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Kurzinfo
 Schlangenmoos
von Kurd Laßwitz
ISBN: 978-3-940679-13-0






11. Juni 2008

Klaus N. Frick empfiehlt:
Klassisch-phantastische Novelle

 
Den meisten Lesern ist Kurd Laßwitz heutzutage nur - wenn überhaupt - durch seinen Roman »Auf zwei Planeten« bekannt, der 1897 erstmals erschien und der ihm in der Geschichtsschreibung den Beinamen »Vater der deutschen Science Fiction« eingebracht hat.
Nach dem Schriftsteller, der 1848 geboren wurde und 1910 verstarb, ist auch der Kurd-Laßwitz-Preis benannt, der wohl renommierteste Preis, den es im deutschsprachigen Raum für Science Fiction gibt. Der kleine Verlag Dieter von Reeken hat sich die Aufgabe gestellt, das Werk des Schriftstellers in insgesamt zwanzig Bänden zu publizieren, nicht nur seine Geschichten und Gedichte, sondern ebenso seine wissenschaftlichen und philosophischen Texte.

Als erster Band erschien jetzt »Schlangenmoos«, eine Novelle, die erstmals im Jahr 1884 unter dem Autoren-Pseudonym L. Velatus gedruckt wurde. Sie zeigt, wie Laßwitz in dieser Zeit eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines deutschen Gebirges mit allerlei phantastischen Elementen verband.

Die Handlung der Novelle spielt im Riesengebirge, der Heimat des legendären Rübezahl, der immer mal wieder auftaucht. Zwei junge Frauen, die Wissenschaftlerin Lilly Warlin und ein naiv wirkendes Mädchen namens Röschen, haben sich in einer Urlaubsgemeinde des Riesengebirges zusammengetan. Sie stromern durch den Wald, auf der Suche unter anderem nach dem legendären Schlangenmoos, einer speziellen Pflanzenart, und treffen irgendwann auf zwei junge Männer - es entwickelt sich eine Liebesgeschichte voller Verwicklungen, die natürlich irgendwann mit einem doppelten Happy-End ihren Höhepunkt und Abschluss findet.

Es findet ein ständiges Verwirrspiel statt, das dem heutigen Leser, an zahllosen Thrillern geschult, keinerlei Probleme bereitet, das aber im 19. Jahrhundert sicher als originell galt: Menschen treten unter verschiedenen Namen auf, und alle haben Beziehungen zueinander, die bis in die Vergangenheit reichen. Kein Wunder, dass es die Liebe in solchen Zeiten schwer hat, an ihr Ziel zu kommen - aber hier helfen nötigenfalls kleine Elfen oder eben auch Rübezahl nach ...

Ich bin beileibe kein Experte für die Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Vergleiche ich aber diese Laßwitz-Novelle mit meinen Erinnerungen an früher gelesene Karl-May-Romane, kommen mir die weiblichen Figuren zwar teilweise sehr schwärmerisch, aber unterm Strich doch recht emanzipiert vor. So ist die junge Lilly Warlin nicht nur eine wunderhübsche Frau, sondern eben auch eine studierte Dame mit dem Titel eines Doktors, was die anderen Personen der Novelle nicht nur einmal verwundert.

Natürlich konnte sich ein Kurd Laßwitz nicht aus den Zwängen seiner Zeit befreien, was dazu führt, dass ein klares, patriarchales Verhältnis zwischen Männern und Frauen vorherrscht. Seine Lilly Warlin bricht immerhin aus, und es wäre spannend zu erfahren, wie Laßwitz ihr Zusammenleben mit ihrem vorherigen wissenschaftlichen Konkurrenten geschildert hätte: Wären die beiden gemeinsam am Mikroskop gestanden, oder hätte sie sich um Kinder, Küche und Kirche kümmern müssen?

Seien wir fair: »Schlangenmoos« ist unter heutigen Gesichtspunkten keine Novelle, die man haben muss. Ich habe mich gut unterhalten, weil sie nicht nur die Welt des 19. Jahrhunderts mit all ihren damaligen Klischees zeigt, sondern auch vor Augen führt, wie Kurd Laßwitz schon damals verschiedene Handlungselemente in seine Romane integrierte. Wer sich für den Autor und sein Werk interessiert oder wer eine Schwäche für klassisch-deutsche Phantastik hat, wird an diesem Buch auf jeden Fall seine Freude haben.

Erschienen ist »Schlangenmoos« als schickes Hardcover mit Lesebändchen. Das Buch umfasst 170 Seiten; enthalten sind neben der Novelle noch drei Reproduktionen sowie ein sachkundiges Vorwort. Der Preis von 20 Euro mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, ist aber der kleinen Auflage geschuldet. Mit Hilfe der ISBN 978-3-940679-13-0 kann das Buch in jeder Buchhandlung bestellt werden, selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de oder direkt beim  Verlag selbst.

 Klaus N. Frick