24. November 2006
Unter ihrem Pseudonym
Cathrin Hartmann ist die Autorin bereits den Lesern der ATLAN-Serie bekannt geworden - im Januar 2007 erscheint unter dem Titel
»Friedhof der Raumschiffe« ihr erstes PERRY RHODAN-Taschenbuch, ein Beitrag zum aktuellen POSBIKRIEG-Zyklus. Das sollte Grund genug sein, einmal auf ihren ersten historischen Roman, der zudem im Sommer 2006 in einer schön gestalteten Taschenbuch-Ausgabe auf den Markt gekommen ist.
Der Roman unter dem Titel »Jägerin der Zeit« erschien unter dem Autorennamen Kathrin Lange - mittlerweile hat die Autorin auch ein Kinderbuch sowie einen weiteren historischen Roman veröffentlicht. (Diesen muss ich noch lesen, weshalb ich heute auf ihr Erstlingswerk verweisen möchte.)
Die These, das ein großer Teil des so genannten frühen Mittelalters in Wirklichkeit eine Täuschung von gigantischen Ausmaßen ist, erfreut sich nicht nur in esoterischen Kreisen einer gewissen Beliebtheit: Kurz gesagt, geht es darum, dass in einer Aktion, die mehrere Länder umfasste, ganze Kalendarien geändert und zahllose Dokumente gefälscht wurden; vor allem der legendäre Karl der Große hat nach dieser These nie existiert, sondern wurde schlicht erfunden.
In Kathrin Langes erstem historischen Roman ist dies keine These, sondern Hintergrund einer packenden Geschichte, die zur Zeit der Ottonen spielt, also kurz vor der Jahrtausendwende. Eine von Byzanz aus operierende Geheimgesellschaft hat von höchster Stelle aus den Auftrag, die Fälschungsaktion zu verschleiern. Damit niemand davon erfährt, müssen alle Mitwisser umgebracht werden, auch jene Menschen, von denen nur zu vermuten ist, dass sie etwas wissen könnten. So fällt unter anderem Theophanu, die Kaiserin des Weströmischen Reiches, einem Mordkomplott zum Opfer - und in ihrem Gefolge verschiedene andere Menschen.
Der Buchtitel »Jägerin der Zeit« verweist auf Sophia: Das Findelkind wird auf doppelte Weise mit der Zeit in Kontakt gebracht. An der Seite Gerberts von Aurillac, dem Leiter der Domschule von Reims, zugleich ihr - geheimer! - Vater, erlebt sie mit, wie in die Welt des frühen Mittelalters jene Kenntnisse Einzug erhalten, die heutigen Menschen als selbstverständlich erscheinen. Gerbert gehörte - auch in der »echten« Historie - zu jenen Gelehrten, die illegalerweise sogar mit Moslems korrespondierten oder nach den Geheimnissen der Sterne und des Erdumlaufs forschten. Die exakte Länge der Stunde oder die Abfolge der Monate, in diesen Tagen etwas geheimnisvollvolles, wurde durch Gerberts Forschung erleuchtet; ihm war sogar die Einführung der arabischen Ziffern in Mitteleuropa zu verdanken.
Sophia wird ebenso wie der junge Gero von Verla in die gigantische Täuschungsaktion verwickelt, ohne davon anfangs Kenntnis zu erlangen. Zwischen der Heiligen Stadt Rom und irgendwelchen Gutshöfen in Sachsen, in einem alten Kloster in den Alpen oder in der Stadt Reims - in Kathrin Langes Roman wird das Mittelalter auf faszinierende Weise lebendig. Die 1969 geborene Autorin macht in ihrem Werk klar, welches Abenteuer die Einführung der Zeitrechnung überhaupt war - ein Umstand, über den sich ein normaler Leser mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Gedanken macht.
Anfangs verwirrt der Roman möglicherweise jenen Leser, der nicht so sehr vertraut ist mit der manchmal komplexen Schreibe historischer Romane: Viele Perspektiven wechseln sich ab, viele Personen tauchen auf, viele Details müssen erst vorgestellt werden. Doch langsam gewinnt »Jägerin der Zeit« an Fahrt, und ab dem Moment, in dem die Handlung nach Rom blendet, wird der Reigen der Zeit nicht nur für die Helden der Geschichte, sondern auch für die Leser zu einer spannenden Angelegenheit.
Die gebundene Ausgabe des Buches erschien im März 2005 beim Kindler-Verlag; sie kostet 19,90 Euro. Mit der ISBN 3-463-40475-3 kann sie in jeder Buchhandlung bestellt werden, oder direkt bei Amazon.
Die Taschenbuch-Version ist seit Juni 2006 beim Rowohlt-Verlag erhältlich; sie kostet 8,90 Euro. Die ISBN 3-499-23940-3 hilft dabei, das Buch in jeder Buchhandlung zu bestellen; es geht aber ebenso direkt über Amazon.
Übrigens: Wer sich ein wenig in das Thema einlesen möchte, dem sei ein Besuch der
Rowohlt-Homepage empfohlen. Dort gibt es unter anderem eine kostenlose Leseprobe von Kathrin Langes Roman.
Klaus N. Frick