2. September 2008
Superhelden und FremdplanetenÜber Alan Moore viel zu erzählen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Der 1953 in England geborene Comic-Autor gehört zu jenen Künstlern, die das Comic-Genre in den 80er Jahren buchstäblich revolutionierten; von ihm stammen unter anderem »V wie Vendetta« und die »Watchmen«. Grund genug, seinen neuesten Beitrag zum Superhelden-Genre genauer anzuschauen - Moore verfasste die Texte für die Reihe »WildC.A.T.S.«, von der jetzt im deutschsprachigen Raum ein erstes Paperback erschienen ist.
Die Reihe gehört zum »Wildstorm«-Universum, in dem es - ähnlich wie bei den bekannteren Verlagshäusern Marvel und DC - eine Vielzahl an Superhelden gibt. Diese schließen sich zu Teams zusammen, kämpfen gegenseitig und miteinander, haben unterschiedliche Beziehungen und sind in punkto Komplexität mit den Helden-Teams bei Marvel und DC vergleichbar.
Wer sich in diesem Universum nicht auskennt - das muss ich vorwegnehmen -, hat beim vorliegenden Paperback Verständnisschwierigkeiten. Unter dem Titel »Heimkehr nach Khera« werden nämlich sieben Hefte zusammengefasst, die aus einer laufenden Reihe entnommen wurden und zu allem Überfluss auf zwei Handlungsebenen laufen: In der einen Ebene geht es um den Kampf von Superhelden auf der Erde, um Drogenhandel und Verbrechersyndikate, in der anderen, der interessanteren, landen die von der Erde stammenden Superhelden auf dem Planeten Khera, wo sie mit düsteren Geheimnissen konfrontiert werden.
Die Geschichte ist komplex, sie wird von Alan Moore auch mit zahlreichen Hintergrund-Informationen angereichert. Die verschiedenen Figuren agieren von Anfang an eng miteinander, so eng allerdings, dass ich zeitweise nicht verstand, welche Details wie zusammengehören. Aus diesem Grund erspare ich mir eine Zusammenfassung: Politische Streitereien auf Khera, Intrigen zwischen den Völkern und persönliche Verwicklungen lassen das Geschehen sehr verworren wirken; ich brauchte eine Weile, bis ich in der Story drin war.
Grafisch kann sich das Paperback sehen lassen. Neue Zeichner, die hierzulande kaum bekannt sein dürften, zeigen hervorragende Superhelden-Action, die sich an den Vorbildern der 90er Jahre wie Jim Lee orientiert. Die Farbgebung ist angemessen: zwar bunt, aber nicht übertrieben. Vor allem die Fremheit des fernen Planeten Khera weiß zu überzeugen, die Krimi-Action auf der Erde fällt allerdings optisch hinter Reihen wie »Daredevil« oder »Batman« weit zurück.
Unterm Strich ist »WildC.A.T.S.: Heimkehr nach Khera« so nur dem hartgesottenen Superhelden-Fan zu empfehlen, der Spaß daran hat, mit einem Dutzend kostümierter Gestalten zu jonglieren.
Das Paperback umfasst 212 farbige Seiten und kostet 19,95 Euro. Erschienen ist es bei
Panini Comics, und man kann es im Comic-Fachhandel, bei diversen Versendern und direkt bei Panini beziehen.
Klaus N. Frick