2. Januar 2008
Ein seltsames Mordopfer ist dieser Angelo Pardo: Man findet den Mann in seiner Wohnung, hingerichtet durch einen Schuss in die Stirn, in obszöner Position auf einem Stuhl sitzend. Der sizilianische Polizist Salvo Montalbano nimmt die Ermittlungen auf und merkt recht schnell, dass einiges nicht stimmt: Der so harmlos wirkende Pharma-Vertreter hat es offensichtlich faustdick hinter den Ohren - unter anderem war er in der Lage, seiner schönen Geliebten Elena sehr kostspielige Geschenke zu überreichen, was nicht zu seinem durchschnittlichen Einkommen passte.
»Die dunkle Wahrheit des Mondes« ist der neueste Fall in der Reihe der Montalbano-Krimis, wieder einmal verfasst von Andrea Camilleri. Der mittlerweile 82 Jahre alte Schriftsteller, der in seinen Romanen die Welt Siziliens lebendig werden lässt, scheint unermüdlich - und er bleibt seinem Rezept weitestgehend treu: Commissario Montalbano interessiert sich für gutes Essen und Trinken, er fährt mit dem Auto sehr gemächlich durch die Gegend, und er ermittelt auf eher ungewöhnliche Weise.
Das ist sicher auch das, was die Montalbano-Fans schätzen: Ihr Lieblingsautor gibt ihnen, was sie erwarten. Man kennt als langjähriger Leser schon die Verwicklungen der sizilianischen Polizei, man weiß um die kleinen Polizisten in Montalbanos Truppe ebenso wie intrigante Vorgesetzte und Ermittlungsrichter. Und man ist wie immer gespannt darauf, wie Montalbano es letztlich schaffen wird, den Fall auf seine höchst persönliche Weise zu lösen - ohne unbedingt alle Regeln des Gesetzes zu beachten, versteht sich.
Wobei man sich nicht täuschen sollte: Unter der heiteren Gelassenheit, die Camilleris Romane durchzieht, geht es durchaus zur Sache. Die Mafia spielt immer im Hintergrund mit, auch wenn sie in »Die dunkle Wahrheit des Mondes« keine aktive Rolle zu bekleiden scheint. Und letztlich geht es in diesem Roman wieder einmal um ein düsteres Geheimnis.
Wie der Untertitel »Commissario Montalbano erlebt Sternstunden« zustande kommt, bleibt allerdings ebenso unklar wie der Grund für die teilweise seltsam wirkende Übersetzung ... Als Leser wird man trotzdem bestens unterhalten, sofern man sich auf die verschlungene Handlung einlässt, die komplett ohne Action, Brutalität oder derbe Dialoge auskommt. Camilleri-Romane wirken in mancherlei Hinsicht altmodisch, wie Detektiv-Klassiker aus der »guten alten Zeit«, passen aber dennoch ins »Hier und Jetzt«.
Der Roman umfasst 272 Seiten, ist in der editionLübbe erschienen und kostet 19,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3-7857-1601-4 ist er über jede Buchhandlung zu bestellen; ebenso bieten sich Versender wie amazon.de an. Eine kurze
Leseprobe gibt es auf der Lübbe-Homepage; sie erlaubt einen guten Einblick in den Romananfang - neugierig sollte das allemal machen.
Der Roman wurde darüber hinaus als Hörbuch-Edition publiziert. Die sechs CDs werden von Gerd Wameling gelesen und kosten ebenfalls 19,95 Euro (empfohlener Preis). Wer mag, kann sie mit Hilfe der ISBN 978-3-7857-3364-6 in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso über Versender wie amazon.de. Da ich die CDs nicht gehört habe, kann ich allerdings nichts über ihre Qualität sagen.
Klaus N. Frick