Autorenblog von Atlan-Autor Achim Mehnert

Achims Blog

Mein Leben spielt sich ab zwischen Dom und Rhein. Zwischen Schreibtisch, Fußballplatz, Konzerthalle und Kneipe. Auf der Straße. Virtuell und in der Wirklichkeit. Und sogar in den Köpfen mancher Leute. Ein bißchen von alledem findet hier seinen Niederschlag.

Falk-Sonderbände

In der Hochzeit der Piccolo-Comics zeichnete Hansrudi Wäscher nicht nur die regelmäßig erscheinenden Fortsetzungsgeschichten, sondern parallel dazu abgeschlossene Abenteuer der einzelnen Helden. Diese erschienen ebenfalls als Piccolos, aber als "Sonderband" deklariert, und wurden später wie die regulären Geschichten als Großbände neu aufgelegt.

Jetzt liegen mir fünf Falk-Sonderbände vor, die die Grundlage für mein nächstes Falk-Buch bilden. Von einem Roman kann man in diesem Fall nicht reden, es sei denn, man sieht die einzelnen Stories als Romankapitel an. Die Großbände sind heute eingetroffen, und ich konnte es mir nicht verkneifen, mich gleich auf den Rücken zu legen und ein wenig zu schmökern. Die fünf vergleichsweise kurzen Abenteuer bieten gewohnt spannende Falk-Kost, auf deren literarische Umsetzung ich mich in Kürze mit Freude stürzen werde.

Sammlerherz 17

Das „Magazin für den Comic- und Nostalgiefreund“, so der Untertitel, erscheint einmal im Jahr. Die Ausgabe 17 habe ich von der letzten Intercomic mitgenommen. Seit ich das Sammlerherz dort vor zwei Jahren entdeckte, gehört es neben der Sprechblase und dem Hansrudi Wäscher-Magazin zu den Comic-Magazinen, die ich regelmäßig lese.
 
Das dynamische Titelbild nimmt einen auf den ersten Blick gefangen: ein sich aufbäumendes Pferd neben einer bellenden Hundemeute, dazu im Hintergrund eine Figur, die an einen Zauberer aus der einschlägigen Literatur erinnert und dem Bild einen Hauch von Fantasy verleiht. Ich wurde auf Anhieb neugierig, weil ich meinte, von dem Künstler noch nie etwas in einem Magazin oder Fanzine gesehen zu haben. Kein Wunder, denn der Künstler Hermann Vogel lebte von 1854 bis 1921. Im Heftinneren findet sich ein Artikel samt Lebensgeschichte des Plaueners, der als einer der besten und bekanntesten Illustratoren seiner Zeit galt. Unter anderem illustrierte er Märchen von Christian Andersen. Noch heute stellt das Vogtlandmuseum Plauen Werke von Vogel aus. Schöne Entdeckung eines mir bis dahin völlig unbekannten Künstlers.
 
Ein anderer interessanter Mensch scheint Luke Haas gewesen zu sein, „Den Toxkapp aus der Hiel“. Was Toxkapp bedeutet, erschließt sich mir zwar nicht, aber Hiel ist ein Stadtteil der Luxemburger Stadt Esch an der Alzette, die ich von häufigen Durchfahrten mit dem Auto kenne. Luke, gebürtig Lucien, Haas, dem Hans Simon einen längeren Nachruf widmet, war offenbar eine bekannte Luxemburger Größe. Er gehörte als Sänger, Gitarrist und Bassist verschiedenen Luxemburger Bands an, spielte dabei Rock'n'Roll, Prog-Rock und Balladen nicht nur in Luxemburgisch, sondern auch in Englisch, Französisch und Deutsch. Als Schriftsteller verfasste er das „Luxemburger Rock-Lexikon“ und den Bestseller „Luxemburger Rockstory“. Er war Comicsammler, Comiczeichner und publizierte das schwergewichtige Comicbuch „Comics in, aus und über Luxemburg“. Bemerkenswert ist, dass Luke Haas von der Kultusministerin für seine Pionierarbeit gewürdigt wurde, das kulturelle Leben in Luxemburg als Rockmusiker jahrzehntelang mitbestimmt zu haben. Ein umtriebiger, kreativer Mann, der mir bestimmt gefallen hätte, hätte ich ihn persönlich gekannt.
 
