27. Oktober 2006
Das Buch hat einen wunderschönen Umschlag in dunkelblauer Farbe - das Cover sieht wirklich geheimnisvoll aus -, und auf den ersten Blick würde kein Mensch »Die Siedler von Vulgata« für einen Roman halten, der im sogenannten Perryversum spielt. Aber es ist so: Das im Brendow-Verlag veröffentlichte Buch ist die Langfassung des gleichnamigen PERRY RHODAN-Heftromans, der bereits im Januar 2006 erschien.
Ich erinnere mich noch gut an die Vorgeschichte:
Titus Müller und ich hatten uns bei einem Autorentreffen in Nürnberg kennengelernt und dort bereits darüber gesprochen, dass er doch einmal einen Gastroman für PERRY RHODAN schreiben sollte. Auf der Frankfurter Buchmesse brachte ich ihn mit
Robert Feldhoff zusammen, und dann ging es recht schnell.
Mit seinem Manuskript für »Die Siedler von Vulgata« bewarb sich
Titus Müller bereits im Herbst 2005 für den C.S.-Lewis-Preis, den er als erster Preisträger erhielt. Aus gut hundert Einsendungen wurde sein PERRY RHODAN-Roman ausgewählt; die vierköpfige Jury war begeistert. Zwar interessierten die Jury vor allem die christlichen Themen in dem Roman, aber auch die schriftstellerische Leistung wurde gewürdigt.
In der Tat geht es tatsächlich um christliche Motive: Auf dem Planeten Vanderbeyten leben Nachkommen terranischer Auswanderer, die in der Siedlung Vulgata unter dem Diktat eines Patriarchen und seiner christlich verbrämten Gebote leiden - aber einige Aufrührer leisten ihm Widerstand. Als Flüchtlinge der Terminalen Kolonne
TRAITOR auf dem Planeten landen, müssen sich die Menschen auf Vanderbeyten entscheiden: Helfen sie den Flüchtlingen, oder schotten sie sich gegen die unerwünschten Fremden ab?
Der Heftroman endete offen - das nun veröffentlichte Hardcover-Buch beschreibt das weitere Zusammenleben der Menschen mit den fremdartigen Galchinen. Das Manuskript erhielt ich bereits im April diesen Jahres zur Lektüre, und jetzt nutzte ich die Chance, noch einmal den fertigen Roman zu lesen.
Titus Müller ist es gelungen, die Geschichte konsequent fortzuführen - selbstverständlich klappt es mit dem Zusammenleben zweier so fremder Gesellschaften nicht ganz so schnell. Kein Wunder, dass rasch die ersten Konflikte entstehen. Die Galchinen errichten beispielsweise eine Fabrik, um eine erste Phase der Industrialisierung auf dem bisher nur landwirtschaftlich geprägten Planeten einzuleiten, und es gibt eine Fraktion, die in dieser Fabrik Waffen herstellen möchte.
Die innere Entwicklung der Menschensiedlung geht ebenfalls weiter. Arrick, der eigentliche Held des Romans, wird auch mit negativen Seiten geschildert; es kommt zu vielen Missverständnissen, und es entwickelt sich ein Konflikt, der anscheinend nur mit Gewalt gelöst werden kann. Und dann wird ausgerechnet ein Galchine zum eigentlichen Helden des Romans, zu einem Lebewesen, das die kulturellen Konflikte grundlegend überwinden kann ...
Ich halte Titus Müllers Roman für ein sehr gelungenes Werk, das zu Recht mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Man merkt dem Autor an, dass er eigentlich vom historischen Roman herkommt: Die Erzählweise ist weniger technisch orientiert als in der üblichen Science Fiction, und die eigentliche Umgebung der geschilderten Siedlung wirkt streckenweise mittelalterlich. Dennoch wird auch ein SF-Fan auf seine Kosten kommen - schließlich gibt es genügend über fremde Kulturen und deren Sitten zu erfahren.
»Die Siedler von Vulgata« sind ein schönes Beispiel dafür, wie ein »allgemeiner« Autor eine SF-Idee umsetzt, und sie sind ein Beispiel dafür, wie die PERRY RHODAN-Serie in einem anderen Umfeld erweitert werden kann. Respekt!
Mit Hilfe der ISBN 3-86506-140-0 kann das 237 Seiten umfassende Buch in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso im Versandhandel - beispielsweise bei amazon.de.
Klaus N. Frick