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Kurzinfo
 »Die Tore zu Anubis Reich«
von Tim Powers
ISBN: 978-3492291675






29. Juli 2008

Klaus N. Frick empfiehlt:
Zeitreise, Magier und Verschwörungen

 
Es ist einer der fantasievollsten Genre-Romane der letzten dreißig Jahre, eine der besten Zeitreise-Geschichten überhaupt und eine wundervolle Vermischung von Science Fiction, Fantasy und historischem Roman: Ich meine »Die Tore zu Anubis Reich«, das meisterhafte Werk des Amerikaners Tim Powers, erstmals 1983 erschienen und unlängst beim Piper-Verlag als Taschenbuch erneut publiziert. Wer das Buch kennt, liebt es meist - und ich möchte es allen Menschen ans Herz legen, die eine Freude an originellen Ideen und Wendungen haben.

Der Held der Handlung ist ein Literatur-Professor namens Brendan Doyle, der im Jahr 1983 tatsächlich zu einer Zeitreise eingeladen wird. Es soll in das London des Jahres 1810 überwechseln, um dort an einem Vortrag des Dichters Samuel Taylor Coleridge teilzunehmen. Selbstverständlich folgt Doyle nach einigen Überlegungen diesem Vorschlag, er kommt auch in die britische Metropole, in jener Zeit ein riesiger Moloch, und von dort an geht so ziemlich alles schief.

Doyle strandet in der Vergangenheit, wo er es ziemlich schnell hintereinander mit einer Diebesgilde, rachsüchtigen Zigeunern, den Intrigen eines ägyptischen Zauberers und einem Werwolf zu tun bekommt. In den Gassen von London stellt der Wissenschaftler vor allem fest, dass vieles in der Vergangenheit gar nicht so ist, wie er es sich bislang vorgestellt hat - unter anderem, dass im Jahr 1810 tatsächlich noch Magie wirkt ...

Die kurze Inhaltsangabe gibt nur ansatzweise wieder, was auf den 572 Seiten des Romans abläuft: Hektische Verfolgungsjagden wechseln sich mit irrwitzigen Dialogen ab, finstere Zauberei spielt ebenso eine Rolle wie literarische Diskussionen, es gibt sogar einen Wechsel von einem Körper in den anderen und zahlreiche weitere Effekte, die der fantasiebegabte Tim Powers in seinen Roman hineinwirbelt.

Als Leser verfolgt man mit großen Augen und einem ständigen Anflug von Staunen der Handlung, die der Autor vor einem ausbreitet; langweilig wurde es zumindest mir niemals. Vor allem bleibt das Interesse deshalb andauernd erhalten, weil der Autor eine Überraschung nach der anderen aus dem imaginären Hut zaubert. Um Genre-Grenzen schert er sich nicht: Was wie eine altertümliche Science-Fiction-Geschichte beginnt, entwickelt sich zum historischen Roman mit Fantasy-Charakter, um irgendwann zu einer Abfolge gruseliger Handlungen zu folgen, dank der man »Die Tore zu Anubis Reich« sogar in die Horror-Ecke packen könnte.

Powers schildert die düsteren Abgründe der britischen Metropole glaubhaft; man vermeint, den Moder zu riechen und die Kloaken fließen zu sehen. Kutschen rollen über nächtliches Kopfsteinpflaster, Bettler hausen in unterirdischen Schlössern, und ein seltsames Wesen treibt seinen schrecklichen Schabernack mit den Körpern von Menschen - ein Sammelsurium an Schrecken und Szenen, das mich begeisterte.

»Die Tore zu Anubis Reich« ist als Taschenbuch im  Piper-Verlag erschienen. Es umfasst 572 Seiten und kostet 8,95 Euro. Mit der ISBN 978-3-49229167-5 kann es in jeder Buchhandlung bestellt werden, selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de.

 Klaus N. Frick