26. März 2007
Die Feenland-Saga, das erste Werk der australischen Autorin Cecilia Dart-Thornton, spielt in einer Art Fantasy-Australien: Gelegen ist der Handlungsschauplatz auf der Südhalbkugel einer fremden Welt, und folgerichtig ist es im Norden wärmer als im Süden. Gleichzeitig aber haben die Menschen sowie die Fabelwesen, über die man spricht, englische Namen; sie heißen Tom Collins oder Molly oder auch Yallery Brown.
Es ist ein manchmal seltsames Fantasy-Reich, in das die Autorin ihre Leser entführt, bevölkert mit allerlei Fabelwesen, die allesamt englischen, irischen und schottischen Mythen entlehnt wurden. In der Welt gibt es Seelie und Unseelie und die geheimnisvollen Faeran, die Feen also, die seit langem als verschollen gelten.
Durch diese mystisch anmutende Welt reist eine junge Frau. Im ersten Band der Feenland-Saga wird sie für einen Jungen gehalten, ist hässlich und kann kein Wort sprechen, wird verprügelt und herumgeschubst und findet erst im Verlauf eines unglaublichen Abenteuers heraus, welche Energien in ihr stecken. Der zweite Band der Saga, der kürzlich auch als Taschenbuch publiziert wurde, schildert die weiteren Abenteuer der jungen Frau, die sich in diesem Buch Rohain nennt.
Der deutschsprachige Titel passt hier sehr gut: »Das Geheimnis der schönen Fremden«, denn natürlich ist Rohain jetzt, wo ihr Gesicht nicht mehr entstellt ist, eine wahre Schönheit.
Nach den Abenteuern in der Wildnis der Welt, bedroht von Räubern, Geistern und Dämonen, die sie im ersten Band durchzuleben hatte, muss sie sich im zweiten Band am Hof des Königs durchschlagen. Hier wird Rohain, die keine Ahnung von höfischen Sitten hat, mit Intrigen konfrontiert - und vor allem immer wieder mit der Frage nach ihren wahren Herkunft. In erster Linie will sie aber wissen, wo die Liebe ihres Lebens ist ...
So plätschert die Handlung durch das Schloss von Caermelor, unterbrochen durch eine Reise nach Burg Isse, wo der erste Band seinen Anfang nahm und wo jetzt die Wilde Jagd über die Menschen herfällt und große Zerstörung anrichtet. Danach nimmt die Handlung des Romans endlich Tempo auf, die Heldin wird angegriffen und verfolgt, sie wird mit einem Vulkanausbruch und einem Schiffsuntergang konfrontiert, sie muss sich allein durchschlagen, und sie steuert auf ihre eigene Vergangenheit zu, die ihr gewissermaßen gestohlen wurde.
Cecilia Dart-Thornton beschreibt eine bunte Welt voller abwechslungsreicher Geschichten, durch die sich ihre Heldin kämpft. Deren Motivation ist stets klar, stets ist man als Leser bei ihr und fiebert mit. Alles passt sehr gut zusammen, es gibt allerdings wenig Überraschungen. So ist beispielsweise die Auflösung der Liebesgeschichte alles andere als verblüffend, der Leser ahnt früh genug, wer der geheimnisvolle Mann ist, in den sich Rohain verliebt hat.
Spätestens bei der Liebesgeschichte, aber auch bei den ausführlichen Beschreibungen höfischer Sitten und Gebräuche, der Gastmähler und der Kleidung erkennt man, dass vor allem Frauen als Zielgruppe dieses Buches ausersehen sind. Den meisten Männern dürften das zu viele Details sein, sie dürften eher nach einem raschen Voranschreiten der Handlung verlangen. Man braucht sich als Mann darüber nicht zu sehr grämen, der Roman ist dennoch unterhaltsam und abwechslungsreich genug - Action findet allerdings eher am Rand statt.
Eingebettet in die eigentliche Romanhandlung sind immer wieder Sagen und Legenden, die von königlichen Barden, Reisenden oder Bauern erzählt werden. Erfreulicherweise gibt die Autorin im Anhang des Buches zu, wo sie diese her hat; sie schmückt sich also nicht mit fremden Federn, sondern stellt klar, wo ihre Inspirationen liegen: im Bereich alter Märchen, die von den britischen Inseln nach Australien überliefert wurden.
Damit wird klar, was der Kern der Feenland-Saga und auch des vorliegenden Buches ist: Es ist ein Märchen, mehr nicht, eine riesige Märchenerzählung, in der ein Mädchen nach seinem Glück strebt, das aus dem Herz eines Ritters und einer glorreichen Zukunft besteht. Hübsch.
Sowohl die Taschenbuch- als auch die Hardcover-Ausgabe sind im Buchhandel erhältlich. Wer es gern etwas gediegen hat und einen Schutzumschlag schätzt, wählt das Hardcover, das 22,90 Euro kostet und mit Hilfe der ISBN 978-3-492-70024-5 in jeder Buchhandlung zu erhalten ist. Wer etwas sparsamer ist, investiert 9,95 Euro in die Taschenbuch-Ausgabe, die mit der ISBN 978-3-492-26626-0 zu bestellen ist. Beide Versionen gibt es selbstverständlich auch bei amazon.de.
Klaus N. Frick
Klaus N. Frick