26. Februar 2007
Wir schreiben das Jahr 1988, als junges Gör' hänge ich vor dem Fernseher und schaue »Die dreibeinigen Herrscher«. Und was hab' ich davon? Alpträume. Naja, ist vielleicht etwas übertrieben, aber die riesigen dreibeinigen Metalldinger, weit höher als ein Haus, waren mir nicht sehr geheuer. Überall tauchten sie plötzlich auf und verfolgten Will Parker und seine Freunde.
Aber von vorne: Ende der Sechziger veröffentlich der Autor John Christopher seine Tripod-Trilogie. Die BBC verfilmte die ersten zwei Bücher, und das ZDF strahlte die 25 Folgen Ende der Achtziger aus, wo es mich dann »erwischte«. Fast 20 Jahre später bin ich über die Hörbuch-Adaption der kompletten Serie bei Patmos gestolpert. Nun war ich endlich bereit, meinem »Kindheitstrauma« - stampfenden und zerstörerischen Dreibeinigen Herrschern - entgegenzutreten.
Zum Inhalt:Will Parker wächst im Jahr 2089 in einem mittelalterlich erscheinenden England auf. Die Welt ist in Ordnung, bis sein Cousin nach seiner »Weihe« komplett verändert, gänzlich unkritisch zurückkommt. Die Weihe ist ein jährliches Ritual, in dem die Kinder mit 14 Jahren den Tripods übergeben werden und mit einer Metallkappe auf dem Kopf zurückkommen. Will erfährt von einem »freien Mann«, der sich als Wanderer ausgiebt, dass die Menschen vor Jahrhunderten von den Tripods unterjocht wurden und nun mit den Kappen kontrolliert werden.
Will flieht mit seinem anderen Cousin Henry noch vor der Weihe in Richtung Weiße Berge, wo eine Gruppe freier Menschen gegen die Tripods kämpft. Das ist der Beginn einer abenteuerlichen Reise durch viele Länder bis in die Stadt der Tripods und der »Meister«.
Fazit:John Christopher hat mit den Tripods eine sehr spannende, zum Ende hin recht kritische Jugendbuch-Trilogie geschrieben. Ich habe mich oft nach der Motivation von Will gefragt, weshalb er plötzlich seine Familie verlässt, sich in gefährliche Abenteuer stürzt etc. Aber es ist eben ein Jugendbuch, das etwas andere Kriterien hat, als ein Buch für Erwachsene. Unter diesem Gesichtspunkt angehört, hat mich die Lesung von Torsten Michaelis, der Stimme von Wesley Snipes, sehr fasziniert und begeistert. Die langweiligen musikalischen Einlagen hätte sich Patmos, meiner Meinung nach, sparen können, aber seit den Perry-Hörspielen bin ich diesbezüglich auch etwas verwöhnt.
Der Schluss gefällt mir besonders gut: Egal was die Menscheit erlebt, gegen welche Gefahren sie sich auch zusammenschließen muss, sie kann einfach nicht aus ihrer Haut. Und dieses Fazit des Autors ist heute aktueller denn je.
Ja, ich habe mich mit den Dreibeinigen Herrschern ausgesöhnt und dabei noch ein tolles Hörbuch entdeckt. Was will man mehr?!
Miriam Hofheinz