24. Juli 2008
150 Jahre vor den legendären Abenteuern der Enterprise NCC-1701, steckt die Raumfahrt noch in den Kinderschuhen. Der Warp-Antrieb wurde gerade erst entdeckt ...
Vordergründig erzählt »Star Trek Enterprise« den Aufbruch der Menschheit in den Weltraum und beleuchtet die Pionierzeit der ersten Weltraumabenteuer, noch vor der Gründung der »Vereinigten Föderation der Planeten«. Damit knüpft die Handlungsebene am bislang besten Star-Trek-Film »Der erste Kontakt« an: 90 Jahre, nachdem der Wissenschaftler Zrafran Cochrans den ersten Warpflug der Menschheit absolvierte, startet die Enterprise NX10 unter dem Kommando von Captain Jonathan Archer ihre erste Mission in die unendlichen Weiten des Weltraums. Im Mittelpunkt der ersten Episoden steht das schwierige Verhältnis der Menschen zu den Vulkaniern, denen sie zwar den großen Fortschritt zu verdanken haben, von denen sie aber als noch nicht reif genug für die Eroberung des Weltraums betrachtet werden. Nachdem der Zwist beigelegt ist, gilt es für die Crew der NX10, neue Planeten zu erkunden und fremde Völker kennen zu lernen. Dabei steht, wie für »Star Trek« typisch, nicht die Action im Vordergrund, sondern die Interaktion mit den außerirdischen Völkern. Keine Borg, keine Remulaner, dafür aber die ersten Begegnungen mit Klingonen und Ferenghis.
Zunächst einmal werden »Star Trek«-Fans sich aufgrund der Low-Tech-Ausstattung »ihrer« Enterprise wie vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Optik des Schiffs hat von innen und außen die Anmut eines Atom-U-Boots. Dieses Bild setzt sich in der Kleidung fort: Anstelle von schmucken, enganliegenden Uniformen trägt die Crew dunkelblaue, recht unspektakuläre Overalls, wie sie auch das Mechaniker-Team der hiesigen Werkstatt tragen könnte.
Doch genau diese zurückhaltende Optik macht den unverwechselbaren Charme der neuen, alten Enterprise aus. Jede Minute riecht nach Pioniersstimmung und Neuanfang. Ebenfalls erfrischend anders: An Bord der Enterprise befinden sich nur zwei Außerirdische; die sexy Vulkanierin T’Pole als Sub-Commander und Schiffsarzt Phlox, der ein Denobulaner ist. So gibt die Serie reichlich Raum, eben diese beiden fremden Kulturen genau zu beleuchten.
Fazit
Eigentlich ist es absolut unverständlich, warum diese Serie derart schlechten Einschaltquoten erhielt und bereits nach vier Staffeln ein jähes Ende fand. Ein echter Tiefschlag, denn selbst die ungeliebte »Star Trek Voyager« hat es auf sieben Staffeln geschafft. Vom TV-Misserfolg einmal abgesehen, ist Enterprise thematisch für jeden Fan einfach nur hochinteressant, da die Serie völlig neue Facetten des »Star Trek«-Universums zeigt und so manche Ungereimtheit der vorherigen Serien aufklärt. Vielleicht lag der Misserfolg auch einfach daran, dass aus dem Thema nach den kurz aufeinander folgenden Auskopplungen »Deep Space Nine« und »Voyager« die Luft raus war.
Die komplette Staffel ist ab 55 Euro erhältlich. Nicht gerade günstig, zumindest aber hat man nicht an der Zusatzausstattung gespart und der Box ordentliche Features spendiert. Herausgeschnittene Szenen, Interviews, Produzenten-Kommentare sowie viele Bildergalerien und Risszeichnungen sind nur einige der vielen Goodies.
Alle Staffeln gibt es nun übrigens auch als halbe Editionen zum Vorzugspreis von 25 Euro. Allerdings enthalten diese Boxen kein Bonusmaterial oder sonstige Extras. Wer bereits die Komplettstaffeln sein Eigen nennt, braucht hier nicht mehr zugreifen. Interessant sind diese halbierten Boxen also vorrangig für Einstieger, die erst einmal antesten wollen, ob sie mit der neuen »alten« Enterprise überhaupt klarkommen.
Björn Berenz