19. März 2007
In ferner Zukunft hat sich die Menschheit über die Galaxis ausgebreitet, hat Kontakt zu anderen galaktischen Völkern geschlossen und fremde Planeten besiedelt. Eine dieser Welten ist Oasis, und die wohl wichtigste Stadt des Planeten heißt Paxton, wird aber im allgemeinen nur als Punktown bezeichnet. Sie ist der Schauplatz des vorliegenden Romans, der bereits 2005 in deutscher Sprache erschien.
In Punktown herrscht zeitweise das totale Chaos: Brutale Jugendbanden kontrollieren ganze Straßenzüge, die Medien sind aus heutig-menschlicher Sicht völlig pervers, und dank der Technik sowie diverser Außerirdischer hat sich das Sexgeschäft längst in Richtungen entwickelt, die man sich heutzutage nicht einmal erträumen kann. Das alles wird aber noch schlimmer werden, wenn Mächte aus fremden Dimensionen auf den Plan treten, die mit Hilfe des uralten Buches Necronomicon beschwört werden können.
Chris Ruby ist der Held von »MonstroCity« - so der Titel des Romans, den der amerikanische Autors Jeffrey Thomas verfasste -, ein eher gedankenloser junger Mann, der sich für Sex-Abenteuer eher interessiert als für alles andere. Als aber seine aktuelle Geliebte ein Ritual aus dem Necronomicon benutzt, um mit den Alten Göttern in Kontakt zu treten, verändert sich sein Leben in schrecklichem Ausmaß: Er wird zum Mörder und zum Beschützer, zu einem Mann, dessen Mission das Überleben der Menschheit sichern soll. Gejagt von schrecklichen Mächten und gleichzeitig auf deren Spur, bewegt er sich durch die Unterwelt von Punktown, um das Böse zu vernichten.
Jeffrey Thomas legt mit »MonstroCity« einen lupenreinen Krimi vor, der in einer klassischen »Noir«-Reihe erscheinen könnte: Die lakonische Sprache und der Präsens-Stil passen eindeutig dazu. Allerdings spielt dieser Krimi in der Zukunft und auf einem fremden Planeten - es handelt sich hier also um einen Science-Fiction-Roman. Wobei der Chtulhu-Mythos, der letztlich den Hintergrund für alles Geschehen bildet, eigentlich ein reines Horror-Motiv ist ...
Es kann somit bei »MonstroCity« von einem Genre-Mix gesprochen werden, und die Einstufung durch den Verlag, der ihn als »Horror-Roman« publiziert, ist sicher nicht falsch. Gleichzeitig dürfte diese Einstufung manchen Leser zurückschrecken lassen. Und das wiederum wäre ein Fehler.
Jeffrey Thomas präsentiert gleich eine ganze Reihe gelungener Ideen. Die von ihm geschilderte Punktown ist in ihrer gesamten Widerwärtigkeit nachvollziehbar und glaubhaft geschildert, und auch die Außerirdischen gefielen mir in ihrer Darstellung. Science-Fiction-Fans, die gelegentlich mal »neben« das Genre gucken, sollten diesen Roman durchaus einmal antesten - sie werden mit spannender Unterhaltung belohnt, die bis zum Ende viele Fragen offen lässt.
»MonstroCity« ist kein gewöhnlicher Roman - aber er ist ungewöhnlich genug, ihn auf eine Lese- und Empfehlungsliste zu setzen. Und ich werde nach weiteren Werken von Jeffrey Thomas Ausschau halten ...
Der Roman ist in deutscher Sprache als Taschenbuch im
Festa-Verlag erschienen. Das Buch umfasst 300 Seiten und kostet 9,90 Euro. Mit Hilfe der ISBN 978-3865520111 kann es in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso natürlich bei amazon.de.
Klaus N. Frick