27. Dezember 2007
Mir ist durchaus bewusst, dass das Sachbuch, was ich diesmal vorstelle, mit Science Fiction im Allgemeinen und PERRY RHODAN im Besonderen nichts zu tun hat. Aber es geht um ein spannendes Thema, das uns direkt und indirekt alle bewegt: um die Wirtschaft, um globale Wirtschaftsverhältnisse und um die Zusammenhänge zwischen Geld und Waren sowie zwischen Menschen und Märkten.
Einige Beispiele: Wieviel kostet ein Cappuccino, und warum kostet er an manchen Orten mehr als an anderen? Was eigentlich ist das wahre Marktgeheimnis von Starbucks? Und was haben das Elend in Kamerun, das rasante Wirtschaftswachstum in China und die Energiepreise in den USA miteinander zu tun?
Der Ökonom Tim Harford geht in seinem sehr unterhaltsam geschriebenen Buch »Ökonomics« diesen Fragen nach. Als in Oxford lehrender und für Zeitschriften wie »The Economicst« schreibender Wirtschaftswissenschaftler ist er - wen wundert es? - ein Verfechter des freien Marktes, der davon ausgeht, dass nur ein freier Warenhandel ohne zu viel Bürokratien und vor allem ohne Zollschranken den Wohlstand der Weltbevölkerung insgesamt heben kann.
Diese Sicht der Dinge mag man teilen oder nicht; das ist auch fürs erste zweitrangig. Harford präsentiert Theorien der Ökonomie, die seit dem 19. Jahrhundert gelten, und erklärt so beispielsweise, dass man mit Erkenntnissen aus der Landwirtschaft auch die Preisentwicklung etwa für Innenstadt-Cafés nachvollziehen kann. Mit Hilfe der Spieltheorie stellt er dar, wie Staaten - die USA und Großbritannien als Beispiele - Mobilfunk-Lizenzen gut oder weniger gut versteigerten und warum solche Versteigerungen wie funktionierten.
Das Buch ist glänzend geschrieben; ein Beleg dafür, dass angelsächsische Autoren offensichtlich eine leichtere Hand dafür haben, komplexe Sachverhalte für interessierte Laien zu präsentieren. Auch schwierige Theorien erläutert Harford stets mit Beispielen aus dem täglichen Leben, immer wieder gern mit Kaffee oder Bier, so dass es eine »Rückkopplung« auf die Realität gibt. Auf Formeln oder Berechnungsketten verzichtet er, Schaubilder hält er auf das nötigste reduziert, so dass man einen leichten Einblick in ein umfassendes Thema bekommt.
Manchmal kann ich mich seinen Ansichten nicht anschließen. So ist die von ihm beschriebene Misere in Kamerun, die ich selbst wochenlang »live« erlebt habe, sicher nicht mit marktwirtschaftlichen Methoden allein zu beheben; auch habe ich größtenteils andere Eindrücke als er von dem Land gewonnen. Man muss Harford aber zugute halten, dass er sich der Mühe unterzogen hat, in einem solchen Staat zu recherchieren, um belegen zu können, warum die Lebensverhältnisse in manchen Ländern nicht besser, sondern schlechter werden.
Nach beendeter Lektüre hatte ich nicht das Gefühl, die Welt wirklich besser zu verstehen - aber ich hatte zahlreiche neue Eindrücke gewonnen. Es ist wie immer bei Sachbüchern: Entscheidend ist, wieviel nach der Lektüre »hängen bleibt«. Ich bin sicher, hier ist einiges ins Gedächtnis gesickert, und ich bin mir ebenso sicher, dass ich künftig immer mal wieder nach dieser schönen Einführung in die Ökonomie greifen werde.
»Ökonomics« hat mein Weltbild erweitert, und das ist das, was ich von einem gelungenen Sachbuch erwarte. Das Buch ist nicht brandneu, sondern schon seit dem Herbst 2006 auf dem Markt - an seiner inhaltlichen Stärke ändert das nichts.
Die 384 Seiten lesen sich sehr flott, der Preis von 18 Euro ist absolut angemessen. Mit Hilfe der ISBN 978-3-570-50073-6 kann das Werk in jeder Buchhandlung bestellt werden, selbstverständlich auch über Versender wie amazon.de.
Wer übrigens mehr über den Autor selbst erfahren möchte und die englische Sprache ausreichend beherrscht, wird auf
seiner Homepage fündig. Und wer sich ein wenig in das Thema einlesen möchte, sollte sich die fünfzig Seiten umfassende
Leseprobe auf der Verlags-Homepage anschauen.
Klaus N. Frick