Autorenblog von Atlan-Autor Achim Mehnert

Achims Blog

Mein Leben spielt sich ab zwischen Dom und Rhein. Zwischen Schreibtisch, Fußballplatz, Konzerthalle und Kneipe. Auf der Straße. Virtuell und in der Wirklichkeit. Und sogar in den Köpfen mancher Leute. Ein bißchen von alledem findet hier seinen Niederschlag.

Black Sabbath mit furiosem Finale

Sie gelten als die Gründerväter des Heavy Metal und drückten dem Genre über annähernd fünf Dekaden ihren Stempel auf, wenn auch mit wechselnden Besetzungen. Neben Ozzy Osbourne sangen vorübergehend auch Ronnie James Dio sowie Ian Gillan bei Black Sabbath. Zudem sah ich vor ein paar Jahren bei einem Open Air in Bonn unter dem Bandnamen „Heaven and Hell“ die Besetzung Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice.

Jetzt, fünfzig Jahre nach den ersten gemeinsamen musikalischen Gehversuchen von Osbourne, Iommi, Butler und Bill Ward, begab sich die Legende auf Abschiedstour. Das letzte Konzert in Deutschland, bevor dann in ihrer Heimatstadt Birmingham endgültig der Vorhang fällt, fand in Köln statt. Der einzige Wermutstropfen war das Fehlen von Bill Ward am Schlagzeug, der durch den zugegeben hervorragenden Trommler, einen echten Berserker hinter der Schießbude, Tommy Clufetos ersetzt wurde.
 
Black Sabbath legten los mit Black Sabbath, und gleich vom ersten Stück an kochte die Halle. In der Bühnenmitte stand Ozzy am Mikrofonständer, an dem er das ganze Konzert über hüpfte und wibbelte und den er nur zu gelegentlichen Ausflügen losließ, um das Publikum unermüdlich zum rhythmischen Klatschen zu animieren. Was aber gar nicht nötig war, denn die 15.000 Besucher in der KölnArena feierten ihre Helden noch einmal frenetisch ab. Zur Linken (von den Zuschauern aus gesehen) malträtierte Geezer Butler seinen Bass, und rechts glänzte Tony Iommi an der Gitarre. Der von ihm produzierte schwere Gitarrensound war schon immer eins der Markenzeichen von Black Sabbath, das ihrer Musik einen ganz eigenständigen Sound verlieh, eine unverwechselbare Note, in meinen Augen ein Alleinstellungsmerkmal, ähnlich wie es bei Motörhead auf deren eigene Art der Fall war.
 
Was in den folgenden knapp zwei Stunden folgte, war ganz großes Kino. Ich war schon bei zahlreichen Konzerten, aber ich habe noch nicht erlebt, dass vier Männer einen solchen Geräuschorkan erzeugen können – der übrigens anschaulich demonstrierte, dass auch in der oft gescholtenen KölnArena eine hervorragende Akustik möglich ist, wenn man die Technik entsprechend präpariert. Jedenfalls fegte ein brachiales Hitfeuerwerk von Fairies Wear Boots über War Pigs bis hin zu Dirty Womandurch die Halle, das einen im Innenraum regelrecht von den Socken haute. Iommis Gitarrenriffs kamen gewohnt düster daher, gewohnt schwer und trugen den musikalischen Unterbau fast ebenso mit wie Butlers donnernder Bass und der wie entfesselt trommelnde Clufetos. Ozzy, der Fürst der Finsternis, war weitaus besser bei Stimme, als ich das vorab gelesen hatte. Er wetteiferte mit Tonys Gitarreninferno und schien geradezu besessen davon, sich nicht von dieser Riffkanonade unterkriegen zu lassen.
 
Bei Iron Man und Children of the Grave ging es dann dem heraufbeschworenen Ende entgegen. Spaß hatten sie bis zuletzt, das sah man besonders dem lachenden Ozzy an, und das Publikum war ohnehin aus dem Häuschen. Meinetwegen hätte das Konzert gern noch zwei Stunden weitergehen können, aber die älteren Herren auf der Bühne sind nun mal leider nicht mehr die Jugendlichen, die sich vor einem halben Jahrhundert aus Birmingham aufmachten, um die Welt zu erobern. Wehmut kam bei dem Konzert nicht auf, dazu blieb überhaupt keine Zeit, doch davon verspüre ich jetzt ein wenig, da ich diese Zeilen niederschreibe. Denn es ist wirklich vorbei, das wurde endgültig besiegelt mit dem finalen Stück, das kein anderes als Paranoid hätte sein können und bei dem Band und Publikum noch einmal durch die Decke gingen.
 
