3. April 2008
Wieder einmal bieten wir auf der PERRY RHODAN-Homepage eine Woche der Krimi-Tipps an - das heißt, dass wir Euch jeden Tag einen Roman vorstellen, der originell und spannend ist und der auch einen Science-Fiction-Fan interessieren dürfte. Dabei ist die Vielfalt groß: Vom italienisch-literarischen Autor Camilleri über einen Jugend-Krimi und einen Thriller reicht die Runde diesmal bis hin zu einem Krimi, der in Amsterdam spielt, und zu einem Regionalkrimi mit Phantastik-Touch. Wir versprechen: Das lohnt sich!
Zerrissen in AmsterdamFür viele Menschen in Deutschland ist Amsterdam eine Stadt in direkter Nachbarschaft, die man gern für einen kurzen Ausflug am Wochenende besucht. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ein deutschsprachiger Autor seinen Kriminalroman in der holländischen Metropole ansiedelt. Der Rede ist von Claus Cornelius Fischer, der seit 30 Jahren als freier Schriftsteller, Drehbuchautor und Übersetzer arbeitet; nach zahlreichen Krimi-Drehbüchern unter anderem für den »Tatort« ist es nur nachvollziehbar, dass er sich auch im literarischen Krimi-Bereich betätigt.
Sein erster Krimi trägt den poetischen Titel »Und vergib uns unsere Schuld«, der erste Fall des holländischen Commissaris Van Leeuwen. Von Leeuwen ist ein moderner Ermittler: Seine privaten Probleme machen ihm massiv zu schaffen, seine Frau Simone leidet an einer sich verstärkenden Alzheimer-Erkrankung.
In einer Zeit, in der Van Leeuwen vor Schmerz und Trauer kaum arbeiten kann, wird ein 14 Jahre alter Junge auf grausige Weise ermordet. Der Kommissar geht an den Fall mit der gebotenen Professionalität heran, wird aber immer wieder durch die Krankheit seiner Frau und sein langsam ins Rutschen geratendes Privatleben abgelenkt - bis er irgendwann feststellen muss, dass es zwischen seinem privaten und seinem beruflichen Leben eine sehr enge Verbindung gibt.
Der Charakter, den Claus Cornelius Fischer mit seinem Kommissar geschaffen hat, ist sehr zerrissen: zwischen seinen verletzten Gefühlen und seiner Ethik, zwischen der Trauer über sein öde verrinnendes Leben und dem Entsetzen über den grausigen Mord. Diese Zerrissenheit beschreibt Fischer nachvollziehbar und packend, so dass man als Leser sowohl am Fall als auch am Privatleben größtes Interesse entwickelt. Man erfährt mehr über die Anthropologie und seltsamen Kannibalismus in Papua-Neuguinea, und man taucht in eine graue Welt ein, die wenig zu tun hat mit dem heiteren Amsterdam, das man als Tourist normalerweise zu Gesicht bekommt.
Der Roman gehört zur Gattung des intelligenten Kriminalromans, der zwar durchaus mal heftig wird, aber weit entfernt von irgendwelchen »hard-boiled«-Klischees funktioniert. Letztlich geht es um Beziehungen, um Schuld und Unschuld und jahrelang vergessene Schmerzen, und natürlich auch um das Vergessen, das an Simone van Leeuwen exemplarisch und erschütternd zugleich geschildert wird.
Ein ergreifender Roman, der vor allem den Lesern gefallen dürfte, die psychologisch dichte Schilderungen schätzen. Erschienen ist »Und vergib uns unsere Schuld« bei
Ehrenwirth; das 352 Seiten starke Hardcover kostet 19,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-431-03702-9 kann das Buch in jeder Buchhandlung bestellt werden, selbstverständlich kann man es auch über Versender wie amazon.de beziehen. Den Download zur Leseprobe des Romans gibt es
hier.
Klaus N. Frick