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Kurzinfo
 Gedankenhaie
von Steven Hall
ISBN: 978-3-4920-5035-7






5. September 2007

Klaus N. Frick empfiehlt:
Intellektueller Thriller mit Phantastik-Touch

 
Was zum Teufel ist ein Konzeptfisch? Oder gar ein Gedankenhai? Und wie lässt sich ein solches Wesen erfolgreich zurückweisen? Und kann ein Informationsverlust verhindert werden, in dem man plappernde Anrufbeantworter miteinander koppelt?

Solche irrwitzig klingenden Fragen beschäftigten mich in den letzten Tagen, während ich den Roman »Gedankenhaie« des jungen britischen Schriftstellers Steven Hall las - sein Erstlingswerk übrigens. Hall liefert dabei einen Roman ab, der tatsächlich das Potenzial hat, zu einem »Kultbuch« zu werden: zumindest für jene Menschen, die mit Filmen wie »Matrix« oder einem Computer sozialisiert wurden, für die unsere heutige Informationsgesellschaft tatsächlich ein »normales Biotop« ist.

Denn eigentlich geht es das ganze Buch über nur um eines: Was passiert, wenn sich die vertraute Welt auflöst, wenn Informationen im Nirwana verschwinden und einem buchstäblich das Bewusstsein zerfressen wird?

So geht es auf jeden Fall einem gewissen Eric Sanderton, der aus dem Nichts erwacht, in einer Wohnung, die er nicht kennt, und mit völlig verschwommenen Erinnerungen. Mühsam erkämpft er sich neue Erinnerungen, hervorgerufen durch Briefe und Notizen, die ihm ein »erster Eric Sanderton« zuschickt. Und dieser andere Eric warnt ihn davon, dass es einen Gedankenhai gibt, der alles versucht, um seine Gedanken zu »fressen«.

Das hört sich anfangs reichlich schräg an, und Eric glaubt das alles auch nicht. Aber dann schnappt er sich seinen Kater Ian und zieht mit diesem los, um herauszufinden, warum ihn ein Gedankenhai jagt und was das alles mit seinem »ersten Leben« zu tun haben soll. Er trifft auf Scout, eine junge, rotzige Frau, und er kommt auf die Spuren des Unraum-Komittees - das wiederum ist ein wichtiger Hinweis auf die gedankenfressenden Monster, die sich in sein Leben geschlichen haben. Die daraus folgenden Ziele sind eher obskur: Eric Sanderson muss beispielsweise Dr. Troy Fidorous suchen, einen Experten, der sich seit langem mit den Gedankenhaien und anderen »Konzeptfischen« beschäftigt.

Was sich jetzt in wenigen Absätzen nur »ungenügend« darstellen lässt, wird im Roman selbstverständlich zu glaubhaftem Leben erweckt. »Gedankenhaie« arbeitet mit allen Mitteln eines modernen Thrillers, liefert Action und Spannung und sogar Erotik, ganz nebenbei eine packende Liebesgeschichte. Gleichzeitig aber handelt es sich bei diesem Roman um ein Verwirrspiel ersten Ranges, das auch und gerade für die Freunde ausgefallener fantastischer Literatur ein Leseerlebnis darstellt.

Typographische Experimente lockern den Text auf - was sicher nicht jedermanns Fall sein dürfte -, und einige der geschilderten Aktivitäten im Roman haben damit zu tun, dass Informationen aller Art auch Gegenstände verändern können. So verwundert es gegen Ende kaum, dass die drei Helden des Buches tatsächlich ins Meer stechen, um auf hoher See den Gedankenhai zu stellen. Spätestens hier erinnert der Roman an den Film-Klassiker »Der weiße Hai«, eine absolut beabsichtigte Annäherung!

Bis zum bitteren Ende wird in »Gedankenhaie« übrigens nicht klar, ob es sich wirklich um einen phantastischen Roman handelt, also um die tatsächliche Begegnung eines Helden mit einem bizarren Wesen, oder ob der junge Autor in Wahrheit versucht, seine Gedanken zur Informationstechnologie, zum Widerspruch zwischen Wahrheit und Lüge oder zu wechselnden Identitäten im Rahmen eines literarischen Experiments darzustellen. Möglicherweise ist es beides - hier muss sich jeder Leser selbst eine Meinung bilden.

Ist der Schwammkopf-Geisterhai vielleicht sogar nur eine Metapher? »Gedankenhaie« ist auf jeden Fall ein Werk, das man in mehrfacher Hinsicht interpretieren kann; Stoff für Literaturseminare bietet der Roman allemal. Für mich war's in erster Linie ein brillant erzählter Erstlingsroman, der viele Anspielungen auf aktuelle Filme enthält und einen Erzähler mit überschäumender Fantasie präsentiert.

Wer ungewöhnliche Geschichten mag, wird dieses Buch schätzen. Mit Hilfe der ISBN 978-3-4920-5035-7 ist der 430-Seiten-Roman für 19,90 Euro bei jeder Buchhandlung zu bestellen - selbstverständlich auch bei Versendern wie amazon.de.

Wer mehr über die Hintergründe des Buches wissen will, kann sich die schicke  Homepage angucken. Die Seite greift mit Animationen, Texten und Bildern die zeitweise verstörende Handlung des Romans auf und übersetzt sie in die Internet-Welt. Sehr passend, sehr gut!

 Klaus N. Frick