Hauptseite

Aktuell Produkte Information Kommunikation Unterhaltung

Kurzinfo
 »Fables - 1001 schneeweiße Nächte«
von Bill Willingham; Zeichner: diverse
ISBN: 9783866075481






7. Mai 2008

Klaus N. Frick empfiehlt:
Die Woche der Ami-Comics (Teil 3)

 
Will man streng nach Schablonen vorgehen, hat sich der Comic-Markt in drei Formate aufgegliedert: das Album (und sein Ableger, das großformatige Hardcover), das amerikanische Format (deutlich kleiner, als Heft und als Paperback) und das Taschenbuch (meist Mangas und artverwandte Produkte).

Der klassische Science-Fiction- und Fantasy-Leser greift nach wie vor nach Alben, sowohl in der Soft- als auch in der Hardcover-Form. Die schon seit Jahrzehnten aktiven Verlage  Carlsen und  Ehapa steuern einen großen Teil zu diesem Markt bei, in den letzten 15 Monaten kam noch der  Splitter-Verlag mit seinen herausragenden Comic-Produktionen hinzu.

Selbstverständlich gibt es im Manga-Bereich genügend »fantastische Stoffe«, die teilweise sehr gut umgesetzt werden. Ich gestehe, mich damit nicht auszukennen, weshalb ich diesen Bereich eher links liegen lasse.

Anders ist es mit den Comics im amerikanischen Format. In den 80er Jahren wurden diese Comics noch auf die in Mitteleuropa üblichen Formate umgebaut, also entweder aufs Album-Format »aufgeblasen« oder auf Taschenbuch-Größe reduziert; in den 90er Jahren brachten Importeure die amerikanischen Original-Hefte endlich zu brauchbaren Preisen auf den Markt, und gegen Ende des Jahrzehnts hatten wir eine wahre Schwemme an Superhelden-Heften für den deutschen Markt.

Das ist seit einiger Zeit vorüber, doch nach wie vor erscheinen hochklassige Comics im deutschsprachigen Raum, die aus dem Amerikanischen übersetzt wurden. Und in dieser Woche präsentieren wir jeden Tag einen anderen Ami-Comic, den wir euch ans Herz legen wollen!

Ins Reich der Märchenwesen

Seit einigen Jahren gehört »Fables« zu den beliebtesten amerikanischen Serien-Comics abseits der Superhelden; mittlerweile erscheint bei  Panini die deutschsprachige Ausgabe des erfolgreichen Fantasy-Stoffes. Nach Texten von Bill Willingham geht es in »Fables« um die Erlebnisse von Fabelwesen, die so hübsche Namen wie Snow White, Bigby Wolf, Rose Red oder Prince Charming tragen; hierzulande dürfte man sie unter anderem als Schneewittchen und Rosenrot kennen.

Der Band »1001 schneeweiße Nächte« ist außerhalb der laufenden Reihe angesiedelt und für jedermann verständlich. In elf Geschichten, die quasi vor der aktuellen Handlung spielen, erzählen elf verschiedene Künstler ihre Stories, die sie nach Texten von  Bill Willingham sehr frei gestalten. Die Rahmenhandlung orientiert sich, wie der Titel schon nahelegt, an Scheherazade und ihren Märchen von tausendundeiner Nacht, mit der die Tochter des Wesirs der Sage nach verhinderte, dass sie vom Sultan geköpft wurde.

Im vorliegenden Comic-Band, der ausgesprochen schön gestaltet wurde - Klappcover inklusive! -, ist es Snow White, die sich ihr Leben dadurch verdient, dass sie Geschichten zum besten gibt. So plaudert sie über ihre Jugend und den großen Krieg der Kobold-Armeen gegen die friedfertigen Fabelwesen. Sie erzählt vom Prince Charming und der bösen Hexe (diejenige, die an Hänsel und Gretel scheiterte), vom schlauen Fuchs Reinecke (der hier Reynard heißt, weil Comic-Übersetzer offensichtlich nicht danach gucken, wie welche Figuren in der deutschsprachigen Tradition heißen), oder vom verzauberten Prinzen, der zu einem Frosch wurde.

Die Geschichten entstammen den bekannten Märchen und Fabeln, sind allerdings nicht unbedingt kindgerecht. Mord und Totschlag, Grausamkeiten und Vergewaltigung werden ebenso thematisiert wie Liebe und Verrat - wie in den klassischen Märchen aber auch. Das allerdings ist für manchen Leser sicher nicht so spannend: Man weiß bei den Märchen schließlich meist, wie sie enden, so dass die Geschichten in diesem Comic-Band kaum mit Überraschungen aufwarten.

Künstlerisch sind sie durchgehend gelungen. Mal sind die Zeichnungen realistisch, mal benutzen die Künstler einen eher verzerrenden oder funny-haften Stil. Das sorgt für große Abwechslung und macht auf einige neue amerikanische Zeichner neugierig. Kein Wunder, dass der Band beim Erscheinen in den USA gleich fünf Eisner-Awards, also fünfmal den beliebtesten amerikanischen Comic-Preis, einheimsen konnte.

Wer die Serie »Fables« kennt, muss dieses Paperback kaufen. Wer die Serie noch nicht kennt, erhält hiermit einen gelungenen Einblick. Das Paperback hat 148 Seiten und kostet 16,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-86607-548-1 kann es über den Buchhandel oder über Versender wie amazon.de bestellt werden; noch besser ist sicher, es sich vorher im guten Comic-Fachhandel anzuschauen.

 Klaus N. Frick