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Kurzinfo
Die Zähne gewetzt… und ihnen nach!

16. April 2008

Die Zähne gewetzt… und ihnen nach!

Der Titel meiner heutigen Kolumne ist eigentlich ein Zitat aus »Tanz der Vampire« und ein Ausruf von Seiner Exzellenz Graf Krolock, der zum großen Halali auf Professor Abronsius und Assistent Alfred bläst. Aber vielleicht erahnt der geneigte Kolumnarde ja schon um was es bei dieser Kolumne gehen wird. Richtig, um Filme mit mehr oder weniger Biss.

 »Der Clan der Vampire«
Den Anfang macht eine Miniserie, die seinerzeit über RTL ausgestrahlt wurde, und die jetzt über KochMedia (ja, bei denen gibt es auch das  Perry-Spiel!) als DVD-Box erhältlich ist: »Der Clan der Vampire« (im Original » Kindred - The Embraced«), eine Umsetzung des legendären Rollenspiels »Vampire - The Masquerade«, das so mancher von Euch wahrscheinlich auch schon als PC-Umsetzung gezockt hat. Produziert wurde diese Serie von Aaron Spelling, der unter anderen für »Charmed« verantwortlich zeichnete.

Um es gleich voraus zu schicken, er hat’s vergeigt. Der Stoff des Rollen- und auch des PC-Spiels bot genug Stoff für eine spannende Hintergrundgeschichte und wurde konsequent nicht umgesetzt. Spelling, bekannt für seine seichten und glattgebügelten Teenie-Soaps der Marke »Beverly Hills 90210«, verquirlte das Thema zu einer Mischung aus Action-, Love- und ein bisschen Horrorstory, die beim Kenner nur ein verärgertes Stirnrunzeln hinterlässt. Betrachtet man die Serie als Stand-alone, so bietet diese aber dennoch seichte Unterhaltung für das Abschalten vor der Glotze, bei dem man auch getrost den herzhaften Biss in die Stulle riskieren kann.

Die Serie spielt in San Francisco: Unentdeckt von der Öffentlichkeit hält eine Gruppe Verschworener die Fäden von mächtigen Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Verwaltung in der Hand. Niemand ahnt etwas davon, dass diese äußerlich unscheinbaren Herrscher der Stadt in Wahrheit Blut dürstende Vampire sind. Ihre Macht teilen sie sich in fünf Vampir-Clans auf, denen als Anführer Julian Luna (Mark Frankel), der »Prinz der Stadt«, vorsteht. Als eines Tages der Clanherrscher Eddie Fiori (Brian Thompson) das Unauffälligkeits-Gelübde der Vampire durch einen brutalen Mord bricht, wird Detective Frank Kohanek (C. Thomas Howell) auf die Clans aufmerksam - und San Francisco droht in Blut zu versinken.
 
 »Der Kuss des Vampirs«
Um Homini Nocturna geht es auch im nächsten Streifen aus den legendären Hammer Studios, die ja für exzellente B-Movies im Genre Horror bekannt sind. Ich erinnere nur an die feine Reihe der Filme um den Erzblutsauger Dracula mit Christopher Lee. Aber diesmal bleibt der Sargdeckel des Grafen geschlossen. Dennoch handelt es sich bei »Der Kuss des Vampirs« von Don Sharp um einen »Beiss-mich«-Film, der allerdings auf Grüfte, Spinnenweben und düstere Katakomben verzichtet. In der Reihe der Vampirfilme aus den Hammer Studios gilt dieser denn wohl auch als eine recht innovative Umsetzung der Thematik und liegt nun erstmals in restaurierter, ungeschnittener Fassung vor.

Recht interessant ist die Tatsache, dass die Sauger-Sippschaft diesmal nicht aus moderigen Uralten und deren Adepten besteht, sondern dass diese eher wie eine Heilssekte um einen Guru aufgebaut ist. Nun, die Geschichte um den Vampirguru und seiner Anhänger entspricht dann allerdings eher dem üblichen Klischee:

Während ihrer Hochzeitsreise durch Europa, landet das junge Paar Gerald (Edward de Souza) und Marianne Harcourt nach einer Autopanne auf dem Maskenball des mysteriösen Schlossherrn Dr. Ravna, der sich als Anführer einer blutdürstenden Vampirsippe erweist. Der Doktor hat es auf die schöne Marianne abgesehen und entführt sie, während er Gerald betäubt. Als sich am nächsten Morgen keine Spur von Marianne findet und die Dorfbewohner ihre Existenz leugnen, wendet sich Gerald verzweifelt an den trinkfesten Vampirjäger Professor Zimmer (Clifford Evans).

Zusammen wollen sie den Vampiren ein für allemal das Handwerk legen und Marianne aus Dr. Ravnas Klauen retten. Klar, es gelingt und zum Schluss werden die blutsaugenden Kreaturen selbst von höllischen Fledermäusen ausgesoffen.

Dieser Film hat mir wirklich vergnügliche Minuten bereitet und ich kann Freunden der nachtaktiven Blutschlabberer nur empfehlen einen Blick zu riskieren - es lohnt sich.
 