Zwei weitere Nachrufe finden sich in der vorliegenden Ausgabe. Auch Sammlerherz gedenkt des verstorbenen Hansrudi Wäscher, sowie zudem Dieter Lob, Sammler und profunder Kenner der Szene. Um einen – allerdings schon lange – Verblichenen geht es im Artikel „Georg Armstrong Custer – Die Schlacht am Little Big Horn“ von Hans Erich Dingel, in dem der Verfasser sich mit eben jenem Thema und Custers militärischer Laufbahn beschäftigt. Was mich im ersten Moment verwunderte, ist so erstaunlich gar nicht, dienten doch Custer, Crazy Horse und die Schlacht am Little Big Horn nicht nur als Vorlage für diverse Filme, sondern auch für eine Reihe von Comics. Erfreulich, dass Custers Wirken – exemplarisch der Angriff und das Massaker an den Cheyenne unter Black Kettle – durchaus kritisch betrachtet wird. Ein lesenswerter Blick über den Tellerrand.
 
Ein wichtiger Bestandteil im Sammlerherz ist die Fanszene. So findet sich ein Interview mit Detlef Lorenz, dem Vater des „Logbuch des Robinson Crusoe“, sowie ein weiteres mit dem Tarzan-Sammler Anton. Letzteren besuchte Fragesteller Eckhardt Walter zudem zu Hause und berichtet samt zahlreichen Bildern von einer Wohnung voller Tarzan-Schätze und anderer Dinge.
 
Der erste Teil eines zweiteiligen Artikels über – allerdings den neuen von Johann Kiefersauer – Mecki führt mich zurück in meine Kindheit. Als kleiner Junge habe ich auch Mecki gelesen, daran erinnere ich mich aber nur noch sehr verschwommen. Thematisch verwandt ist die Erinnerung an Werbehefte für Kinder in Comicform, wie sie vor einem halben Jahrhundert in Geschäften verteilt wurden, sei es Rotkäppchen oder Rumpelstilzchen, Der kleine Muck oder Max und Moritz. Wenn meine Eltern mit mir Schuhe kaufen gingen, durfte das niemals in einem anderen als in einem Salamander-Schuhgeschäft geschehen. Schließlich gab es dort bei jedem Einkauf immer die kostenlosen Lurchi-Heftchen dazu, sowie gelegentlich Gummifiguren von Lurchi oder seinen Freunden. Leider hat bei mir nichts davon überlebt. Das Zeug dürfte heute beim Verkauf einen ordentlichen Preis erzielen.
 
Neuland war für mich der Bericht über „Saint-Tin und sein Freund Lou“, eine Persiflage auf Tim und Struppi, die wegen Plagiatsverdachts sogar die französischen Gerichte beschäftigte. Als selbst kreativ Schaffender stehe ich dieser Tim und Struppi-Parodie äußerst skeptisch gegenüber. Weitaus mehr erwärmen könnte ich mich vermutlich für das französisch-belgische Comicepos „Hopfen und Malz“, das die Geschichte einer Bierbrauer-Dynastie über einen Zeitraum von 150 Jahren erzählt.
 
Ein Comic darf nicht fehlen. Hier ist es „Hauptmann Greko“ von Johannes Günther. Der Zeichenstil gefällt mir sehr. Allerdings werfen die fünf Seiten der Fortsetzungsgeschichte nicht mehr als ein kurzes Schlaglicht. Dies dürfte jedoch, nehme ich zumindest an, dem für das Magazin reichlich vorliegenden Material geschuldet sein. Gleiches gilt wohl auch für die siebenseitige Romanfortsetzung „Arthur – Die Odyssee“ von Hans Simon, illustriert ebenfalls von Johannes Günther. Der Text kommt nämlich ziemlich gedrängt daher, der Satz könnte durchaus ein wenig mehr Auflockerung und Struktur vertragen. Aber bei der Fülle des Materials, das die Herausgeber in ihrem Magazin unterbringen, ist das ein Jammern auf hohem Niveau.
 
