6. Oktober 2006
Ich hab' schon einiges aus dem Bereich Science Fiction gelesen, gehört und gesehen, aber das, was ich die letzten Tage im Auto vernommen habe, hat alles dagewesene auf seine Plätze verwiesen. Ich schwärme von den »Sterntagebüchern« von Stanislaw Lem.
Titus Müller habe ich schon soweit, dass er, sobald er zurück in Deutschland ist, sich das Buch kauft. Nun gilt es, euch vom Hörbuch zu überzeugen.
Erschienen ist das Schmuckstück im
Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen in Marburg. Der feine Hörbuchverlag mit über 200 meist ungekürzten Titeln bietet ein hochwertiges Programm mit Belletristik, Krimi und auch einer Science-Fiction-Reihe. In dieser sind unter anderem die »Sterntagebücher - Aus den Erinnerungen Ijon Tichys« erschienen.
Ijon Tichy scheint ein Gelehrter zu sein und auch schon den ein oder anderen fremden Planeten besucht zu haben. Genaueres über ihn erfährt man leider nicht. Wovon man erfährt, sind seine Begenungen mit recht sonderbaren Menschen und Robotern.
In der ersten Geschichte besucht Tichy den Kybernetiker Professor Corcoran, der davon überzeugt ist, dass unsere Welt künstlich erschaffen wurde, wir quasi in einem Labor leben. Um das zu beweisen, baut er selbst eine komplette Welt aus Truhen, Kabeln und Spulen. Ein spannender Abriss über das Menschsein und die Realität, wie wir sie definieren.
Eines Tages bekommt Tichy Besuch von Professor Decantor. Dieser hat es geschafft, die Seele zu materialisieren. Die Seele seiner Frau steckt nun für die Ewigkeit in einem Kristall in einer kleinen Kiste. Wollen wir wirklich unsterblich sein? So ganz ohne Körper, ohne Eindrücke? Wollen wir die Sonne erlöschen sehen? Lems Plädoyer für das Leben, hier und jetzt.
Um vor einem Gewitter Unterschlupf zu finden, klopft Tichy an die Tür des Erfinders Prof. Sasul. Nach einer äußerst unfreundlichen Begrüßung stellt Sasul Tichy seinen Klon vor, oder stellt der Klon das Orginal im Spiritusbad vor? Was passiert, wenn die Erfindung dem Erfinder überlegen ist?
In der vierten Geschichte präsentiert der Physiker Molteris Tichy seine Zeitmaschine. Doch für deren Bau braucht es Geld, und so reist Molteris 30 Jahre in die Zukunft, um zu sehen, wer die Zeitmaschine mit Geldern unterstützt hat. Zurück kommt er leider nicht. Lem zeigt hier die Problematiken der Zeitreise auf. Natürlich altert man, wenn man in der Zeit reist, was einige Probleme aufwirft und einige Autoren schon immer falsch machen.
Weiter geht es mit zwei Roboter-Geschichten. Die erste Geschichte beginnt ganz harmlos: Der eine Waschmaschinenhersteller lässt seine Waschmaschine Gedichte rezitieren, der andere Hersteller bildet seine Waschmaschine als Amme aus, und schon hat der sinnlose Wettlauf begonnen. Die Roboter, immer mehr mit »Herz und Verstand«, erheben sich gegen ihre Erbauer. Bei Lem eskaliert das aber nicht in einen Krieg, sondern in endlose Argumentationsreihen zwischen Roboter und Mensch im Sinne von »Ich denke, also bin ich«.
In der letzten Geschichte besucht Tichy eine Psychiatrie für Roboter. Allein die Idee ist schon wunderbar, und Lem füllt die Psychatrie mit wunderbaren Robotern und deren Geschichten und Sichtweisen auf sich selbst und auf die Menschheit, ihre Erbauer, die schon längst überholt haben.
Einerseits sind die »Sterntagebücher« Science Fiction, schließlich geht es um Roboter, Technik und Zukunft. Anderseits sind sie ein leicht satirischer Blick auf die Menschheit, ihre Träume, ihre Ängste und ihr Selbstverständnis. Nach der Lektüre, bzw. nach dem Hören ist die Welt nicht besser oder schlechter, Lem nimmt uns nur ein bisschen an der Hand und zeigt uns neue, andere Sichtweisen. Und das alles auf drei CDs! Meine größte Hochachtung vor dem Autor und dem Sprecher Michael Schwarzmaier, die mich das Hörbuch heute abend gleich wieder einlegen lassen.
Und was ein Glück, dass mir der Verlag fünf Exemplare der »Sterntagebücher« geschickt hat, um sie unters Volk zu bringen. Wenn ihr mir folgende Frage bis zum 22. Oktober 2006 richtig beantwortet, könnt ihr die Geschichten vielleicht selbst bald anhören.
Welche andere Geschichtensammlung von Lem ist im
Verlag für Hörbuchproduktionen erschienen? Richtige Antwort samt Adresse bitte an
gewinnspiel@perry-rhodan.net.
Miriam Hofheinz