13. Juni 2003
Paul ist stets der erste, der zum Skatabend eintrifft - gewöhnlich kommt er mindestens eine Viertelstunde zu früh. Ich habe den Verdacht, dass er das nur macht, um ungestört den Kühlschrank des jeweiligen Gastgebers inspizieren zu können. Findet der Skatabend jedoch bei ihm statt, kommt er meistens eine Viertelstunde zu spät, weil er prinzipiell vergisst, sich rechtzeitig ums Bier zu kümmern.
Auch heute sitzen wir schon ein Weilchen unten im Keller, als Paul endlich auftaucht. In der einen Hand trägt er einen Kasten Regenwaldunterstützung, in der anderen hält er eine blaue Plastiktüte. Die lässt er mir in den Schoß fallen, ehe er hinter der Bar verschwindet, um die Flaschen in den Kühlschrank zu stopfen.
Ich schaue in die Tüte und denke im ersten Moment, dass Paul mir das neueste für Junior erworbene SF-Buch präsentieren will. Aber der Titel klingt nach Altbekanntem:
»Unternehmen Stardust« steht auf dem Umschlag, darüber allerdings prangt als blaues Logo »Fancomic«.
»He«, sage ich. »Wo hast du das denn her?«
Pauls Kopf taucht kurz über der Theke auf. »Jedenfalls nicht aus dem Internet«, erklärt er grinsend. »Von der Bezugsadresse mal abgesehen.« Er verschwindet wieder.
»Aha«, sage ich verwundert, und während Paul mit den Flaschen hantiert, blättere ich die ersten Seiten durch. »Was es nicht alles gibt ...«Perry Rhodan im Bild erschien schon gegen Ende der sechziger Jahre. Und erst kürzlich startete VPM mit
Uwe Anton am Text- und Karl Altstaetter am Zeichenbord einen neuen Versuch, den Erben des Universums im Comicsektor zu etablieren.
So richtig nah dran an den Inhalten der Originalhefte sind jedoch weder die alten noch die neuen Comicbände. Das dachte sich jedenfalls Hartmut Großer, der sich schon lange beruflich und privat mit den Möglichkeiten moderner Computergrafik befasst, und daher die Vorstellung einer möglichst authentischen Umsetzung eines Rhodan-Romans in einen Comic kurzerhand selbst in Angriff nahm. Was lag näher, als mit »Unternehmen Stardust« auf den ersten erschienen Heftroman zurückzugreifen? Zumal dessen Autor
K.H. Scheer zu jenen Schriftstellern zählt, die Hartmuts Interesse an der Science Fiction und PERRY RHODAN weckten.
Gesagt, getan!
Über ein halbes Jahr hat Hartmut an der Comicumsetzung gearbeitet, an so manchem Wochenende bis zu zwölf Stunden täglich. Auf von Hand gezeichnete Skizzen und Entwürfe konnte er dabei völlig verzichten. Mit dem von ihm verwendeten Retraycer »Cinema4D« lässt sich jede Grafik direkt am Computer entwerfen und von allen Seiten betrachten. So können einzelne Details sukzessive eingebaut oder nach Bedarf verbessert werden.
Dafür müssen zuerst die für das jeweilige Bild benötigten Elemente - also Figuren, Gegenstände, Umgebungsteile - in allen Einzelheiten erstellt werden. Dies wird an der abgebildeten Comicseite leicht verständlich, die
Rhodan und
Bully zusammen mit Thora und Crest in der Zentrale des auf dem Mond gestrandeten Arkonidenraumers AETRON zeigt.
Immerhin beherbergt die Zentrale sechszehn Arbeitsplätze, alle unterschiedlich ausgestattet und teilweise von
Arkoniden besetzt, hinzu kommen natürlich die vier Hauptpersonen selbst, und zwei Roboter sind auch noch aufmarschiert. Erst, wenn alle diese »Einzelteile« fertig sind, kann das Gesamtbild aus ihnen zusammengesetzt werden. Aber die Mühe lohnt sich: die bereits vorhandenen Elemente können durch Bewegungsänderungen, Kameraschwenks und andere Features der Grafiksoftware weiter verwendet werden. So erstreckt sich die Szene in der Zentrale beispielsweise über zwei komplette Seiten des Comics.
Um die gewünschte Authentizität, die Nähe zum Original, sicherzustellen, hat sich Hartmut weitgehend an den Textvorlagen im Roman orientiert und sie quasi als Drehbuch oder Regieanweisung für die einzelnen Bildsequenzen aufgefasst. Allerdings lässt sich natürlich nicht alles visualisieren, was
K.H. Scheer auf gut sechzig Romanseiten in das »Unternehmen Stardust« gepackt hat. Speziell längere Dialoge mussten gekürzt werden. Schließlich können ja
Rhodan und seine Gefährten nicht permanent hinter Sprechblasen verschwinden...
Wer sich das Ergebnis der ganzen Arbeit einmal selbst anschauen möchte, findet im
News-Teil der Homepage alle relevanten Kontaktinformationen.
misc