15. Juni 2004
Es gibt Menschen, denen sollte man die Nutzung von Computern nur unter ärztlicher Aufsicht gestatten, und Paul gehört meiner Meinung nach dazu. Jetzt tippt er schon seit einer ganzen Weile unsere Skatabend-Ergebnisse in eine Datenbank auf seinem Notebook ein -»In zehn Jahren können wir dann sehen, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, dass du einen Null Ouvert gewinnst«, hat er mir kürzlich erklärt. Als ob ein Notebook zehn Jahre halten würde! Und als ob ich nicht ohne solche Hilfe wüsste, dass der Null Ouvert kein Spiel für mich ist! Aber auch sonst tickert Paul mittlerweile so ziemlich alles in seinen Computer, was sich in Dateiform pressen lässt: vermutlich muss er, wenn er einmal seine Biographie veröffentlichen will, nur noch die Festplatte an den Verlag schicken. Ja, es macht ihm sichtlich Spaß, sein ganzes Leben in Bits und Bytes zu konvertieren. »Es hat halt seine Vorteile«, versichert er mir stets, wenn ich allzu offensichtlich die Stirn runzle. »Mittlerweile habe ich alle meine Rhodan-Hefte erfasst. Da sieht man die Lücken sofort! Außerdem kann ich verschiedene Sortierungen abrufen und - na ja, anderes Beispiel: dieses Jahr habe ich zum ersten Mal an meinen Hochzeitstag gedacht. Und jetzt darfst du raten, wer mich rechtzeitig erinnert hat !« Ganz toll. Früher wurde Paul immer von seiner Frau an den Hochzeitstag erinnert. Zwar selten rechtzeitig, aber lustiger war's auf jeden Fall. Über Ehefrauen und Datenbanken kann auch Peter Gasser das eine oder andere erzählen. Etwa darüber, was man sich anhören muss, wenn man die liebe Gattin bei der Erfassung seiner Heftsammlung einspannt. »Irgendetwas«, monierte Frau Gasser bei dieser Gelegenheit, »muss mit dir nicht in Ordnung sein .«
Dabei hat, wie so vieles im Leben, Peter Gassers »Datenbankitis« ganz harmlos angefangen: vor gut 24 Jahren stieß er erstmals auf den Erben des Universums und las von seinen Abenteuern, was immer ihm in die Hände fiel. Doch erst nach Ende seiner Schulzeit begann er, die Romane richtig zu sammeln. Zunächst galt es, diverse Lücken zu schließen - was, den einschlägigen Flohmärkten sei Dank, nach und nach zwar auch gelang, aber zu einem ziemlichen Durcheinander führte: verschiedene Auflagen, unterschiedlich guter Zustand der Hefte und das Gefühl, allmählich den Überblick zu verlieren veranlassten Peter, alles auf Papier zu erfassen. Da diese Variante zu den eher mühseligen zählt, griff er Mitte der neunziger Jahre zu der DOS-Anwendung »F&A« und erstellte damit seine erste PERRY RHODAN-Datenbank.
»Damit konnte ich meine Hefte erfassen und Doubletten aussortieren«, sagt er. »Aber ich wollte mehr.« Eine richtige Wissensdatenbank rund um das Thema PERRY RHODAN sollte entstehen. Diesem Ansatz hat das Projekt auch seinen Namen zu verdanken: »Scire« (lat. »wissen«).
Zusätzlich waren ihm auch Auswertungen und Statistiken wichtig. Daher migrierte Peter seine Daten zunächst auf »F&A für Windows«, schließlich auf »Access«. Schwierig war dabei vor allem, dass er sein Projekt autodidaktisch anging und sich nur mit Online-Hilfe, mitgelieferten Beispieldatenbanken und der guten, alten Methode »try and error« an die Arbeit machte.
Seit er sich entschlossen hat, seine Datenbank auch anderen Lesern zur Verfügung zu stellen, kommt noch ein weiteres Problem hinzu: »Wenn man ein Programm erstellt hat und dann damit arbeitet, kennt man den genauen Ablauf und weicht unweigerlich allen möglichen Fehleingaben aus«, berichtet er. Und zwar genau den Fehleingaben, die der erste »fremde« Anwender in konsequenter Einhaltung von Murphys Gesetz spätestens mit dem zehnten Tastendruck unweigerlich produziert. Entsprechend viel Mühe hat sich Peter gegeben, seine Datenbank möglichst bedienerfreundlich zu gestalten.
Mindestens ebenso aufwendig wie die Entwicklung selbst, das Aufbauen der verschiedenen Tabellen - für Hefte und Hauptpersonen, Autoren, Titelbild- und Risszeichner, Zyklen, Lexikon und anderes mehr - und vielfältigen Verknüpfungen war die Eingabe all der Daten.
Peter schätzt die Serie aufgrund ihrer konstanten Weiterentwicklung, ihres gewaltigen Handlungsbogens und wegen der verschiedenen Autoren, die alle ihre ganz eigenen Momente in den rhodan'schen Kosmos einbringen. Doch genau das macht das »Projekt Datenbank« zu einer Sysiphusarbeit, die nach über 2.200 Romanen aufgelaufene Informationsmenge ist einfach immens. Und dann kommen ja auch noch all die Taschenbücher, Spinoffs und - natürlich - des alten Arkonidenhäuptlings eigene Serie. »Mittlerweile enthält die Datenbank 39 Tabellen, 43 Abfragen, 124 Formulare und 38 Berichte«, erklärt Peter. »Trotzdem ist noch immer viel zu erfassen. Zur Atlan-Serie beispielsweise fehlen mir fast alle Daten. Und bei PERRY RHODAN kommt ja auch ständig Neues hinzu.«
So gesehen wird das Datensammeln wohl eine ebenso endlose Aufgabe wie das Schreiben der wöchentlichen Rhodan-Hefte.
Nun ist das Erfassen der Hefte, und insbesondere das von Heftinhalten wie etwa dem Glossar oder den Lexikoneinträgen, eine Sache, wenn man es ganz privat und nur für sich im stillen Kämmerlein betreibt. Anders sieht es aus, wenn man diese Daten Dritten zugänglich machen möchte. Aus diesem Grund wandte sich Peter per Mail an VPM, um sich über Veröffentlichungsmöglichkeiten und die Copyrightthematik zu informieren.
Seine Anfrage landete bei
Miriam Hofheinz, und Miriam hatte die Idee, Peters Datenbank als Downloadmöglichkeit auf der PR-Homepage anzubieten. Der entsprechende Link ist oben neben der Kolumnenüberschrift angegeben. Wer mag, kann mit Ideen, Fragen und Anregungen virtuell bei
Peter anklopfen.
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