Danach war ich nicht nur zufrieden, nein, ich war schlichtweg begeistert von einem Auftritt, der eine Messlatte war, an die so schnell kein anderer herankommen dürfte. Black Sabbath spielten als gäbe es kein Morgen, was in gewisser Weise ja auch zutrifft. Dass dies das Ende gewesen sein soll, ist trotz allem nur schwer vorstellbar. Die Musiker spielten mit einem Elan und einer unbändigen Kraft, die, wüsste man es nicht besser, vermuten ließe, die Band stände ganz am Anfang und würde gerade jetzt erst so richtig loslegen.
 
Die komplette Setlist: 1. Black Sabbath - 2. Fairies Wear Boots - 3. Under the Sun/Every Day Comes and Goes - 4. After Forever - 5. Into the Void - 6. Snowblind - 7. War Pigs - 8. Behind the Wall of Sleep - 9. N.I.B. - 10. Hand of Doom - 11. Rat Salad - 12. Iron Man - 13. Dirty Women - 14. Children of the Grave - 15. Paranoid
 

Rebellen gegen die Friedensstifter

Sechs Wochen sind schon rum im neuen Jahr, das so neu also gar nicht mehr ist. Diesmal hat es lange gedauert, bis meine ersten Belegexemplare eintrafen. Man bekommt ja Entzugserscheinungen, wenn man nicht hin und wieder ein eigenes neues Werk in Händen hält. Doch nun ist es endlich soweit.

Die druckfrische Ausgabe von Ren Dhark 67 ist angekommen. Das Buch trägt den Titel Rebellen gegen die Friedensstifter, die enthaltenen Romanbeiträge wurden von mir, Nina Morawietz und Andreas Zwengel geschrieben, das Exposé von Ben B. Black. Das Titelbild stammt wie gewohnt von Ralph Voltz. Ralphs Darstellung des Woniozell mit dem zungenbrecherischen Namen Dabophilorisoptyl gefällt mir immer noch ausgesprochen gut.

Kölsche Mundart mit dem Drei Mann Quartett

Kölsch wie auch andere regionale Mundarten wird immer weniger gesprochen, heißt es – und immer weniger gesprochen werden. Es sei abzusehen, dass die Dialekte aussterben. Bin ich in Köln in den Veedeln unterwegs, in der Straßenbahn oder selbst in kölschen Kneipen, fällt mir auf, dass die Behauptung stimmt. Oder zumindest bilde ich mir das ein. Kölsch sprechen überwiegend noch die alten Kölner.
 
Anders ist das im Karneval, wo die kölsche Sprache aus dem Liedgut nicht wegzudenken ist. Zu den Gruppen, die dort seit Jahrzehnten auftreten (Bläck Fööss, Höhner, Paveier, Räuber), gesellten und gesellen sich alljährlich neue Bands (wie beispielsweise die Klüngelköpp, Kasalla, Cat Balou, Die Domstürmer). Leider bekommt man sowohl von den Alteingesessenen als auch den Neuen in ihren Liedern kaum einmal mehr richtig schöne Geschichten erzählt, so wie es vor allem die Bläck Fööss in den Siebziger Jahren machten. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber überwiegend muss für jede Session eine neue Hymne her, die auch der letzte Depp noch mit drei Promille mitgrölen kann.
 
Glücklicherweise gibt es – abseits der großen Bühnen und zumeist unbeachtet seitens eines feierwütigen Publikums – Musiker, die sich der kölschen Mundart und den alten Texten verschrieben haben. Sie pflegen sie bei ihren Auftritten mit Begeisterung und erhalten sie am Leben. Zunächst fiel mir das vor ein paar Jahren bei der Familich auf, auch bei Philipp Oebel und vor geraumer Zeit bei Peter Schmitz-Hellwing. Und jetzt lernte ich eine Band kennen, von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. Noch dazu geschah das, nachdem mir ein Flyer in die Hand gefallen war, nicht in Köln, sondern in der mittelalterlichen Burg Mauel im Windecker Ländchen.
 
