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Kurzinfo
Luna
von Robi, Toni Greis


 Gletschertsunami
von Stephan Hagenow und S. H. A. Parzzival
ISBN: 3-89840-061-1


Batman: Das 100. Jahr
von Paul Pope


12. April 2007

Klaus N. Frick empfiehlt:
Neue Science-Fiction-Comics

 
Heutzutage ist es in der Tat unmöglich, den Überblick im Comic-Sektor zu behalten. Deshalb stelle ich an dieser Stelle drei Comics vor, die dem Science-Fiction-Sektor zuzuordnen sind und die mir recht gut gefallen haben. Ein Blick lohnt sich meist, ein Kauf kann angedacht werden ...

Düstere Zukunftsvision: »Luna«
Mit erotischen Grafiken und Comics hat sich der aus Braunschweig stammende Zeichner Toni Greis nicht nur im deutschsprachigen Raum eine feste Fan-Gemeinde erarbeitet: Serien wie das definitiv nicht jugendfreie »Alraune« wurden erfolgreich in den USA publiziert. Mit der neuen Serie »Luna« wagt er sich nun in das Gebiet der Science Fiction - auf ein wenig Erotik verzichtet er allerdings nicht.

Geschildert wird eine düstere Zukunftsvision, in der das menschliche Imperium Andro-Alpha im Krieg gegen die Cronks steht und in dem Männer und Frauen der direkte Kontakt verwehrt wird. In einer solchen Zeit beginnen Puni und Trinar ihre zarte Liebesbeziehung, im sicheren Wissen, dass sie dafür hingerichtet werden können ...

Die düstere Story stammt von Robi, und sie wurde von Toni Greis in beeindruckende Bilder transformiert, zeitweise fast fotorealistisch, in einem absolut eigenständigen Stil. Der Comic ist hervorragend auf teurem Papier gedruckt, was den Preis von 6,50 Euro für den ersten Band erklärt.

Leider ist das Leseerlebnis des ersten Heftes nach 24 großformatigen Seiten schon vorüber - und ich warte sehnsüchtig auf die Fortsetzung. Wer sich dafür interessiert: »Luna« gibt es im guten Comic-Handel oder direkt beim  Verlag Schwarzer Turm.

Akzeptable Umsetzung: »Gletschertsunami«
Die Science-Fiction-Serie »Titan«, die im  Blitz-Verlag erscheint, gehört nicht zu den bekannten Serien: Die bereits schon klassische SF-Serie wird seit einigen Jahren mit neuen Romanen fortgeführt, geschrieben von verschiedenen deutschsprachigen Autoren. Unter anderem gehört  Horst Hoffmann als gelegentlicher Aktivist zum Autorenteam.

Im Jahr 2006 erschien der erste Comic zur Serie, wobei im Prinzip ein Roman von S.H.A. Parzzival umgesetzt wurde. Die Zeichnungen stammen von Stephan Hagenow, der seit den späten 80er Jahren in der deutschsprachigen Comic-Szene mitmischt und durch seinen Stil einige Freunde gefunden hat. Hagenows Zeichnungen sind zwar nicht unbedingt elegant, aber durchaus dynamisch; sie haben stets einen leichten Funny-Touch, was sie wiederum unverwechselbar macht. Ich persönlich finde sie stets zu krakelig, der Zeichner hat sich seit gut zehn Jahren kaum gesteigert.

Die Story selbst ist durchaus spannend, wenn man auf klassischen Trash steht: angreifende Monster mit viel Action, Lesben-Sex mit viel nackter Haut - Hagenow hält sich an die Romanvorlage von Parzzival, was manchmal schon wieder eine gewisse Eigenironie zur Folge hat. Trash ist das schon, aber eben auch durchaus unterhaltsam. Wer darauf steht, wird bestens bedient.

Erschienen ist der Comic in Form eines Paperbacks. Die 124 Seiten kosten 9,95 Euro, der Comic ist zudem auf 999 Exemplare limitiert. Mit der ISBN 3-89840-061-1 kann er in jeder Buchhandlung bestellt werden, auch bei amazon.de.

100 Jahre in der Zukunft
Die erste Geschichte mit Batman, dem unheimlichen Verbrecherjäger aus Gotham City, erschien im Jahr 1939. Das vorliegende Paperback der Reihe »DC Premium« greift die Jahreszahl auf und verlegt die Handlung ins Jahr 2039, in eine Zukunft, die düster und bösartig ist und in der anscheinend nie ein Batman agierte. Eiskalte Polizeibehörden kontrollieren die Welt, in der Hologramme miteinander telefonieren und Telepathen für die Polizei arbeiten - doch als ein mysteriöser Mord passiert, mischt sich ein Mann ins Geschehen ein, an den die meisten nicht glauben wollen. Batman existiert tatsächlich, und er nimmt den Kampf gegen eine Verschwörung auf höchster Ebene auf ...

»Batman: Das 100. Jahr« bricht mit den bisherigen Bildern des geheimnisvollen Detektivs: Paul Pope, der Zeichner und Autor des vorliegenden Bandes, zeigt eine düstere Welt, in der vor allem Hässliches dominiert. Also ist auch Batman kein schöner Mann, sondern ein grober Kerl, der seinem Gesicht mit Hilfe eines zusätzlichen Gebisses eine grausige Dimension verleiht. Polizisten sind bestechlich und brutal, vor allem, wenn es sich um ermittelnde Geheimagenten handelt, und die Truppe, die der sogenannte Mitternachtsdetektiv um sich versammelt, besteht ebensowenig aus attraktiven Menschen.

Kein Wunder, dass auch die Handlung von »Batman: Das 100. Jahr« nicht gerade angenehm ist. Pope erzählt mit schnellen Handlungwechseln und verwirrenden Informationen, so dass tatsächlich ein interessanter Zukunfts-Thriller entsteht. Er versucht offensichtlich eine Annäherung an das Meisterwerk »Die Rückkehr des Dunklen Ritters«, was ihm allerdings nicht ganz gelingt: Seine Batman-Version ist düster und gewalttätig, durchaus auch originell und spannend, bei weitem aber nicht so revolutionär neu wie das damalige Meisterwerk.

Wer einen neuen Blick auf die alt bekannte Comic-Figur riskieren mag oder gern einen Ausblick in eine andere Art von Science Fiction wagt, für den ist dieses fast 200 Seiten starke, mit 19,95 Euro recht teure Paperback eine interessante Lektüre. Zu beziehen ist der Band im gut sortierten Comic-Fachhandel oder über diverse Versender.

 Klaus N. Frick