11. Juli 2007
Sebastian Broschek ist eigentlich ein ziemlich »cooler Typ«: sieht gut aus, hört recht originelle Musik, hat einen lockeren Job, bei dem er viel Geld verdient, und schleppt immer wieder eine neue Begleiterin ab. Doch in Wirklichkeit hat er ein echtes Problem: Er trifft keine Entscheidungen, er mogelt sich durchs Leben, und er hängt vor allem deshalb in einem überbewerteten Internet-Unternehmen herum, weil er nicht recht weiß, was er sonst aus seinem Leben machen soll ...
Soweit der Ausgangspunkt zu einem Roman, der mich zuletzt sehr erheiterte: »Broscheks Optionen«, geschrieben von Christian Gummig. Der Autor weiß offensichtlich, wovon er spricht. Er ist nicht nur zufällig so alt wie Broschek, er hört nicht nur zufällig dieselbe Musik, und er hat selbstverständlich ausreichenden Einblick in verschiedene Medienunternehmen erhalten. Aus diesen Erfahrungen speist sich sein Roman, und das merkt man als Leser immer wieder.
Mal schmunzelnd, mal stirnrunzelnd verfolgte ich bei der Lektüre, wie sich Broschek durchs Leben schlägt. Zwar verliebt er sich irgendwann in die »richtige Frau«, wie es scheint, doch auch das verändert nicht sein dauerndes Abwägen verschiedener Optionen. Als er sich endlich auf ein richtig wichtiges Thema festlegt, ist das prompt ein neues Geschäftsmodell, das er mit einer britischen Firma anbahnen möchte.
Und spätestens da - so wird Broschek feststellen - klappt es nicht mehr mit dem bisherigen Schema, sich um alles rumzutricksen. Plötzlich steht viel Geld auf dem Spiel, und plötzlich muss er die Erfahrung machen, dass manche Leute mit richtig harten Bandagen kämpfen. Auch mit der Liebe klappt es nicht mehr so gut ... Broschek muss sich umstellen, wie es aussieht.
Gummigs Erstlingsroman ist amüsant, er liest sich schnell und leicht. Im weitesten Sinne handelt es sich bei dem Buch um Popliteratur, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Hamburger Musiker Bernd Begemann immer wieder ein Thema ist. Christian Gummig zeichnet das Porträt eines Mannes, der im Netzwerk aus Musikbranche, Internet und Club-Szene seinen Weg geht, und da der Autor sich in diesen Bereichen sehr gut auskennt, gelingen die entsprechenden Abschnitte seines Buches besonders gut. Wer sich in solchen Szenen bewegt oder schon getummelt hat, wird auf jeden Fall sehr viel wieder erkennen.
Ich kann den Roman jenen empfehlen, die Spaß an locker-flockiger Literatur haben. Wer nur beinharte Science Fiction mag, ist hier allerdings ebenso fehl am Platz wie derjenige, der es gerne literarisch oder anspruchsvoll hätte. »Broscheks Optionen« ist ein Unterhaltungsschmöker, der das Leben durchschnittlicher männlicher Großstädter Mitte der 30 aufgreift - und das macht er so gut, dass man das Buch mit Vergnügen liest.
Der Roman ist als Hardcover im Verlag Fredebold und Fischer erschienen; er umfasst 320 Seiten und kostet 14,95 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3939674009 kann er in jeder Buchhandlung bestellt werden, selbstverständlich auch bei Versendern wie bei amazon.de.
Für was sich Christian Gummig neben seiner Schreiberei und der Musik sonst noch interessiert, steht in einem amüsanten Interview. Das könnt Ihr
hier lesen.
Klaus N. Frick