7. August 2008
Die alten Herren des »Camel Club«Thriller-Fans mögen häufig komplizierte Verschwörungen, zumindest in literarischer Form. Das ist kein abwegiger Gedanke; die reale Politik der letzten zwanzig, dreißig Jahre bot schließlich genügend »echte« Verschwörungen, von denen einige auch bekannt geworden sind. Und wer sich geistig auf diverse Gedankenübungen eingelassen hat, die mit der Bin-Laden-Familie in jüngster Zeit oder den mittelamerikanischen Contra-Revolutionären der 80er Jahre zu tun haben, ist schnell überzeugt, dass Geheimdienste ständig irgendwelche Schweinereien ausbrüten.
Der amerikanische Thriller-Autor David Baldacci gehört zu jenen Schriftstellern, die auf der Klaviatur des Verschwörungs-Schreckens sehr erfolgreich spielen. Der Schriftsteller, seit einem Dutzend Jahren auf die Bestsellerlisten abonniert, legt mit »Die Wächter« erneut einen Roman vor, der eine heimtückische Intrige als Hintergrund hat. Allerdings bricht er mit den Klischees des Genres insofern, dass seine Helden ausgerechnet vier etwas wunderliche ältere Herren sind, die sich als Camel Club bezeichnen.
Der Verein, dem sie angehören, hat sich zur Aufgabe gestellt, das Geschehen in Washington, DC, genauestens zu beobachten, um Unheil von den Vereinigten Staaten abzuwehren. Längst leben die Angehörigen des Camel Clubs am Rand der Gesellschaft; ihr Anführer Oliver Stone gilt beispielsweise als obdachlos - und niemand weiß, dass er früher einmal ein unglaublich fähiger Soldat war. Mehr aus Zufall werden sie Zeugen eines Mordes, und bevor sie sich richtig orientieren können, werden sie in eine fiese Intrige hineingezogen, in der verschiedene Geheimdienste mitwirken.
»Die Wächter« ist ein spannender Thriller, der vor allem dann seine Stärken besitzt, wenn die Handlung aus der Sicht des Camel Clubs oder einer jungen FBI-Agentin erzählt wird. Wenn das Innenleben der Geheimdienste beschrieben wird, verfällt Baldacci leider gelegentlich in den Versuch, alles möglichst genau zu definieren und zu erläutern - das wiederum führt dazu, dass viel zu viele Personen in viel zu kurzer Zeit vorgestellt werden. Als Leser hat man's am Anfang hier durchaus schwer; man braucht ein gewisses Quantum an Aufmerksamkeit, um wirklich »dabeizubleiben«.
Als Verschwörungs-Roman funktioniert »Die Wächter« perfekt: Man ist als Leser auf der Höhe der Protagonisten, denen sich die Verwicklungen erst langsam offenbaren, und wird vor allem im letzten Drittel stark überrascht, wenn die wahre Motivation der Bösewichte klar wird. Ähnliche Ziele und Absichten kennt man als erfahrener Leser und Kinogänger zwar bereits, trotzdem wird der Countdown zum Schluss in diesem Roman sauber erzählt.
Mag sein, dass der Roman seine Schwächen hat - so kippt die Handlungsperspektive für meinen Geschmack zu oft, was bedeutet, dass der Autor seine Leser nicht ernst nimmt -, aber das macht er durch den Sog der Spannung wieder wett. Als Leser folgt man atemlos der Handlung und ihren Verwicklungen; ich langweilte mich nie und hatte stets das Gefühl, spannende Unterhaltung serviert zu bekommen. Wer auf diese Art von Thrillern steht, ist bei Baldaccis »Die Wächter« bestens bedient.
Wer sich übrigens im voraus ein wenig mit dem vom PERRY RHODAN-Teamautor
Uwe Anton übersetzten Buch beschäftigen will, kann sich ja mal die Leseprobe anschauen. Zu erreichen ist diese über die Homepage der
Verlagsgruppe Lübbe.
Es gibt zudem eine Hörbuch-Ausgabe zu diesem Roman, gelesen von Klaus-Dieter Klebsch. Sie kostet 19,95 Euro und kann mit Hilfe der ISBN 978-3-7857-3357-8 ebenfalls überall bestellt und gekauft werden. (Da ich sie nicht gehört habe, kann ich sie verständlicherweise nicht bewerten oder empfehlen.)
Klaus N. Frick