5. September 2008
Vom Abschied eines Comic-HeldenWenn es eine tragische Figur in den Weiten der Superhelden-Comics gibt, ist es wohl der »Silver Surfer«. Seit Jahrzehnten geistert er durch das Marvel-Universum, ein faszinierendes Wesen aus glitzerndem Metall, das auf einem silbern glänzenden Surfbrett durch den Raum zwischen den Sternen fliegt.
Für diejenigen, die nicht wissen, woher er stammt: Sein ursprünglicher Name war Norrin Radd, und unter diesem Namen lebte er auf dem fernen Planeten Zenn-La. Irgendwann kam der mächtige Galactus, ein sogenannter Weltenverschlinger, der sich gewissermaßen von Planeten und deren Bewohnern ernährt, nach Zenn-La. Und um seine Welt und seine geliebte Frau Shalla-Bal zu retten, opferte sich Norrin: Er wurde der Herold des Galactus, und er reiste seit diesem Tag als sein Diener durch die Galaxien und Sternhaufen - zuvor wurde er noch in den Silver Surfer verwandelt.
Selbstverständlich erreichte er irgendwann die Erde, wo er auf diverse Superhelden traf, darunter die Fantastischen Vier, und eine neue Heimat fand. Hier beginnt der Comic »Silver Surfer Requiem«, der die klassisch-tragische Figur von ihrer wohl melancholischsten Seite überhaupt zeigt: Der Silver Surfer stirbt nämlich, und um seine letzten Tage noch einmal zu zelebrieren, bricht er zu seiner allerletzten Reise auf ... Er besucht noch einmal seine Freunde auf der Erde, er schlichtet Frieden im Universum, und er erreicht zuletzt seine Heimatwelt, auf der vor vielen Jahren seine Odyssee begann.
In den USA erschien das ungewöhnliche Abenteuer als vierbändige Miniserie, in Deutschland kam sie jetzt als Hardcover-Album heraus, das ein etwas größeres Format als gewöhnliche Superhelden-Geschichten aufweist. »Silver Surfer Requiem« ist ein beeindruckendes Album für Freunde des anspruchsvollen amerikanischen Comics - und es wurde von zwei Ausnahmekönnern geschaffen.
Für die Texte zeichnet J. Michael Straczyinski verantwortlich, den die meisten wohl als Schöpfer der Fernsehserie »Babylon 5« kennen, der sich aber schon seit vielen Jahren im Comic-Geschäft bewegt. Unter anderem stammte die Serie »Midnight Nation« von ihm, darüber hinaus zahllose Geschichten um Spiderman und die Fantastischen Vier. Weniger bekannt ist Esad Ribic; der aus Kroatien stammende Künstler setzt seinen Silver Surfer in fantasievollen und zugleich traurigen Bildern in Szene. Vor allem die Illustrationen, die das silberne Wesen bei seinem Vorstoß in die Unendlichkeit des Alls zeigen, dürften jeden Science-Fiction-Fan begeistern.
»Silver Surfer Requiem« ist kein gewöhnlicher Superhelden-Comic, hat mich aber wegen seiner melancholischen Handlung und den künstlerisch ansprechenden Bildern begeistert. Der Silver Surfer, ohnehin der wohl am stärksten mit der Science Fiction verhaftete Charakter des Marvel-Universums, wird in diesem Buch so stark in Szene gesetzt, dass ich mir nicht einmal vorstellen kann, er könnte wirklich gestorben sein ...
Das Hardcover ist 96 Seiten stark und kostet 16,90 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-86607-618-1 kann das Buch in jeder Buchhandlung, im Comic-Fachhandel oder auch über Versender wie amazon.de bezogen werden.
Klaus N. Frick