30. Mai 2008
Mit Musik halte ich es wie mit der tägliche Nahrungsaufnahme: Ich weiß, was mir schmeckt, doch lasse ich mich genauso gerne von etwas neuem überraschen. Die CD »Topp Cosmos« hat dies auf Anhieb geschafft und mir ein Gefühl der positiven Fremdartigkeit vermitteln können. (Für eine Kostprobe einfach die
My-Space-Seite des Künstlers aufrufen.)
Vom Abspielen an wurde ich in eine fremde Welt gesogen. Bereits das Intro »Sphere« wird seinem Titel mehr als gerecht: atmosphärisch, ruhig und doch verrückt. Am Ende des Openers erteilte mir die blecherne Stimme eines Roboters die Abfluggenehmigung gen Unendlichkeit.
Wer sich die
Homepage des Künstlers ansieht, stolpert über Rezensionen, die wie folgt lauten:
»Der Weltraum-Keyboarder verbindet elektronische Soundscapes mit groovendem Space-Bombast, wechselt vom P-Funk angehauchten 70er/80er-Jahre-SciFi-Beat zu cineastischen Klang-Eskapaden, verzaubert mit kosmischen Harmonien und freakigem Atmo-Pop, und landet zur Meditation zuweilen gerne mal da, wo man es nicht vermutet hätte.«
Okay, ich gebe offen zu, das habe ich zuerst auch nicht verstanden. Allerdings waren es Tracks wie »Planet Ape« oder »Lost in the Cosmos«, die trotz unterschiedlicher Themen einen roten Faden der Atmosphäre abspulten. So schnell und abwechslungsreich die einzelnen Stücke auch waren, genauso fließend schnell war die CD bereits zu Ende. Und das bei normalem Umfang. Der Clou war: je öfter ich die CD anhörte, desto mehr Gefallen fand ich an den einzelnen Tracks, und das, ohne mich an einer Stelle zu langweilen. Ich freute mich über jedes »Wiedersehen« mit einem Stück: Jetzt verstand ich auch den obigen Text.
Komponist »MaEasy« betitelt seine musikalischen Schöpfungen nicht zu unrecht als »Music from Outer Space«. Ein Prädikat, welches diese CD uneingeschränkt verdient. So hatte ich das Gefühl, dass der Komponist während seiner kreativen Schaffensphase eben genau in diesem »Outer Space« zugegen war. Eine skurrile Scheibe, die mich oft dazu verleitete, im Takt mitzuwippen oder gedankenverloren auf den Tisch zu trommeln. Wenn mir eines bei »Topp Cosmos« aufgefallen ist, dann, dass die Liebe zur Musik und zur Umgebung der Science Fiction ein zentraler Punkt für die Kompositionen von »MaEasy« ist:
»Das Rhodan-Universum ist wohl mit die größte kollektive SciFi-Welt und wirkt auf mich und meine Arbeit sehr inspirierend. Angefangen hat es, als 1984 die Europa-Hörspiel-Serie rauskam. Da war ich gerade 13 Jahre alt und schon absolut ›Krieg der Sterne‹ infiziert. Es folgten der eine oder andere Silberband, obwohl ich gestehen muss, dass ich ein kleiner Lesemuffel bin. Als riesiger Hörspiel-Freak bin ich aber froh, dass das Rhodan-Universum so gut versorgt wird.«
Bei »Topp Cosmos« handelt es sich um ein Album des Elektro-Labels Mellowjet-Records. Dessen Verlagsleiter, Bernd Scholl, sollte zumindest einigen Rhodanisten ein Begriff sein. So war er kürzlich an »Spyce - A Space Trip through the Universe« beteiligt und mit der Band »moonbooter« selbst lange Zeit im elektronischen Musikgenre unterwegs.
»Topp Cosmos« von »MaEasy« ist sowohl auf der
Homepage des Künstlers wie auch auf der des Labels
Mellowjet-Records zu erstehen. Ideal für jeden, der parallel zum Lesen seines PERRY RHODAN- oder Science-Fiction-Romans gerne Musik hört. Selbst mich, der sich zumindest theoretisch anderer Musik verschrieben hat, fesselte das Album durchweg. Für die Anhänger elektronischer Musik gibt es meiner Meinung nach gar kein Vorbeikommen an diesem Album.
Benjamin Golling