4. August 2008
Krimis sind die derzeit beliebteste Literaturgattung im deutschsprachigen Raum. Zumindest behaupten das immer wieder einschlägige Umfragen. Grund genug, dieses Genre auch mal wieder auf der PERRY RHODAN-Homepage ein wenig zu beleuchten - und zwar in dieser Woche. Wieder mal gibt es nämlich eine »Woche der Krimi-Tipps«.
Jeden Tag stellen wir euch einen Roman vor, der originell und spannend ist und der auch einen Science-Fiction-Fan interessieren dürfte. Dabei geht es quer durch den Krimi-Gemüsegarten: Es gibt einen französischen Comic-Krimi ebenso wie einen Schweine-Krimi, einen düsteren Serienkiller-Krimi und einen Verschwörungsroman, von der Renaissance eines Klassikers ganz zu schweigen.
Renaissance eines Krimi-Klassikers
Anthony Quinn ist Staatsanwalt, ein erbitterter Kämpfer gegen das Unrecht, das weite Teile der amerikanischen Metropole Chicago in den frühen fünfziger Jahren in seinem Griff hält. Nach einem Attentat erblindet, kann er bei manchem Fall nicht frei ermitteln und benötigt die Hilfe seines Assistenten Silk Kirby sowie weiterer Helfer.
Was niemand weiß: Nachts verkleidet sich Quinn und geht in Maske auf spezielle Erkundungen. Dann ist der Blinde die »Schwarze Fledermaus«, ein unheimlicher Verbrecherjäger, der zu anderen Mitteln greifen kann als ein Staatsdiener. Seine Gegner sind Verbrecher, auf seine Fährte setzt sich allerdings Inspektor McGrath von der Kriminalpolizei der Stadt, der schon immer einmal die Fledermaus ins Gefängnis stecken möchte.
Das war der Ausgangspunkt für die Heftromane um
»Die Schwarze Fledermaus«, die in den 60er und 70er Jahre, erschienen und damals zu den beliebtesten Serienprodukten der deutschsprachigen Roman-Produktion gehörten. Verlegt wurden die Romane vom Erich Pabel Verlag in Rastatt (der später im
Pabel-Moewig Verlag aufging). Anfangs druckte der Verlag die ersten 60 »Fledermaus«-Romane nach, die damals aus den USA übersetzt wurden, später schrieben zahlreiche deutschsprachige Autoren für die Serie.
Mit »Blutgeld« liegt jetzt der erste Roman der neuen Serie vor, erschienen in einer schicken Paperback-Version im kleinen, aber sehr agilen
Blitz-Verlag. Die deutsche Krimi-Autorin Angelika Schröder steckt hinter dem Pseudonym A.S. Jones, das sich - wie die Covergestaltung und der gesamte Roman - an die klassischen Romane der 60er Jahre annähert. Und wer daran Spaß hat, wird sich bei »Blutgeld« gut unterhalten.
Der Roman beginnt mit dem Tod eines reichen Industriellen, enmtwickelt dann aber eine recht komplexe Handlung: Es geht um seltsame Farbdosen, eine ebenfalls seltsame Druckerei und Zusammenhänge, die bis nach Europa reichen. Die »Schwarze Fledermaus« kommt hinter ein Komplott, dessen Auswirkungen sich nicht auf Chicago allein beschränken.
Die Annäherung der Autorin an den Stil der sechziger Jahre ist gelungen, die Handlung des Romans passt ebenfalls. Kämpfe werden mit Fäusten ausgetragen, und die anachronistische Verkleidung des blinden Staatsanwalts - bei dem ich stets an den Comic-Helden »Daredevil« denken muss -, der nachts über Zäune klettert und durch Häuser schleicht, könnte man heutigen Lesern nicht mehr ernsthaft vermitteln. In »Blutgeld« gehört das ebenso dazu wie der eine oder andere Streich, den Quinn und seine Helfer dem korrekten Inspektor spielen.
Gelegentlich holpert der Roman - das sind dann die Momente, in denen ich zu merken glaube, dass sich die Krimis insgesamt in den letzten dreißig Jahren weiter entwickelt haben. Der »heftromanige« Stil der sechziger Jahre wurde astrein getroffen und mit leichter Modernisierung in die heutige Zeit transportiert - sehr schön.
»A.S. Jones« liefert gelungene Unterhaltung für Nostalgiker und Freunde des gepflegten altmodischen Krimis. Das schön gestaltete Paperback, das 160 Seiten stark ist, kostet 9,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-89840-484-6 kann der Roman überall im Buchhandel bestellt werden, natürlich ebenso über Versender wie amazon.de oder über den Verlag selbst.
Klaus N. Frick