1. September 2008
Sieht man von Underground-Comics ab, wie sie ab den 60er Jahren von rebellischen Jugendlichen produziert und gekauft wurden, wird das Comic-Geschehen »made in the USA« nach wie vor von Superhelden und ihren Ableitungen bewegt. So zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, die häufig weniger von Sachkenntnis als von Kinoprogrammen bestimmt wird: Wenn »Iron Man« und »Hulk« von Marvel und »Batman« von DC in die Schlacht an die Kinokassen ziehen, bleibt häufig wenig Augenmerk für die weniger bekannten Perlen übrig.
Deshalb gibt's auf der PERRY RHODAN-Homepage mal wieder eine Woche der Ami-Comics: Jeden Tag wird ein anderer Comic-Band vorgestellt. Schwerpunktmäßig geht's diesmal allerdings schon um Superhelden und deren Umfeld.
Dabei werden die Klassiker nicht ausgespart - wir stellen neues von »Batman« und »The Spirit« vor. Mit den »WildC.A.T.S.« und den »Thunderbolts« präsentieren wir zwei jüngere Superhelden-Teams, und mit dem »Silver Surfer« gibt's sogar fantasievolle Science Fiction.
Rückkehr eines Comic-KlassikersIch erinnere mich noch gut an die ersten »Spirit«-Comics, die mir in die Hände fielen: Das war anfangs der 80er Jahre, als ich mir nacheinander das Comic-Heft aus dem Nelson-Verlag und dann die ersten Alben kaufte, die bei Carlsen erschienen. Ich war begeistert von der Art und Weise, wie der Autor und Künstler Will Eisner seine Geschichten erzählte: Das war zwar ein Detektiv-Comic, in dem superhelden-artige Figuren auftauchten, aber gleichzeitig handelte es sich um Geschichten, die mehr mit »richtiger« Literatur zu tun hatten als mit den üblichen Superhelden-Comics.
Und ich verglich diese »Spirit«-Comics sofort mit »Ein Vertrag mit Gott«, dem Comic-Roman Will Eisners, der anfangs der 80er Jahre als Hardcover in deutscher Sprache erschien. Ich wurde ein Fan: »The Spirit«, ein Comic-Held aus den 40er Jahren, war eine derart zeitlose Figur, dass sie auch in den 80er Jahren noch funktionierte.
Der Comic-Künstler Will Eisner, eine der prägenden Figuren der gesamten Richtung, nach dem sogar der Eisner-Award als wichtigster Szenen-Preis benannt wurde, starb im Jahr 2005 im hohen Alter von 88 Jahren. Jetzt gibt es eine Neu-Interpretation seines bekanntesten Klassikers: »The Spirit« in einer Ausgabe des Illustrators Darwyn Cooke.
Wer nicht weiß, worum es beim »Spirit« geht, dem möge die Zusammenfassung dienen: Nach einem Anschlag stirbt der junge engagierte Polizist Denny Colt. Zumindest wird das behauptet - in Wirklichkeit wird ein leerer Sarg beerdigt, und Denny Colt macht als maskierter Detektiv namens Spirit weiter. Mit seinem blauen Anzug, seiner Krawatte, seinem Hut und seinen blauen Handschuhen wird er zu einem unbarmherzigen Gegner aller finsteren Kriminellen; sein luxuriös gestaltetes Versteckt erstreckt sich als unterirdisches Labyrinth auf dem Gelände eines Friedhofs.
Tatsächlich genügte diese Grund-Konstellation seit den 40er Jahren, um eine Reihe von Aufsehen erregenden Comic-Geschichten zu erzählen: Will Eisner schuf Stories, die in ihrer erzählenden Struktur recht skurril waren, und kombinierte das mit grafischer Eleganz, die ihresgleichen suchte. Eine Handvoll positiver Charaktere - darunter ein schwarzer Junge - und eine Reihe immer wieder auftauchender Bösewichte rundeten das Figurenkabinett ab, das immer mal wieder für die Stories ergänzt wurde.
Und genau darauf basiert die Neu-Interpretation des Comic-Klassikers. Darwyn Cooke, der 1962 im kanadischen Toronto geboren wurde, wurde in den letzten Jahren mit mehreren Comic-Preisen ausgezeichnet. Vor allem seine Neu-Interpretation der klassischen Figur Catwoman - weg von der drallen Verbrecherin, hin zu einer schnippischen Gaunerin mit Moral - brachte ihm zahlreiche Meriten ein.
Das überträgt sich sehr schön auf die neuen »The Spirit«-Abenteuer. Natürlich sind die Geschichten »neu«, die Cooke erzählt: So gibt es beispielsweise Computer und Mobiltelefone. Da Cooke aber in seinen Zeichnungen sehr nahe am Original bleibt, atmen seine Geschichten den »Geist der guten alten Zeit«, ohne die Neuzeit zu verleugnen.
Das bei Panini erschienene erste »The Spirit«-Paperback umfasst die ersten sechs Hefte, die von Cooke getextet und gezeichnet wurden. Die Stories sind in sich abgeschlossen, hängen aber durch die Figuren inhaltlich zusammen. Mal sind sie ironisch, mal düster; die sauberen Zeichnungen, die teilweise an Zeichentrickfilme erinnern, passen hervorragend dazu.
Ich fand das beeindruckend gut; ein Beleg dafür, wie schön sich Klassiker in die Gegenwart übertragen lassen, wenn die »neuen Leute« ihr Herzblut in das Projekt stecken. Das Paperback umfasst 148 Seiten, kam als Klappenbroschur auf den Markt und kostet 16,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-86607-598-4 kann es in jeder Buchhandlung, im Comic-Fachhandel oder direkt über Versender wie amazon.de bestellt werden.
Klaus N. Frick