Abgerundet wird die vorliegende Ausgabe durch die Sammlerherz Extrablätter, einen launig-bebilderten Bericht über die Bettelarmbänder Charms und eine Rezension zur Trigan-Neuauflage bei Panini. Während ich Storm schon als Jugendlicher klasse fand, habe ich zu Trigan nie einen Bezug gefunden. Römer im Comic-Weltraum? Das passte für mich einfach nicht zusammen.
 
Sammlerherz 17, herausgegeben von Hans Simon und Eckhardt Walter, kommt ausgesprochen abwechslungsreich daher und berührt auch Themen, die ich nicht unbedingt erwarte, die aber dennoch oder gerade deshalb zum Schmökern einladen. Die vollgepackten 68 Seiten im Magazinformat sind professionell aufgemacht, wunderbar bebildert und durchgängig lesenswert.
 
Weitere Informationen findet der Interessierte hier: www.sammlerherz.com.
Dort kann man das Magazin auch bestellen.

Goguls Armee im Zauberspiegel gelobt

Schon seit längerem bespricht der Fan Schlomo die Ren Dhark-Neuerscheinungen im Online-Magazin Zauberspiegel. Zu diesem Zweck wurde dort eigens eine Ren Dhark-Kolumne eingeführt, was Dhark-Macher und Leser gleichermaßen freut.

In seinem bereits 20. Beitrag - Respekt dafür, Schlomo. Alle Achtung! - befasst er sich mit Goguls Armee, dem aktuellen Sonderband aus meiner Feder. Er bespricht den Roman sehr ausführlich, geht Kapitel für Kapitel vor, und das in der ihm eigenen unterhaltsamen Art. Das geschieht unter der Überschrift: Achim Mehnert in Top Form. Ich gebe zu, das geht runter wie Öl.

Goguls Armee hat Schlomo gefallen, soviel kann ich der Besprechung also vorwegnehmen. Mehr noch, bei deren Überschwang kommt hoffentlich niemand auf die Idee, ich habe Schlomo für seinen Artikel bezahlt. Ich habe sogar kurz gezögert, die Besprechung an dieser Stelle zu verlinken - doch sonst tue ich es ja auch regelmäßig. Warum also nicht auch diesmal?

Den kompletten Kolumnenbeitrag findet man hier:
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/zauberstern-kolumnen-mainmenu-75/ren-dhark-das-all/29701-februar-schlomos-zwanzigste-Kolumne

Schönes Titelbild für Nick 8

An dem Roman schreibe ich derzeit, das Titelbild habe ich heute erhalten. Das ausgewählte Motiv gefällt mir sehr gut. Man beachte vor allem den Torbogen. Er spielt in der Geschichte nämlich eine wichtige Rolle. Der Romantitel steht, wie man sieht, auch schon fest. Erscheinen wird das Buch voraussichtlich zur Jahresmitte.


William Voltz - Die letzten Menschen der Erde

Die Menschen haben einen zwanzig Jahre währenden Krieg gegen die Torrels verloren, die Menschheit wurde dabei fast vollständig ausgerottet. Die wenigen hundert Überlebenden wurden auf eine lebensfeindliche Ödwelt deportiert, auf der ständige Staubstürme herrschen und man kaum einmal das Tageslicht zu sehen bekommt. Im Laufe der Zeit wird den Menschen immer klarer, dass sie auf diesem lebensfeindlichen Planeten endgültig zum Aussterben verurteilt sind. Eine Rückkehr zur Erde ist ihnen jedoch verboten, und Wachschiffe sorgen dafür, dass sie ihre Gefängniswelt nicht verlassen.
 
Dennoch starten die Überlebenden ein verzweifeltes Unternehmen. Sie wollen bei dem Versuch, ihre Heimatwelt zu erreichen, lieber sterben, als in der Ödnis des Staubplaneten elendiglich zu Grunde zu gehen. Mit einer Handvoll alter Raumer und einem Täuschungsmanöver gelingt ihnen tatsächlich die Flucht, doch von nun an werden sie von den überlegenen Streitkräften der Torrels gejagt, die unter allen Umständen verhindern wollen, dass die Überlebenden einen Fuß auf Terra setzen.
 
