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Kurzinfo
Link:  www.alien-contact.de

14. Mai 2003

On Tour im Web: Alien Contact

»Ohne vier Spiel fünf Schneider sechs«, sinniert Paul und reibt zufrieden die Hände. »Nicht schlecht.«
Ich grinse säuerlich. Ein Glück hat er heute, das ist eigentlich schon nicht mehr gesellschaftsfähig.
»Ich habe übrigens auf dem Trödel ein paar alte SF-Taschenbücher für Junior gekauft«, sagt Paul. »Sind ein paar Kurzgeschichtensammlungen dabei. Sowas magst du doch. Wenn du möchtest, kann ich sie dir zum nächsten Skatabend mitbringen.«
»Mach das.« Ich beuge mich vor und lese den Spielstand vom Block ab. Sieht nicht gut aus für mich.
»Ach ja, Bücher«, seufzt Paul, nimmt die Karten auf, mischt und teilt aus. »Wenigstens etwas, das das Internet noch nicht ersetzt hat.«
Ich schüttele den Kopf. »Stimmt nicht ganz. Im Netz findest du auch Kurzgeschichten.« »Klar, so Fanzeugs.« Er klingt nicht sehr überzeugt.
»Da sind manchmal ganz nette Sachen bei«, verteidige ich die Fanzeugsschreiber. »Und es gibt auch durchaus professionelle Angebote.«
»Echt?«, fragt Paul und guckt sich sein Blatt an.
Ich zücke den Kuli und schreibe eine Adresse unter seinen viel zu hohen Punktestand. »Alien Contact. Schau mal rein.«
»Mache ich«, sagt er, reizt bis zum Gehtnichtmehr und erklärt mit süffisantem Lächeln: »Grand Hand. Schneider angesagt, natürlich.«


Eigentlich sollte es kein Problem sein, ein Internetportal von einer Magazinseite zu unterscheiden. Wer den Auftritt von »Alien Contact« besucht oder im Angebot von »epilog« stöbert, kann da aber leicht durcheinander kommen: beide Projekte sind mittlerweile so eng miteinander verzahnt, dass eine eindeutige Trennung nicht immer einfach ist. Geplant war das jedoch ursprünglich nicht.
Als Ende Oktober 1997 »epilog« online ging - von Bernhard Kempen und Ronald Hoppe als Fortsetzung des Disketten-Magazins »ExpoMedia« konzipiert -, meldeten sich recht bald Bekannte der beiden, die mit eigenen Projekten ins Internet einsteigen wollten. Aus diesen Kontakten entstanden schnell verschiedene Kooperationen, und »epilog« verwandelte sich binnen weniger Monate in ein Dachportal. Früh dazu stieß Hardy Kettlitz mit »Alien Contact«. Anfangs war nur an ein bisschen Werbung für das Printmagazin gedacht, doch dann sammelte sich durch Previews auf anstehende Ausgaben in Form von Textauszügen und Rezensionen zunehmend Material an. Weil »epilog« eine eigene SF-Rubrik betrieb, tauschte man sich natürlich aus - und so dauerte es nicht lange, bis beide Bereiche eng miteinander verflochten waren.
Dennoch blieben die Inhalte der »Alien Contact« Website zunächst ein Zusatzangebot zum Printmagazin, auch wenn zunehmend - und durchaus bewusst - vieles, das aus Platz- oder Aktualitätsgründen in der Druckausgabe nicht untergebracht werden konnte, auf die Homepage gestellt wurde.
Etwas entgegengesetzt zum Ausbau des Onlineparts verlief die Entwicklung beim Magazin selbst: trotz aller Erfolge schien dem AC-Team das Erreichbare erreicht. Routine machte sich breit, der Spaß an der Arbeit hingegen sank. Hinzu kam, dass sich Auflage und Abonnementenstamm mit den vorhandenen Mitteln kaum noch würden steigern lassen. Daher entschloss sich die Redaktion, komplett auf das Medium Internet umzusteigen: mit Ausgabe 42 erschien »Alien Contact« letztmalig auf Papier. Diesen Schritt, der größere Flexibilität und mehr gestalterische Freiheiten brachte, hat das AC- Team bisher nicht bereut. Und für alle, die dennoch etwas »Handfestes« möchten, gibt's das »Alien Contact Jahrbuch« (siehe Abbildung oben).

Stand heute arbeitet ein Stamm aus neun festen Redakteuren und etwa dreißig mehr oder weniger regelmäßigen Mitarbeitern am umfangreichen Angebot von »Alien Contact«. Schwerpunkte sind die literarischen SF - Kurzgeschichten, Rezensionen, Interviews -, aber auch Film und Funk, oder Nebenschauplätze wie die Spieleszene, werden nicht aus dem Auge verloren. Dass die Beiträge im Magazin fachmännisch aufbereitet sind, liegt zu einem guten Teil daran, dass viele der zuständigen Mitarbeiter ihr Geld in der Medienbranche verdienen. Doch trotz der Professionalität, mit der »Alien Contact« betrieben wird, bleibt der »Hobby-Faktor« ein wichtiger Aspekt - das Magazin lebt vom Engagement seiner Macher.
Manchmal ist es schon frustrierend, verraten Chefredakteur Hardy Kettlitz und der für die Webseiten zuständige Ronald Hoppe, dass nicht alle Projekte realisiert werden können. Zu wenig Zeit! Schon fast ein Running Gag in der Redaktion ist das kollektive Aufstöhnen, wenn jemand verkündet, er hätte eine neue Idee. Nicht, dass neue Ideen nicht willkommen wären, aber die Kapazitäten reichen einfach nicht mehr aus. Und neue Leute, die honorarfrei mit-, vor allem jedoch zuarbeiten, sind nicht leicht zu finden. Wer sich daher gerne an Recherchen, Übersetzungen, Lektoratstätigkeiten versuchen möchte und dazu noch etwas davon versteht, kann ja mal bei der AC-Redaktion anklopfen. Dennoch: der Spaß steht im Vordergrund, und die Freude an einem abgeschlossenem Projekt, einem gerade frisch erschienenen Jahrbuch oder dem »Druck auf's Knöpfchen«, mit dem die neueste AC-Ausgabe auf den Servern freigeschaltet wird, entschädigen immer wieder für die investierte Vorarbeit und den damit verbundenen Stress. Und das, denke ich, spürt auch der Online-Leser, wenn er in den Berichten, Geschichten und Essays auf »Alien Contact« schmökert.

( misc)