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Kurzinfo
 Tartufo
von Wolfgang Zdral
ISBN: 978-3-866-12131-7






5. August 2008

Klaus N. Frick empfiehlt:
Die Woche der Krimis-Tipps (Teil 2)

 
Wenn das Trüffelschwein ermittelt ...
Leonardo ist ein Trüffelschwein, eines jener Schweine, die stolz sind auf ihre Geschichte und die viel über ihre Vergangenheit wissen. Seit Jahren arbeitet Leonardo im Piemont, und weil er ein so erfolgreiches Schwein ist, darf er frei durch die Gegend stromern, ohne von jemandem gestoppt zu werden. Die meisten Menschen in der Gegend kennen ihn und mögen ihn auch.

Am meisten schätzt ihn der Trüffelsucher Matteo Gobetti, sein Chef gewissermaßen, mit dem er zusammenlebt: Leonardo findet die schönsten und besten Trüffeln, und dafür erhält er leckeres Essen - sogar dreigängige Menüs - und kann guten Rotwein trinken. Im Verlauf der Jahre hat Leonardo sogar gelernt, die Flaschen zu öffnen und so ohne Hilfe eines Menschen zu trinken.

Seiner Ansicht nach hätte sein Leben noch ewig so weitergehen können. Doch eines morgens findet man Matteo Gobetti tot auf. Während die Behörden glauben, er sei einfach nur im Suff gestürzt, kapiert Leonardo sehr schnell, dass Matteo ermordet wurde. Gegen seinen eigenen Willen muss das Trüffelschwein ermitteln, um den Mörder zu finden ...

Wolfgang Zdral ist Journalist und Krimi-Fan, und mit dem Trüffelschwein Leonardo lässt er einen ungewöhnlichen Ermittler auf seine Leser los. Mit »Tartufo«, so der erste Roman um Leonardo, konnte er bereits Zigtausende begeistern: Demnächst kommt der zweite Leonardo-Roman, und die Taschenbuch-Ausgabe von »Tartufo« ist bereits bei  Heyne in Vorbereitung.

Ich gestehe, dass bei oberflächlicher Betrachtung des Romans »Tartufo« ein Vergleich zu dem ungemein erfolgreichen Krimi »Glennkill« möglich ist, in dem eine Gruppe von Schafen den Mord an ihrem Schäfer aufklärt. Das allerdings wäre falsch: Wo »Glennkill« vor allem dadurch glänzt, weil die Schafe sehr eigensinnig geschildert werden und der Mord quasi nebenbei aufgeklärt wird, ist »Tartufo« ein waschechter Krimi, allerdings mit einem Ermittler der besonderen Art. Leonardo zieht klare Schlüsse aus Hinweisen, die er findet, und er schreckt nicht davor zurück, andere Haus- und sogar Wildschweine für seine Ermittlungen einzusetzen.

Der Autor schildert seinen »schweinischen« Detektiv vergleichsweise glaubhaft: Hat man einmal die Sachlage geschluckt, dass Schweine seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden die menschliche Geschichte steuern, läuft der Roman in sich schlüssig ab. Mit feinsinniger Ironie steuert Zdral durch die Handlung, immer wieder kam ich bei der Lektüre ins Schmunzeln. Ganz nebenbei wird ein wenig italienische Lebenskultur vermittelt, geht es um leckeres Essen und feine Weine.

Zdral schildert seine Schweine durchaus vielseitig. In diesem Roman sind sie nicht vergleichbar mit den harmlosen Tieren, als die wir sie kennen. Leonardo und seine Freunde können durchaus rachsüchtig und gemein sein, und sie schrecken nicht vor Angriffen auf Menschen zurück - ohne Rücksicht auf Leben und Tod ihrer Gegner, versteht sich.

Der Stil des Autors ist vielschichtig und abwechslungsreich; da für Trüffelschweine der Geruchssinn sehr wichtig ist, werden Düfte in diesem Roman ausschweifend und farbig geschildert. Das ist charmant und macht gleich doppelt Spaß - das Trüffelschwein Leonardo entpuppt sich als einer der wirklich sympathischen Krimi-Helden des Jahres.

Das Buch umfasst 350 Seiten und ist als Hardcover im  Pendo-Verlag erschienen; es kostet 16,90 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-86612-131-7 kann es in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso über Versender wie amazon.de.

 Klaus N. Frick