2. Februar 2007
Bei den PERRY RHODAN-Lesern erwarb sich
Frank Borsch innerhalb kurzer Zeit den Ruf eines Schriftstellers, der originelle Ideen mit glaubhaft geschilderten Charakteren und spannenden Abenteuern verknüpft. Spätestens mit seiner Arbeit an den Taschenbuch-Zyklen
»Lemuria« und »Pan-Thau-Ra« wurde
Frank Borsch zu einem der beliebtesten Serienautoren. Kein Wunder, dass man im Heyne-Verlag mit großem Interesse auf sein Konzept einer eigenen Science-Fiction-Saga reagierte.
Der erste Band dieser neuen Saga, die den viel versprechenden Titel »Alien Earth« trägt, erschien im Januar 2007: Mit »Phase 1« präsentiert
Frank Borsch einen Blick in die nahe Zukunft, der gleichzeitig fasziniert und abstößt. Faszinierend, weil dieser Blick so glaubhaft erscheint, und abstoßend, weil die Zukunft des Jahres 2065 bedrückend und düster wirkt - während die Außerirdischen bereits in einem riesigen Raumschiff im Orbit um die Erde schweben.
In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zeigen die Klimakatastrophe und andere aktuelle Entwicklungen bereits ihre zerstörerischen Resultate: Inselrepubliken im Pazifik versinken im Meer, Massenarbeitslosigkeit in Europa führt zu sogenannten Überschussmenschen, und im Nahen Osten formieren sich die Vereinigten Staaten von Amerika und Arabien, die USAA.
Das Raumschiff der Außerirdischen, das die Erde umkreist, verschärft die herrschenden Krisen noch weiter, vor allem deshalb, weil sich die Aliens keine Sekunde lang um die Probleme der Menschen zu kümmern scheinen. Ganz im Gegenteil: Sie ignorieren alle Funkrufe und lassen seltsame Artefakte über dem Pazifischen Ozean abregnen, als ob es keine Menschheit gäbe. In der Folge bilden sich Sekten auf der Erde, werden Menschen angeblich von Aliens »übernommen« und dann von Alien-Jägern eingefangen oder getötet.
Frank Borsch entwickelt in seinem ersten »großen« Roman ein kompaktes Szenario einer Welt, die langsam aus den Fugen gerät. Aus dem Blickwinkel von drei verschiedenen Personen erzählt er, wie verschiedene Entwicklungen auf einen gemeinsamen Punkt zuzulaufen scheinen; dabei nimmt er als Autor die Perspektive der »kleinen Leute« ein. Ob Wieselflink, der Überschussmensch, oder Ekin, die Hunterin, oder Rudi, der angehende Flyboy - sie alle haben keine Übersicht über die großen Dinge, die das Weltgeschehen beeinflussen, aber aus ihrer Sicht erlebt der Leser die realistisch geschilderte Welt der nahen Zukunft.
Anfangs ist man als Leser durchaus verwirrt: Jedes der Kapitel für sich ist sehr unterhaltsam geschrieben, man ist gefesselt und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Genaue Zusammenhänge erkennt man allerdings nicht so schnell, obwohl zwischen den Kapiteln immer wieder Auszüge aus einem fiktiven Internet der Zukunft weitere Details zur Welt des Jahres 2065 verraten.
Recht schnell ist man als Leser komplett gefesselt und will mehr über die Suche der Flyboys nach den Artefakten der Aliens wissen. Oder will erfahren, warum die Überschussmenschen mit Zügen reisen und zwei Alien-Hunter auf einmal nach sogenannten Taschenwelten forschen ...
Frank Borsch gelingt es so, ein umfassendes Bild einer Zukunft zu zeichnen, die in vielerlei Hinsicht nicht sonderlich weit von der heutigen Zeit entfernt ist.
Der Autor schreibt Science Fiction, die sozusagen im »Hier und Jetzt« spielt, die ein Spiegelbild der aktuellen Gegenwart ist und somit mehr über unsere Gesellschaft verrät als manche Zukunftsschau voller bunter Effekte. Science Fiction von unten gewissermaßen, mit einem Blick von der Unterschicht hinauf zu einem Phänomen, das den Horizont des gewöhnlichen Menschen überschreitet.
Damit ist
Frank Borsch näher an modernen britischen Autoren wie Charles Stross oder Richard Morgan als an der derzeit sehr populären Space Opera amerikanischer Prägung. Wie selbstverständlich reiht sich sein Roman bei den düsteren Utopien der späten 60er Jahre ein, Romane wie »Morgenwelt«, in denen beispielweise John Brunner seine Weltsicht des 21. Jahrhunderts präsentierte. Mit »Phase 1« ist Frank Borsch ein Roman gelungen, der selbstbewusst wirkt und ein Glanzlicht für die deutschsprachige Science Fiction darstellt.
Wer übrigens mehr über den Roman wissen will, kann sich die speziell dafür geschaffene
Homepage anschauen. Dort gibt es drei unterschiedliche
Leseproben, die auf das Buch so richtig neugierig machen.
Und wer mehr über die Hintergründe lesen will, schaue beim
Blog des Autoren vorbei. Man erfährt hier beispielsweise, warum das Flugzeug der Flyboys den seltsamen Namen »Strawberry Bitch« trägt. Hierzu gibt es eine Geschichte, die der Autor seinen Blog-Lesern mit einem leichten Augenzwinkern erzählt.
Der Roman ist als Taschenbuch im Heyne-Verlag erschienen, umfasst 495 Seiten und kostet 8,95 Euro. Mit der ISBN 978-3-453-52230-5 ist er in jeder Buchhandlung zu bestellen; zudem ist er bei den einschlägigen Versendern wie beispielsweise Amazon.de erhältlich.
Der zweite Band kommt als »Phase 2« im Oktober 2007, der dritte Band erscheint im Sommer 2008.
Klaus N. Frick