Um ein Trio handelt es sich, das den im ersten Moment merkwürdig anmutenden Namen Drei Mann Quartett trägt. Verständlich wird er, wenn man erfährt, dass das Publikum als der vierte Mann (oder die vierte Frau) gilt. Dass das dreiköpfige Quartett bislang an mir vorbeiging, wundert mich, spielen die Jungs doch bereits seit einigen Jahren zusammen. Freddie Böhmer und Martin Hark spielen akustische Gitarre, Reinhold Schreiber zupft den E-Bass, jedoch kommen im Laufe des Konzerts auch weitere Instrumente wie beispielsweise die durch Hans Süper bekannt gewordene Flitsch zum Einsatz. Das Bild oben habe ich von Facebook entliehen, dort ist das Drei Mann Quartett präsent.
 
Der Gewölbesaal der Burg Mauel bot einen schönen Rahmen für den Auftritt. Wie lang mag er gewesen sein (der Auftritt, nicht der Gewölbesaal)? Zwei Stunden bestimmt, ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Wozu auch, denn die Zeit verging wie im Flug. Die Musiker konzentrierten sich auf Klassiker der kölschen Mundart wie Willi Ostermanns (1876 – 1936) Die Mösch und Kutt erop! oder Karl Berbuers (1900 – 1977) Heidewitzka, Herr Kapitän sowie das von Hans Knipp (1944 – 2011) komponierte und von Horst Muys (1925 – 1970) bekannt gemachte Ne Besuch em Zoo. Alles wohlklingende Namen von Komponisten, Textdichtern und Krätzchensängern. Diese klassischen Mundartlieder ließen sich damals durchaus dem Karneval zurechnen, gehen für mich aber viel weiter. Häufig liefern sie Alltagsbeobachtungen in musikalisch aufbereiteter Form, worin besonders Willi Ostermann ein Meister war. Ich bin ne kölsche Jung von Fritz Weber (1909 – 1984) kam ebenso zu Ehren wie De Pänz sin us dem Hus und weitere Stücke der Bläck Fööss, kein Wunder, gelten zahlreiche Leeder der Mutter aller kölschen Bands selbst längst als Klassiker. Noch viel mehr gab es, und manches kannte ich gar nicht.
 
Freddie Böhmer, Martin Hark und Reinhold Schreiber singen alle. Jeder der drei hat offenbar seine persönlichen Lieblingsstücke, und mit entsprechender Hingabe werden sie vorgetragen. Man merkt den Musikern ihre Freude beim Vortrag an, was noch unterstrichen wird durch die launigen Ansagen und die kleinen Verzällcher zwischen den einzelnen Stücken. Dank Musikern wie dem Drei Mann Quartett leben solche musikalischen Perlen in kölscher Mundart weiter, was aller Ehren wert ist und nicht genug anerkannt werden kann. Es war ein herrliches Konzert, und das dreiköpfige Quartett wird mich wiedersehen. So kündigten die Musiker bereits an, im kommenden August, und dann unter freiem Himmel, erneut in der Burg Mauel aufzutreten. Dann fahre ich wieder hin. Also, heißer Tip für alle Freunde von Krätzchen und kölschen Mundart-Evergreens: das Drei Mann Quartett!

Tibor im Wunderland?

Ein weiteres Titelbild ist da, das ich schon vorstellen kann. Der Roman steht zwar erst in den kommenden Monaten auf meiner Schreibagenda, aber das Covermotiv gibt schon einen kleinen Ausblick. Jagt da etwa ein Riesenkaninchen ein Zebra?


William Voltz - Die letzten Menschen der Erde

Die Menschen haben einen zwanzig Jahre währenden Krieg gegen die Torrels verloren, die Menschheit wurde dabei fast vollständig ausgerottet. Die wenigen hundert Überlebenden wurden auf eine lebensfeindliche Ödwelt deportiert, auf der ständige Staubstürme herrschen und man kaum einmal das Tageslicht zu sehen bekommt. Im Laufe der Zeit wird den Menschen immer klarer, dass sie auf diesem lebensfeindlichen Planeten endgültig zum Aussterben verurteilt sind. Eine Rückkehr zur Erde ist ihnen jedoch verboten, und Wachschiffe sorgen dafür, dass sie ihre Gefängniswelt nicht verlassen.
 