Martin Dennister, der sich mehr und mehr als Führungsgestalt der Menschen herauskristallisiert, sieht sich dabei zwei Anführern der Torrels gegenüber. Der junge, in der Militärhierarchie aufstrebende Heiiti Jaason, der die Menschen am liebsten ganz ausrotten würde, steht dabei dem erfahrenen, alten Kriegsveteranen Tiit Pootsepp gegenüber. Pootseep begegnet den Terranern nicht nur respektvoll, er hegt sogar Sympathie für diese Wesen. Als sich die meisten Raumer der Menschen opfern, damit ein einziges Schiff bis zur Erde vordringen kann, rettet Pootsepp Martin Dennister vor dem Tod im Weltall.
 
Während sich zwischen den beiden ehemaligen Feinden eine Freundschaft entwickelt, führen die Umstände dazu, dass sie gemeinsam zurück auf die Staubwelt fliegen müssen, wo sie ihr weiteres einsames Dasein fristen. Indes wiederholt sich die Geschichte, wenn auch mit anderen Vorzeichen. In einem weiteren Krieg besiegen die Burl die Torrels und jagen deren Überlebende in alle Richtungen davon.
 
Bei Die letzten Menschen der Erdehandelt es sich um ein Frühwerk des 1938 in Offenbach geborenen und 1984 verstorbenen Science Fiction Autors William Voltz, dessen erste Fassung 1966 erschien. Der überzeugte Humanist Voltz, der über mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke der Perry Rhodan-Serie lenken sollte, thematisiert in seinem serienunabhängigen Roman die Unterdrückung von Minderheiten und mögliche daraus resultierende Folgen, die bis zum Völkermord gehen können.
 
Der vorliegende Roman ist ein tragischer, was umso deutlicher wird, wenn man weiß, auf welchem realen Vorbild die Handlung basiert. Von jeher erschütterte William Voltz nämlich das Schicksal der Cheyenne-Indianer, die man um ihre Heimat gebracht und fast ausgerottet hatte. Er griff dieses traurige Schicksal auf und versetzte die Handlung in die Zukunft und ins Weltall. Die Figuren des Romans, allen voran Martin Dennister, der sich nach den Wirren der Ereignisse als einsamer Mensch in einer verhassten Umwelt wiederfindet, nehmen viel von jenen Charakteren vorweg, die der Autor später für Perry Rhodan schuf, besonders den im Kosmos verlorenen Alaska Saedelaere.
 
Die Geschichte ist weitgehend stringent geschrieben, abwechselnd erzählt aus den Perspektiven von Martin Dennister, Heiiti Jaason und Tiit Pootsepp. Sie verzichtet auf Bögen und Umwege und konzentriert sich auf den verzweifelten Versuch der letzten Menschen, zur Erde zu gelangen. Bei aller Tragik gestaltet Voltz das Ende versöhnlich. Als Dennister nach vielen Jahren und als alter Mann mit Hilfe seines Freundes Pootsepp doch noch den Weg nach Hause findet, wenn auch nur für einen Augenblick, trifft er auf den Kern einer neuen menschlichen Zivilisation. Terra und die Terraner können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
 
Als William Voltz den Roman in den frühen Achtziger Jahren, damals schon schwer krank, noch einmal überarbeitete, verfasste er dazu ein Vorwort, dessen Botschaft leider auch heute noch traurige Gültigkeit besitzt: „Die Gewalt, die unsere Welt überflutet, Rücksichtslosigkeit und Haß sind letztlich nur Zeichen von Angst. Sie muß überwunden werden, bevor eines Tages wirklich die letzten Menschen der Erde vor den Trümmern unserer Zivilisation stehen."
 
William Voltz: Die letzten Menschen der Erde
Utopische Klassiker Band 1
HJB-Verlag 1996, herausgegeben von Gerd Rottenecker
Hardcover, ca. 176 Seiten, DM 16,80