25. Juni 2009
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Fortsetzung der knalligen Space Opera
Wilson Cole ist der Held eines interstellaren Krieges, den die Menschheit gegen eine fremde Macht führt. Doch gleichzeitig ist er ein Mensch mit Widerspruchsgeist und sturem Willen, was nicht zur herrschenden Militärstruktur passt. Kein Wunder, dass er mehrfach degradiert wird und mit seinen Aktionen - die gegen die Befehle seiner Vorgesetzten gerichtet sind - gleichzeitig Millionen von Menschen rettet.
Soweit die Vorgeschichte des mir vorliegenden Romans »Die Piraten«, dem zweiten Teil der »Wilson Cole«-Saga, die im Vorgänger-Band »Die Meuterer« geschildert worden ist.
Am Ende von »Die Meuterer« entschließen sich Wilson Cole und die Besatzungsmitglieder des Raumschiffes THEODORE ROOSEVELT, oft TEDDY R abgekürzt, zum Abzug aus der menschlichen Regierungsgewalt und zu einem eigenständigen Leben zwischen den Sternen der Milchstraße. Und sie beschließen, Piraten zu werden ...
Das allerdings ist nicht ganz einfach, wenn man sich auf moralische Grundzüge beruft: Wilson Cole und seine Begleiter wollen nicht gegen die alten Freunde von der Raumflotte kämpfen, sie möchten auch keine Zivilisten ausplündern und vor allem keine sinnlosen Raubzüge führen. Sie stellen nach kurzer Zeit fest, dass für sie das Piratendasein nur bedeuten kann, dass sie künftig eben andere Piraten ausplündern. Und nachdem sie das erkannt haben, ist den Besatzungsmitgliedern der TERRY R klar, dass sie grundsätzliche Probleme haben ...
Ich hoffe, dass ich mit diesem kurz gefassten Einblick in die Handlung des Romans zeigen konnte, worauf es dem Autor ankommt: Mike Resnick, Jahrgang 1942, hat mit dem sogenannten »Birthright«-Universum einen Kosmos geschaffen, in dem seitdem Dutzende von Romanen und Kurzgeschichten erschienen sind. In seiner Komplexität ist dieses Universum - von einem Autor allein beschrieben - extrem beeindruckend, und die »Wilson Cole«-Serie ist nur ein Auszug daraus. Die Romane der Serie sind durch die Bank unterhaltsam geschrieben, spannend und amüsant zugleich, eine leichte Science-Fiction-Unterhaltung für die Freunde großer Raumschiffe, interstellarer Konflikte und bizarrer Außerirdischer.
Insgesamt beschäftigen sich vier Romane mit Wilson Cole und seinen Leuten. Die ersten zwei haben mir sehr viel Spaß bereitet; sie erzeugten das Vergnügen, das ich früher beim Lesen von Science Fiction sehr häufig hatte: ein Schmunzeln über die schrägen Ideen, ein Staunen über die geschilderten Wunder, ein Spannungsempfinden angesichts der schnellen Handlung.
Schön ist im Übrigen, dass man den Roman ohne Vorkenntnisse verstehen kann; wer mag, kann sich also »Die Piraten« ohne die Kenntnisse der anderen Bände kaufen. Und noch schöner ist, dass man das »Birthright«-Universum nicht zu kennen braucht, um mit »Wilson Cole«-Abenteuern seinen Spaß zu haben. (Es muss auch, um einen literarischen Vergleich zu bemühen, niemand wissen, was in den Napoleonischen Kriegen und davor passierte, um »Hornblower«-Romane zu lesen.)
Mir gefiel vor allem die Art der Dialoge: Resnick schafft es, seine Helden durch die Bank durch schnelle Dialoge zu charakterisieren, sowohl die Menschen als auch die Außerirdischen. Das ganze ist immer wieder von sanfter Ironie gekennzeichnet, was dazu führt, dass der militärische Gehalt dieser »Military-SF« nur schwach durchscheint und einfach wunderbare Abenteuer-SF übrig bleibt. Wer beinharte »Soldaten im Weltraum«-Romane mag, wird »Die Piraten« möglicherweise ein wenig albern finden; mir machte es sehr viel Spaß.
Erschienen ist der Roman (im Anhang gibt es noch eine Risszeichnung der TEDDY R sowie diverse Texte zum »Birthright«-Universum) als Taschenbuch; es umfasst 382 Seiten und kostet 8,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-404-23329-8 lässt sich »Die Piraten« in jeder Buchhandlung bestellen, selbstverständlich auch bei Versendern wie amazon.de.