Dennoch starten die Überlebenden ein verzweifeltes Unternehmen. Sie wollen bei dem Versuch, ihre Heimatwelt zu erreichen, lieber sterben, als in der Ödnis des Staubplaneten elendiglich zu Grunde zu gehen. Mit einer Handvoll alter Raumer und einem Täuschungsmanöver gelingt ihnen tatsächlich die Flucht, doch von nun an werden sie von den überlegenen Streitkräften der Torrels gejagt, die unter allen Umständen verhindern wollen, dass die Überlebenden einen Fuß auf Terra setzen.
 
Martin Dennister, der sich mehr und mehr als Führungsgestalt der Menschen herauskristallisiert, sieht sich dabei zwei Anführern der Torrels gegenüber. Der junge, in der Militärhierarchie aufstrebende Heiiti Jaason, der die Menschen am liebsten ganz ausrotten würde, steht dabei dem erfahrenen, alten Kriegsveteranen Tiit Pootsepp gegenüber. Pootseep begegnet den Terranern nicht nur respektvoll, er hegt sogar Sympathie für diese Wesen. Als sich die meisten Raumer der Menschen opfern, damit ein einziges Schiff bis zur Erde vordringen kann, rettet Pootsepp Martin Dennister vor dem Tod im Weltall.
 
Während sich zwischen den beiden ehemaligen Feinden eine Freundschaft entwickelt, führen die Umstände dazu, dass sie gemeinsam zurück auf die Staubwelt fliegen müssen, wo sie ihr weiteres einsames Dasein fristen. Indes wiederholt sich die Geschichte, wenn auch mit anderen Vorzeichen. In einem weiteren Krieg besiegen die Burl die Torrels und jagen deren Überlebende in alle Richtungen davon.
 
Bei Die letzten Menschen der Erdehandelt es sich um ein Frühwerk des 1938 in Offenbach geborenen und 1984 verstorbenen Science Fiction Autors William Voltz, dessen erste Fassung 1966 erschien. Der überzeugte Humanist Voltz, der über mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke der Perry Rhodan-Serie lenken sollte, thematisiert in seinem serienunabhängigen Roman die Unterdrückung von Minderheiten und mögliche daraus resultierende Folgen, die bis zum Völkermord gehen können.
 
Der vorliegende Roman ist ein tragischer, was umso deutlicher wird, wenn man weiß, auf welchem realen Vorbild die Handlung basiert. Von jeher erschütterte William Voltz nämlich das Schicksal der Cheyenne-Indianer, die man um ihre Heimat gebracht und fast ausgerottet hatte. Er griff dieses traurige Schicksal auf und versetzte die Handlung in die Zukunft und ins Weltall. Die Figuren des Romans, allen voran Martin Dennister, der sich nach den Wirren der Ereignisse als einsamer Mensch in einer verhassten Umwelt wiederfindet, nehmen viel von jenen Charakteren vorweg, die der Autor später für Perry Rhodan schuf, besonders den im Kosmos verlorenen Alaska Saedelaere.
 
Die Geschichte ist weitgehend stringent geschrieben, abwechselnd erzählt aus den Perspektiven von Martin Dennister, Heiiti Jaason und Tiit Pootsepp. Sie verzichtet auf Bögen und Umwege und konzentriert sich auf den verzweifelten Versuch der letzten Menschen, zur Erde zu gelangen. Bei aller Tragik gestaltet Voltz das Ende versöhnlich. Als Dennister nach vielen Jahren und als alter Mann mit Hilfe seines Freundes Pootsepp doch noch den Weg nach Hause findet, wenn auch nur für einen Augenblick, trifft er auf den Kern einer neuen menschlichen Zivilisation. Terra und die Terraner können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
 
Als William Voltz den Roman in den frühen Achtziger Jahren, damals schon schwer krank, noch einmal überarbeitete, verfasste er dazu ein Vorwort, dessen Botschaft leider auch heute noch traurige Gültigkeit besitzt: „Die Gewalt, die unsere Welt überflutet, Rücksichtslosigkeit und Haß sind letztlich nur Zeichen von Angst. Sie muß überwunden werden, bevor eines Tages wirklich die letzten Menschen der Erde vor den Trümmern unserer Zivilisation stehen."

 
William Voltz: Die letzten Menschen der Erde
Utopische Klassiker Band 1
HJB-Verlag 1996, herausgegeben von Gerd Rottenecker
Hardcover, ca. 176 Seiten, DM 16,80