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Kurzinfo
 Jenseits der Zeit
von Georges Abolin und Olivier Pont
ISBN: 978-3551-78371-4






25. Januar 2007

Klaus N. Frick empfiehlt:
Ungewöhnliches Comic-Erlebnis

 
Schon im Jahr 2005 erschien ein Comic, der mir so gut gefallen hat, dass ich ihn Euch unbedingt empfehlen will: Er heißt »Jenseits der Zeit« und stammt von dem französischen Kreativ-Team Georges Abolin und Olivier Pont. Die Handlung ist im weitesten Sinne »phantastisch«, wobei sie sich aber eindeutiger und eng gesteckter Genre-Grenzen entzieht.

Es geht um Kindheit und Jugend und die Probleme, die sich ergeben, wenn man als junger Mensch in einer fremden Umgebung aufwächst: In diesem Comic ist der Held ein kleiner englischer Junge namens William, der mit seinen Eltern im Jahr 1906 nach Italien umzieht, in ein nettes Fischerdorf, dessen Bewohner auf die Ankunft der Fremden mit ihrem Geld und ihren neuen Technologien sehr skeptisch reagieren ... Während sich sein Vater immer mehr Feinde einheimst, bekommt der Junge neue Freunde - darunter die kleine Lisa, die ihn mit ihrem Charme, mit ihren seltsamen Spielen und mit ihren Andeutungen fasziniert.

Zwanzig Jahre später treffen sich William und seine Freunde aus Kindheitstagen wieder, allerdings nicht in Italien, sondern in Mittelamerika. Sie erkennen, dass sie in geheimnisvoller Weise verbunden sind, und zwar über Raum und Zeit hinweg, ohne dass sie dafür eine logische Erklärung finden.

Auf doppelte Weise hat mich »Jenseits der Zeit« fasziniert: Sowohl die Bilder überzeugen als auch die Texte. Das Licht Italiens, die schöne Landschaft entlang der Küste und die Berge hinter dem Fischerdorf - das alles wird in wunderbaren Bildern eingefangen, die vor allem einen Blick aus Kinderaugen auf die Welt ermöglichen. William, der kleine Junge, ist im Prinzip mit dem Leser identisch, der mit seinen staunenden Augen von der Freundschaft der Kinder und den Streitereien der Erwachsenen erfährt.

Dabei ist der Comic sehr vielseitig, was den Inhalt angeht: Mal verläuft die Handlung träumerisch und verspielt, mal entwickelt sie sich lustig oder tragisch. Eine melancholische Grundstimmung herrscht vor: Ob das nun die Umgebung des italienischen Fischerdorfes ist oder die dörfliche Landschaft Costa Ricas - die Bilder stellen die Hauptfiguren des Comics immer wieder ins Zentrum einer faszinierenden, aber oft einsam wirkenden Gegend.

Ob es sich bei »Jenseits der Zeit« um einen realistischen oder einen fantastischen Comic handelt, ist hierbei zweitrangig. Das Team Georges Abolin und Olivier Pont erzählt in einem zwischen »funny« und realistisch angelegten Stil seine Geschichte, die einen magischen Sommer für den Leser erlebbar macht. Fast automatisch fühlt man sich nämlich an seine eigene Jugend erinnert, an die Sommer im Urlaub oder auf dem Land, an die erste Freundschaft oder gar die erste Liebe - das wiederum ist womöglich das Geheimnis des Comics und die Erklärung für seine Beliebtheit.

»Jenseits der Zeit« ist kein Action-Comic, die Handlung verläuft ruhig und gemächlich, wird in schönen Bildern erzählt und nicht mit harten »Speedlines« vorangetrieben. Damit aber ist der Comic auch eine ideale Lektüre für Menschen, die sonst nicht so gerne nach »Graphic Novels« greifen. Nicht zuletzt betrachte ich »Jenseits der Zeit« als einen tollen Band zum Verschenken!

Das Buch ist bei Carlsen erschienen: farbig gedruckt auf recht dickem Papier, in einem stabilen Hardcover-Band. Die 192 Seiten kosten 29,90 Euro - was für Comics und Bildbände kein ungewöhnlich hoher Preis ist. Kaufen kann man das Buch mit Hilfe der ISBN 978-3551-78371-4 in jeder Buchhandlung oder eben auch direkt bei Amazon.de.

 Klaus N. Frick