wurde der Atlas regelmäßig von Ortelius überarbeitet und bis zu seinem Tode im Jahre 1598 neu und in verschiedenen Formaten herausgegeben. Dadurch wuchs der Umfang beträchtlich und in der 1612 erschienen Ausgabe, die 31. Auflage übrigens, waren bereits 167 Karten und 183 Referenzen enthalten.

Eins der am besten erhaltenen Exemplar des »Koler-Atlasses« liegt in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, auf diesem Exemplar basiert die Ausgabe, die als liebevoller Reprint nun im Primus Verlag erschienen ist. Ich habe mich mit einer Lupe bewaffnet und bin auf Zeitreise gegangen…

»Leben im Mittelalter«
Eine Zeitreise der etwas anderen Art möchte ich Euch nun vorstellen. Das Mittelalter ist mittlerweile wieder en Vogue geworden. Märkte, Veranstaltungen, Musik, etc. romantisieren diese Zeit, die aber nicht umsonst als die »dunkle« bezeichnet wurde.

Nun, nicht jeder hat die Muße und das Interesse sich ausgiebig mit dem Thema auseinanderzusetzen, ellenlange Abhandlungen über Zeitgeschichte zu studieren. Dennoch, das Wissen über diese Zeit erscheint mir zum Verständnis des Hier und Jetzt unerläßlich. Wie haben sie denn nun wirklich gelebt unsere Ahnen? Antworten darauf geben dicke Bücher zuhauf. Wer aber dafür keine Zeit hat, aber dennoch mitreden und informiert sein will, der findet das Buch »Leben im Mittelalter« von Roland Pauler sicherlich ungemein nützlich, denn hier gibt es die Antworten in lexikalischer Form kompakt auf über zweihundert Seiten. Roland Pauler hat in etwa 120 Artikeln und 11 Essays ein lebendiges Bild des Alltags jener Zeit aufgezeigt, ohne den strengen, wissenschaftlichen Zeigefinger drohend zu erheben. Ob Müllentsorgung, Schwangerschaftsverhütung, Minnesang, Bankenwesen, Prostitution oder Nachrichtenübermittlung - hier gibt es wissenschaftlich fundierte Antworten. Ein kurzweiliges Nachschlagewerk, das zu schmökern und stöbern einlädt.

»Essen und Trinken im Mittelalter«
Ich habe da so einige Bekannte, die schwören ja neuerdings auf mittelalterliche Küche. Kein sogenanntes Mittelalter-Restaurant ist vor denen sicher. »Und außerdem ist das Essen einfach, reichlich und schmackhaft - genau wie im Mittelalter«, so der Tenor meiner Bekannten. Ich habe mich dann auch mal überreden lassen, solch ein authentisches Gelage mitzumachen und bin aus dem Lachen gar nicht mehr herausgekommen. Das dort servierte »Essen des einfachen Menschen aus dem Mittelalter« war selbst für ein höfisches Gelage der damaligen Zeit überreichliche Völlerei. Meine Bekannten meinten, ich habe ein sehr negatives Bild des herrlich romantischen Mittelalters. Nun denn. Ich konnte dann nur das Buch »Essen und Trinken im Mittelalter« von Ernst Schubert verweisen.

Wie dem auch sei, meine Bekannten haben es nicht gelesen, denn sie wollten sich ihr Bild des einfachen und glücklichen Lebens im Mittelalter nicht von einem »modernhörigen Schreiberling« kaputt machen lassen. Auch über diese ignorante Aussage habe ich mich köstlich amüsiert, denn Ernst Schubert war Professor für niedersächsische Landesgeschichte und Direktor des Instituts für historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Und wie gesagt hat er ein Buch über »Essen und Trinken im Mittelalter« geschrieben.

Ernst Schubert vermag aus dem eigentlich kulinarischen Thema ein herrlich lebendiges Gemälde der Kultur und Lebensgeschichte des Mittelalters entstehen zu lassen. Er berichtet vom Fleisch und vom Metzger, vom Bier und vom Wein, vom Hering und vom Stockfisch, vom höfischen Festmahl ebenso wie von den kargen Speisen des gemeinen Mannes, der Hungersnot, dem Erfindungsreichtum, der aus dieser bitteren Not entstand, und räumt nebenbei auch noch in punkto eines glücklichen und natürliche Lebens des einfachen Mannes in dieser Zeit gründlich auf. Hunger, Krankheit und Räudigkeit gegen Minne- und Ritterromantik.

Dabei bleibt Schubert immer nah an den historischen Quellen, verfällt dabei aber nicht in trockene, wissenschaftliche Monologe, sondern schildert diesen entromantisierten Alltag anschaulich, wirklichkeitsnah und amüsant. Dieses Buch liest sich beileibe nicht wie eine wissenschaftliche Arbeit, sondern eher wie ein spannender Tatsachenbericht aus dem prallen Leben. Es ist ein Buch, das Wissenschaftler und Laien gleichermaßen anspricht und mein ganz besonderer Tip.