 »The Munsters«
Und nun möchte ich zu einer Serie kommen, die mir damals und endlich auch heute wieder viele köstliche Stunden beschert hat: »The Munsters« - das Original aus den »Roaring Sixties« und alles in Schwarzweiß. Leider brachte es diese Serie damals nur auf zwei Staffeln und drei Kinofilme - von denen nur der erste ein Renner war - bevor sie aufgrund der starken Konkurrenz von »Poff«, »Bang«, »Pow«-Batman eingestellt wurde.

Sie kamen aus der »alten Heimat« (gemeint ist Transsilvanien), die nette Familie, die nun in einem etwas düster aussehenden Haus mit verwildertem Garten in der Mockingbird Lane 1313, Mockingbird Heights, USA, lebt: Herr und Frau Munster, Opa, Sohn Eddie und Nichte Mailyn. Dies hört sich zunächst wie eine ganz normale Durchschnittsfamilie an, doch der Schein trügt. Die Familie ist anders als die anderen - ganz anders.

Da wäre zunächst Papa Hermann Munster (gespielt von dem begnadeten Fred Gwynne), 150 Jahre alt und 2,23 Meter groß, Schuhgröße 58, grünhäutig, zwei Stellschrauben rechts und links am Hals und ein entzückendes Grübchen in Form eines Blitzes von 10 cm Länge auf der Stirn. Außerdem wurde er nicht im wirklichen Sinne geboren, sondern in einem Labor von seinem Hausarzt Dr. Frankenstein zusammengestellt. Seinem Broterwerb geht er im Beerdigungsinstitut »Gateman, Goodbury & Graves« nach.

Ihm zur Seite steht die liebende Gattin und treusorgende Mutter, etwa süße 140 Jahre alt und in Transsilvanien geborene Lily Dracula-Munster (gespielt von Yvonne De Carlo). Lily sieht aus wie ein Hybrid aus weißer Frau, Vampirin und Frankensteins Braut und ist die perfekte Hausfrau. Sie spannt unermüdlich Spinnenweben, verstaubt das Haus und füllt andächtig die Papierkörbe, um Ihrer Familie ein wohnliches Zuhause zu bieten. Als Mutter wacht sie liebevoll über den gemeinsamen Sohn Edward Wolfgang Munster, Eddie genannt.

Eddie (gespielt von Butch Patrick) ist etwa 10 Jahre alt und besucht fünfte Klasse der Grundschule in Mockingbird Heights. Ein reizender Knabe, der immer in einem Anzug im Stil »Little-Lord-Fauntleroy« (offensichtlich hat er nur den einen) herumläuft, sich seine Spielkameraden fangen muss und eine innige Beziehung zu seinem Haustier namens »Spot«, einem feuerspeienden und gern Briefträger vergrabenden Jungdrachen, pflegt. Sein dunkles, in der Stirnmitte spitz zulaufendes Haar, die kleinen Reißzähne, allerliebste kleine Spitzohren und sein bleicher Teint gemahnen an einen entzückenden Jungwerwolf. Eddies bevorzugter Schlafplatz ist ein wohlgestalteter Sarg.

Ein Sarg würde wahrscheinlich in der alten Heimat auch dem »Graf« ein angenehmes Ruheplätzchen sein. Opa (gespielt von Al Lewis), dessen richtiger Name natürlich Graf Dracula (eigentlich Sam Dracula) ist, hängt aber lieber in Fledermausmanier in der Gegend rum. Opa ist so um die 380 Jahre alt und von Beruf durchgeknallter Wissenschaftler und etwas vergeßlicher Magier. Sein gräfliches Outfit hat die besten Modedekaden schon lange hinter sich gelassen, so erinnert Opas Erscheinungsbild eher an einen leicht gefledderten Pinguin. Vielleicht ist dies auch der Grund warum er derzeit immer noch ledig ist (angeblich hatte er schon 16 Gattinnen). Des Grafen flatternder Gefährte ist eine Fledermaus namens »Igor«. Am liebsten verwandelt sich der reizende alte Herr in einen Wolf, um gemeinsam mit anderen Kumpeln einen wilden Zug durch die Nächte zu machen.

Gänzlich aus Reihe fällt da allerdings Marilyn Munster (gespielt: in den ersten 13 Folgen von Beverly Owen, anschließend von Pat Priest), die Nichte von Lily und angeblich die Tochter von deren Schwester Elsa, die mit einem Norman Hyde verheiratet war. Marilyn ist etwa 20 Jahre alt und entspricht dem Schönheitsideal eines Teenagers der Sechziger - was nun aber überhaupt nicht dem Schönheitsideal der übrigen Munsters entspricht. Die Familie kümmert sich aber überaus fürsorglich um das, in ihren Augen, etwas verunstaltete Mädchen - dem »weißen Schaf« der Munsters.

Und so nimmt die Geschichte einer alltäglichen Familie ihren Lauf, man kämpft tapfer mit den Tücken des modernen Lebens in einer typischen Vorstadt irgendwo da Draußen und hat so einige Schwierigkeiten, sich anzupassen.

Beide Staffeln mit wirklich gutem Bonusmaterial (unter anderem die nie zuvor ausgestrahlte Pilotfolge in Farbe) sind derzeit beim DVD-Dealer erhältlich und der Kinofilm »Die Munsters - Gespensterparty« (im Original »Munsters, go home!«) soll Ende Juni dieses Jahres erscheinen.

Für mich ist diese Serie neben der »Adams Family« ein wirklich besonderer Leckerbissen und immer noch sehenswert.