12. Juni 2009
Die Redaktion empfiehlt:
Nach wie vor Pflichtlektüre für Comic-Leser
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen gab es auf der PERRY RHODAN-Homepage noch keine einzige »Watchmen«-Besprechung - und das, obwohl ich diesen Comic schon in den 80er Jahren für eine Offenbarung hielt, von der Verfilmung begeistert war und den gesamten Comic jetzt noch einmal mit wachsender Begeisterung gelesen habe. Als der Comic in den 80er Jahren erschien, erfuhr ich durch Gerüchte und Geschichten davon; mir erzählten davon vor allem jene Leser, die sich amerikanische Original-Ausgaben besorgten und mit leuchtenden Augen von dem unglaublichen Comic-Genuss schwärmten.
Später kam bei Carlsen eine sechs Bände umfassende und von Uwe Anton übersetzte Ausgabe auf den Markt, die ich beeindruckend fand. Die Vergrößerung der Seiten - damals wurden amerikanische Seiten noch auf den deutschen Album-Geschmack »aufgeblasen« - war für die Bilder allerdings nicht optimal. Trotzdem weiß ich, dass ich sehr oft durch den Comic blätterte. (Und ich erinnere mich vor allem gut daran, dass es Sequenzen aus »Watchmen« gibt, die eins zu eins in die Exposé-Arbeit von PERRY RHODAN eingeflossen sind ...)
Mittlerweile ist der Film erschienen und war weltweit erfolgreich. Zu Recht, wie ich finde. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand, der den Comic nicht kennt, alle Anspielungen und Details mitbekommt. Denn diese machen erst den besonderen Reiz der »Watchmen« aus. Umso besser, dass es den wohl besten Comic der 80er Jahre jetzt gleich in zwei hervorragenden Ausgaben bei Panini gibt.
Über den Inhalt will ich nicht so viele Worte verlieren; die Story der ursprünglich zwölf Hefte lässt sich kaum in wenigen Absätzen zusammenfassen. Ich empfehle die Lektüre des entsprechenden Wikipedia-Eintrages, die das ganze ordentlich erklärt. Nur so viel: »Watchmen« ist ein politischer Comic, der mit den Mitteln des Superhelden-Comics arbeitet und in einer fiktiven Parallelwelt spielt. In dieser haben sich Superhelden entwickelt, die seitdem auf allen Kontinenten die Geschicke der Menschheit beeinflussen. Damit verändern sich politische Ereignisse wie etwa der Vietnam-Krieg und anderes - was letztlich dazu führt, dass in der Handlung der »Watchmen« ein Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion bevorsteht und immer noch Richard Nixon an der Macht ist ...
Mit den »Watchmen« schuf der britische Comic-Künstler Alan Moore ein Werk, wie es davor noch nicht dagewesen war; er revolutionierte praktisch im Alleingang das Comic-Geschäft und machte auf einen Schlag die Superhelden »erwachsener«. Seine Weltsicht ist kritisch, und seine Figuren verhalten sich wie taumelnde Charaktere, wie zerrissene Menschen, die mit sich und der Welt nicht klar kommen.
Die Handlung seiner »Watchmen« ist von grundlegendem Pessimismus geprägt, sie ufert aus und spielt auf verschiedenen Ebenen: Fast jedes Bild liefert neben der eigentlichen Story noch weitere Elemente, die eine komplexe Alternativwelt ergeben, in der es eigenständige Comic-Helden ebenso gibt wie eine bizarre Jugendkultur oder Action-Figuren, die nach tatsächlich existierenden Superhelden gestaltet werden. All diese Dinge werden beispielsweise in der Verfilmung erwähnt, können aber schon aus Zeit- und Platzgründen nicht so präsentiert werden, wie es der Comic in seiner vielschichtigeren Erzählstruktur kann.
Die Zeichnungen finde ich nach über zwanzig Jahren noch klasse. Der gottähnliche Dr. Manhattan mit seiner ätherischen Gestalt oder der finstere Rorschach mit seinen Ängsten, ein faszinierendes Techno-Design aus einer parallelen Welt, ein permanentes Spiel mit Farben und Perspektiven - der Zeichner Dave Gibbons und der Farbkünstler John Higgins setzen Alan Moores Story in eine geniale Optik um.
Erschienen ist »Watchmen« im Frühjahr 2009 pünktlich zum Filmstart in einer neuen Ausgabe. Dabei haben die Kollegen bei Panini eine Paperback-Version für den »normalen« Kunden herausgebracht, dazu aber auch eine großformatige Hardcover-Edition für den echten Fan. Beide finde ich empfehlenswert, beide haben ihre Vorteile. Wer mich fragt: Die »Watchmen« dürfen in keinem Haushalt fehlen, und die Paperback-Ausgabe ist gewissermaßen Pflicht ...
Die Paperback-Ausgabe kostet 29,95 Euro, was für 436 Seiten im hervorragenden Vierfarbdruck nicht teuer ist. Neben den eigentlichen Geschichten sind diverse Titelbild-Versionen sowie erläuternde Texte enthalten. Mit der ISBN 978-3-86607-607-5 kann das Paperback überall im Comic-Fachhandel, im Buchhandel oder über Versender wie amazon.de bestellt werden.
Darüber hinaus gibt es eine unglaubliche Luxus-Version, die mit 75 Euro nicht gerade preiswert ist. Ich habe sie mir dennoch gekauft, weil ich von ihr komplett begeistert war: Die 468 Seiten kommen in größerem Druck und auf hervorragendem Papier noch besser zur Geltung, der Schutzumschlag und der Schuber machen das Werk zu einer bibliophilen Kostbarkeit. Dazu die Anhänge und zusätzlichen Grafiken - ein echtes Schmuckstück im Bücherregal!
Die »Absolute Edition« ist vor allem ein Geschenk für gute Freunde, denen man damit garantiert eine Freude machen kann. Die ISBN ist hier die 978-3-86607-816-1, und auch diesen Band erhält man überall im Fachhandel und über Versender.
Genug gejubelt, genug gelobt: Ich meine es ernst. Ich halte die »Watchmen« für Pflichtlektüre, und das nach über zwanzig Jahren.




