29. September 2003
Paul mischt die Karten flink wie immer - Zapp! Zapp! flutschen sie durch seine Hände. Das wäre an sich nicht bemerkenswert, würde er dabei nicht statt auf die Karten nach oben blicken und verträumt eine kleine Melodie summen.
»Alles in Ordnung?«, frage ich, als Paul mit der Mischerei gar nicht mehr aufhören will.
»Sicher doch«, sagt Paul. »Wir haben Vollmond. Ist das nicht herrlich?«
Etwas verwundert starre ich ebenfalls nach oben. Vom Vollmond ist natürlich nichts zu sehen, aber die Deckenleuchte strahlt ein klein wenig heller als sonst.
»Sehr witzig! Ist wirklich alles in Ordnung?«
»Ja, ja«, beruhigt er mich und beginnt endlich, die Karten auszuteilen. »Ich habe mir nur vorhin am Rechner einen Clip angeschaut, und jetzt geht mir diese Melodie nicht mehr aus dem Kopf. 'Return to the moon' heißt er - der Clip, nicht die Melodie. Kann ich dir nachher mal zeigen.«
»Wenn du mir garantierst, dass ich dann nicht den Rest der Nacht wachliege, zur Decke starre und vor mich hinsumme...«
»Keine Angst.« Paul nimmt seine Karten auf und grinst breit. »So schlimm wird's schon nicht werden.«Uwe Ziese kann mit Fug und Recht behaupten, mit PERRY RHODAN groß geworden zu sein - von klein auf gehörten die Romanhefte, die sein Vater jede Woche mitbrachte, quasi zur Wohnungseinrichtung. Kein Wunder, dass es ihn irgendwann dann selber packte; mit Band 599 (»Tag der Entscheidung« von
Kurt Mahr) stieg Uwe in die Erstauflage der Serie ein und ist ihr bis heute treu geblieben. Neben der Science Fiction im Allgemeinen - eine ordentliche Portion Lesestoff gehört für Uwe zum Urlaub wie das Salz zum Meer - und PERRY RHODAN im Besonderen beschäftigt er sich gerne mit den grafischen Möglichkeiten am Computer.
Nach der Arbeit an einem 2D-Entwurf für ein Raumschiff kam er auf die Idee, das Ergebnis zu animieren - »Ich habe gedacht, dass es schön wäre, wenn der Raumer auch tatsächlich fliegen könnte«, meint Uwe. Ein Schiff allein, das einsam durch die virtuellen Weiten einer Grafikkarte spukt, war ihm allerdings zu wenig. Zwar keine komplette Geschichte, aber doch eine atmosphärisch dichte Szene sollte schon dabei herauskommen.
Also hat Uwe zunächst einmal ein kleines Storyboard skizziert. Das vereinfacht die Arbeit erheblich, da er beim Modellieren der einzelnen Elemente und beim Aufbau der Animationssequenzen bereits auf ein Grundkonzept zurückgreifen kann. Doch auch mit solcher Vorbereitung ist das Erstellen eines Clips wie 'Return to the moon' extrem zeitaufwendig.
»Alleine am Rendering der animierten Blitze«, erinnert sich Uwe, »hat mein Rechner gut und gerne 36 Stunden zu knabbern gehabt. Und das nicht nur ein Mal, sondern bei jeder kleinen Änderung, wie etwa einem leichten Wechsel der Perspektive.«
Insgesamt hat sich die Arbeit an dem Clip über knapp fünf Monate gezogen, und ein guter Teil davon ging für das Rendering und den Feinschliff drauf. Hierfür hat Uwe das Programm 3ds max 5.1 eingesetzt, und für das Schneiden der einzelnen Sequenzen Adobe Premiere.
Zuletzt wurde das Ganze dann mit einem Musikzusammenschnitt von Robert Miles unterlegt - fertig! Nur ein Titel fehlte noch. Auf den kam Uwe nach einer guten Flasche Wein. »Ich glaube, wir hatten gerade Vollmond. Jedenfalls war er plötzlich da.«
»Return to the moon« - warum auch nicht. Im Blitzgewitter zurück aus Tradom, das passt schon, da der Zyklus ja gerade zu Ende geht. Und davon abgesehen hat im Perryversum auf dem Mond schließlich auch alles angefangen.
Uwe schickte seinen Clip an VPM, und als
Miriam Hofheinz ihn sich anschaute, kam ihr gleich die Idee, ihn für die Rhodan-Leser als Download auf der Homepage zur Verfügung zu stellen. Dafür musste Uwe aber noch einmal Hand an sein Werk legen: um mögliche Probleme mit der Gema zu vermeiden, wurde der Sound geändert. Jetzt fliegt sein Raumschiff zur Musik der CD »Pax Terra« Richtung Mond.
Return to the moon (mp4) (1.43 MB)
Return to the moon (mov,zip) (40.35 MB)
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