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Kurzinfo
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16. Februar 2004

On Tour im Web: Karaketta virtuell

Es ist schwer, sich auf sein Skatblatt zu konzentrieren, wenn der Nebenmann ständig brummt. Paul klang wie ein Motor mit Getriebeschaden und hielt seine letzten Karten, als hätte er ein Lenkrad in der Hand, während ich krampfhaft versuchte, mich an die Pik Acht zu erinnern. War sie schon gespielt worden? Ich knirschte in Gedanken mit den Zähnen.
»Dein Gebrumme stört«, sagte ich genervt. »Ich versuche, hier einen Null zu spielen!«
Paul grinste. »Genau. Du versuchst es.«
Immerhin konnte er nicht gleichzeitig brummen und reden. Ich bediente die Karo Dame mit der Zehn.
»Wrrruuummm!«, machte Paul, schnippte das As auf den Tisch, zog die Karten zu sich heran und spielte die Karo Neun. »Und noch mal: Wrrruuummm!«
Ich blieb drunter und beobachtete missmutig, wie der Pik König abgeworfen wurde.
»Wrrruuummm!« Paul schnappte sich die Karten.
»Wrum! Wrum!«, knurrte ich. »Was soll das?«
»Ich fahre ein virtuelles Rennen«, erklärte Paul und legte sich mit seiner letzten Karte in eine Steilkurve. »Zwar kein Karaketta, aber immerhin Stock Car im passenden Design.« Dann trat er auf die virtuelle Bremse und spielte die Pik Acht.
Mit steinerner Miene ließ ich meine Pik Neun folgen. »Stock Car? Da komme ich nicht mit.«
»Das«, sagte Paul, »glaube ich dir gerne.« Und mit einem abschließenden »Wrrruuummm!« notierte er gewissenhaft ein weiteres verlorenes Spiel für mich.


Die Karaketta-Rennen, die Hans Kneifel in Romanen wie »Sternvogels Geheimnis (2013)« und »Der Dunkle Nert (2125)« beschrieb, gehören sicher nicht zum Breitensport im Perryversum, und zur Nachahmung empfehlen kann man sie auch nicht - von den hohen Kosten und der komplexen Technik einmal abgesehen sind unsere Raumfahrtprogramme einfach noch nicht weit genug, um einen preiswerten Flug zu den Austragungsorten zu ermöglichen. Ist aber egal, denn auf der guten, alten Erde gibt es auch so reichlich Möglichkeiten für den Motorsportfreund, sein Hobby hautnah zu erleben: direkt an der Piste, auf den Sportkanälen oder im Internet. Dort kann man sich nicht nur mit den aktuellsten News versorgen, sondern sogar selbst in die virtuelle Fahrerkabine klettern und gegen andere Piloten antreten. Das geht mittlerweile Dank einer geschickten Kombination von Simulationssoftware und Multiplayer-Servern.
Andreas Schlüter, der sich schon lange für die amerikanische Stock Car Szene begeistert, gehört zu den Piloten der »German Nascar League (GNL)«, die von dem »Virtual Racing e.V.« verwaltet wird. Ausgetragen werden die Rennen mit dem Spiel »Nascar Racing 2003«, dessen hervorragenden Netzwerk-Features bis zu vierzig Fahrern die Teilnahme an einem Rennen ermöglicht. Inzwischen ist sogar Gästen der »Besuch« möglich. Zwar noch lange nicht mit dem Look & Feel einer echten Motorsport-Veranstaltung, immerhin aber können sich die Rennen in einer Draufsicht verfolgen lassen. Alles andere - Ergebnisse, Platzierungen, Tabellen und was sonst noch so dazu gehört - kann aber natürlich im Internet eingesehen werden.

Gut zwei Jahre lang hat Andreas in dieser Liga mit seinem Chevy im schwarzen Design mitgemischt, ehe er beschloss, sich ein neues Gefährt zuzulegen. Das ist einer der ganz großen Vorteile des virtuellen Motorsports: die Anschaffungskosten für einen neuen Wagen lassen jeden Verkäufer eines Autohauses blass werden, und die Instandhaltung belastet das Budget so gut wie gar nicht. Statt ins Portemonnaie musste Andreas lediglich zu Maus und Tastatur greifen. Auf Grundlage einer Chevy-Schablone und mit dem Grafikprogramm »Paint Shop Pro 8« wurden zunächst die Grundzüge des neuen Wagens erstellt, dann ging es ans Design.
Seit nunmehr sechs Jahren liest Andreas die Silberbände, ohne allerdings die Erstauflage parallel zu verfolgen. Daher standen für ihn schon früh zwei Dinge fest: erstens sollten die Silberlinge in die Gestaltung einfließen, und zweitens sollten sich seine Lieblingscharaktere - Mausbiber Gucky und Icho Tolot - wiederfinden. Beide Bedingungen sind klar erfüllt: die Karosserie glänzt in Silber und Blau, und der Ilt und der Haluter sind kaum zu übersehen. Für den ganzen »Autobau« hat Andreas knapp zwei Wochen benötigt. Dabei haben, wie so oft, vor allem die Kleinigkeiten Zeit gekostet. Welche Schrift passt besser? Sieht das jetzt nicht zu sehr nach einer Comic-Vorlage aus?
Als dann endlich alles zu Andreas' Zufriedenheit ausfiel, wurde im letzten Schritt die fertige Grafik gerendert, um ein möglichst plastisches Ergebnis zu erzielen. Und wenn man sich das Bild oben anschaut, ist der Wagen ja tatsächlich kaum von einem »richtigen« Auto zu unterscheiden...

Weitere Informationen über Andreas und sein Hobby findet ihr hier:  http://www.barin.org
Weitere Informationen über den »Virtual Racing e.V.« findet ihr hier:  http://www.virtual-racing.org/

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