27. Juni 2008
Vampire liegen im Trend: Niemand überblickt die Zahl der Vampir-Romane, die im Jahr 2008 in den Buchhandlungen stehen, es müssen mehrere Dutzend sein. Sie finden sich sogar auf den Bestsellerlisten wieder - dann vor allem, wenn die Blutsauger als romantische Figuren dargestellt werden, wenn es eine traurig-schaurig-schöne Liebesgeschichte gibt und wenn die Handlung eher in seichten Gewässern bleibt.
»Der letzte Vampir« von David Wellington ist völlig anders: Trotz des schlecht gewählten Titels handelt es sich um einen knallharten Roman: ein Thriller, der nicht an Blut und Grausamkeiten spart. Wellington, ein junger amerikanischer Autor, greift zwar die gängigen Vampir-Vorbilder auf, packt aber seine Handlung voll mit Action und derben Szenen.
Doch erst mal der Reihe nach: In Pennsylvania sind - zumindest in Wellingtons Roman - Vampire durchaus ein Begriff; man weiß, dass sie existieren, aber man geht davon aus, dass in den 80er Jahren die letzten vernichtet wurden. Jameson Arkeley, als Special Deputy ein gnadenloser Vampirjäger, weiß aber, dass es Überlebende gibt und dass man diese erbarmungslos bekämpfen muss.
Nichts von alledem ahnt Laura Caxton, eine junge Polizistin, die bei einer Kontrolle auf einen Wagen mit drei Leichen stößt. Es handelt sich um die Opfer von Vampiren und ihrer Helfer, der Untoten - und prompt wird Caxton in einen Strudel aus Gewalt und Chaos hineingezogen. Gegen ihren Willen wird sie zur Assistentin des Special Deputys, kämpft gegen monströse Zombie-Wesen und praktisch nicht zu tötende Vampire - und sie stellt fest, wie sie selbst sich verändert, wie ihre Sicht auf die Welt eine andere wird.
David Wellington, der seine Romane ganz modern zuerst in
seinem Blog verfasst, bevor er sie in überarbeiteter Form als Buch publiziert, geht in »Der letzte Vampir« richtig derb zur Sache. Weder an Blut noch an Innereien wird gespart; wer unter Vampir-Romanen die üblichen Liebesgeschichten versteht, wird hier komplett verstört, und auch die Freunde des subtilen Horrors kommen nicht auf ihre Kosten.
Der junge Schriftsteller greift den Vampir-Mythos auf und wandelt ihn auf seine Art. Das kann man schlimm finden, aber es hat eine innere Logik: Um zu überleben, müssen Vampire menschliches Blut zu sich nehmen; um menschliche Körper aussaugen zu können, benutzen sie untote Wesen, die für sie auf Jagd gehen. Es wird nicht dezent an der Halsschlagader gesaugt, sondern buchstäblich der Hals zerrissen; kein Wunder, dass der Roman einer der blutigsten ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Das Buch ist absolut rasant geschrieben: Die Kapitel sind kurz, die Handlung wird in flottem Tempo erzählt. Auf überflüssige Sequenzen verzichtet Wellington, trotzdem schildert er seine Charaktere lebensecht und mit einem nachvollziehbaren Gefühlsleben. Da aus der Sicht einer jungen Frau erzählt wird (die übrigens lesbisch ist; nicht unbedingt üblich für fantastische Literatur aus den USA) und der Autor diese Perspektive klar durchzieht, wird die Handlung noch packender und unmittelbarer.
Mittlerweile ist der zweite Roman erschienen; die Sache läuft auf eine Fortsetzung hinaus. Für Menschen, die gern auch mal was heftiges lesen, ein packendes »Futter«, aber definitiv nichts für empfindliche Gemüter. Ich habe mich bestens unterhalten; David Wellington hat meine Erwartungen absolut erfüllt.
»Der letzte Vampir« ist als Taschenbuch im
Piper-Verlag erschienen, umfasst 380 Seiten und kostet 8,95 Euro. Mit der ISBN 978-3-49226643-7 kann das Buch in jeder Buchhandlung oder auch bei Versendern wie amazon.de bestellt werden.
Klaus N. Frick